Das Südtiroler Weingut St. Quirinus zählt zu den jüngeren Betrieben der Region, die zugleich eine jahrtausendealte Weinbautradition hat. Ich traf den Winzer Michael Sinn in Oberplanitzing, einem Ortsteil von Kaltern am Kalterer See. Der junge Familienbetrieb, mit Hofbau 2009 und eigenem Weinbau ab 2013, produziert heute knapp 60.000 Flaschen jährlich und bewirtschaftet fast 10 Hektar auf Weinbergen, die zwischen 230 und 700 Meter hoch liegen. St. Quirinus steht für biodynamische Bewirtschaftung (Demeter-zertifiziert seit 2013), damit einhergehend minimalen Pflanzenschutz und einen hohen PiWi-Anteil von 25–33 Prozent. Das restliche (und insgesamt natürlich größere) Sortiment des Weinguts verbindet internationale Rebsorten mit regionalen Klassikern.
Sauvignon Blanc, Blauburgunder und Weißburgunder werden teilweise lagenbezogen ausgebaut und spiegeln die Vielfalt der Standorte wider. Gleichzeitig bleibt die Pflege traditioneller Südtiroler Sorten ein wichtiges Anliegen. So nimmt Vernatsch – die historische Rebsorte des Kalterer See-Gebiets – weiterhin einen festen Platz ein. Nachdem Vernatsch in der Vergangenheit häufig auf hohe Erträge und einfache Qualitäten ausgerichtet war, setzt Michael Sinn wie viele jüngere Betriebe heute auf reduzierte Mengen und sorgfältige Vinifikation. Die daraus entstehenden Weine zeigen sich leichter, fruchtbetont und feingliedrig, sie besitzen aber deutlich mehr Struktur und Ausdruck als frühere Generationen. Auch die rote Traditionssorte Lagrein gehört zu den wichtigen Pfeilern des Betriebs. Ein zusammenhängender Weinberg nördlich des Kalterer Sees, teils mit über 60 Jahre alten Pergola-Reben bestockt, liefert die Grundlage für einen dichten, farbintensiven Lagrein mit geschmeidigem Tannin. Neben der traditionellen Pergola-Erziehung werden jüngere Anlagen zunehmend im Guyot-System bewirtschaftet, um Ertrag und Reifeentwicklung präziser steuern zu können. Die Ernte erfolgt grundsätzlich von Hand, wie es in Südtirol aufgrund der kleinteiligen Strukturen vieler Weinberge üblich ist.

