Menschen mit Osteoporose, Herzschwäche oder einer Krebsdiagnose hoffen auf bessere Medikamente. Eine besondere Gruppe von Eiweißmolekülen auf der Oberfläche unserer Zellen könnte dabei künftig eine große Rolle spielen. Sie heißt Adhäsions-GPCR, doch kaum jemand kennt sie. Genau das ist das Problem. Forschende der Universität Leipzig wollen das ändern.
30 Jahre Forschung in einer Studie
Auf der Oberfläche jeder menschlichen Zelle sitzen sogenannte Rezeptoren. Man kann sie sich wie Antennen vorstellen. Sie empfangen Signale von außen und geben diese ins Zellinnere weiter. Adhäsions-GPCR sind eine besondere Gruppe solcher Antennen. Sie reagieren sowohl auf chemische Botenstoffe als auch auf mechanische Reize, also zum Beispiel, wenn Gewebe gedehnt wird. Von den 33 bekannten menschlichen Vertretern dieser Gruppe werden 17 mit bestimmten Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Störungen der Myelinisierung, Stoffwechselerkrankungen und Krebs.
Genau dieses Wissen haben Forschende des Rudolf-Schönheimer-Instituts für Biochemie der Medizinischen Fakultät Leipzig nun zusammen mit Kollegen der Shandong-Universität in China gebündelt. Ihre Übersichtsstudie erschien in "Nature Reviews Drug Discovery", einem der weltweit führenden Fachjournale für Arzneimittelforschung. Veröffentlichungen dort sind nur auf Einladung möglich, was die Bedeutung der Arbeit unterstreicht.
Die Studie listet alle bekannten natürlichen und künstlich hergestellten Wirkstoffe auf, die diese Rezeptoren beeinflussen können. Sie bündelt damit rund 30 Jahre Forschung in fast 300 wissenschaftlichen Arbeiten. "Das Wissen über die Rolle von Adhäsions-GPCR in menschlichen Erkrankungen wächst rasant", sagt Studienleiterin Prof. Dr. Dr. Ines Liebscher. Mit der Arbeit wolle ihr Team dazu beitragen, die Brücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung weiter zu festigen.