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Was in der Luft rund um einen Flughafen steckt

Mitten im Geschehen: Auf dem Vorfeld vor Terminal 2 erfasste das Leipziger TROPOS-Institut die winzigen Partikel direkt dort, wo Triebwerke laufen.
TROPOS-Forschende messen ultrafeine Partikel auf dem Vorfeld vor Terminal 2 des Frankfurter Flughafens.© Philipp Oehlke/TROPOS
Von: Wissensland
Winzig, unsichtbar und trotzdem überall: Ultrafeine Partikel aus Flugzeugtriebwerken lassen sich noch in 15 Kilometern Entfernung vom Frankfurter Flughafen nachweisen. Forschende des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) aus Leipzig haben neue Messdaten veröffentlicht. Sie zeigen, was Flugzeuge wirklich in die Luft blasen.

Jedes Mal, wenn ein Flugzeug startet oder landet, gelangen Millionen winziger Partikel in die Luft. Sie sind so klein, dass sie mit bloßem Auge unsichtbar bleiben. Ein menschliches Haar ist etwa 70 Mikrometer dick, ultrafeine Partikel sind um ein Vielfaches kleiner. Fachleute nennen sie ultrafeine Partikel, kurz UFP. Welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit haben könnten, wird seit Jahren intensiv erforscht. Forschende des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung e. V. in Leipzig haben dazu nun neue Messergebnisse rund um den Frankfurter Flughafen veröffentlicht.

Im Auftrag des Forums Flughafen und Region (FFR) untersuchten Wissenschaftler die Luftqualität an 14 Messstellen rund um den Frankfurt Airport. Die Messungen zeigen: Direkt auf dem Flughafengelände befinden sich deutlich mehr ultrafeine Partikel in der Luft als im städtischen Hintergrund, bei den kleinsten Partikeln teilweise bis zum 30-Fachen. Besonders betroffen ist der Größenbereich zwischen 10 und 20 Nanometern. Diese besonders kleinen Partikel lassen sich nach Angaben der Forschenden vor allem dem Flughafenbetrieb zuordnen. Mit zunehmender Entfernung vom Flughafen nimmt ihr Einfluss jedoch deutlich ab.

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Andere Schadstoffe zeigen kein auffälliges Bild

"Hier endeten unsere Messungen. Allerdings lag der Beitrag des Flughafens in dieser Entfernung auch nur noch bei etwa 10 Prozent im Jahresmittel", sagt Dr. Markus Hermann vom TROPOS, Studienleiter der Untersuchung. "Von einem relevanten Beitrag des Flughafens über diese Entfernung hinaus ist somit nicht auszugehen." In rund 15 Kilometern Entfernung stammen also die meisten ultrafeinen Partikel bereits aus anderen Quellen, etwa Straßenverkehr, Industrie oder Heizungen.

Neben ultrafeinen Partikeln untersuchte das Forschungsteam auch weitere Luftschadstoffe wie Ruß, Sulfat, Nitrat und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Einige dieser Stoffe gelten als gesundheitsschädlich oder krebserregend. Hier zeigte sich jedoch ein anderes Bild. "Der Flughafen wirkt hier lediglich als lokale Quelle. Die Emissionen des Flughafens lassen sich nicht klar von städtischen Quellen in größerer Entfernung abgrenzen“, erklärt Prof. Dr. Alexander Vogel von der Goethe-Universität Frankfurt, stellvertretender Studienleiter. Bei diesen Schadstoffen unterscheidet sich die Belastung rund um den Flughafen also nicht deutlich von der anderer großer Städte.

Studie läuft weiter

Für die Untersuchung nutzten die Forschenden nicht nur stationäre Messgeräte. Auch Drohnen kamen zum Einsatz, um die Verteilung der Partikel in unterschiedlichen Höhen zu untersuchen. Mobile Messungen rund um den Flughafen ergänzten die Daten zur räumlichen Ausbreitung der Partikel.

Ultrafeine Partikel unterscheiden sich von klassischem Feinstaub vor allem durch ihre extreme Größe. Während Luftschadstoffe oft über ihre Masse gemessen werden, spielt bei ultrafeinen Partikeln vor allem ihre Anzahl eine Rolle. Fachleute diskutieren deshalb seit Jahren, ob herkömmliche Luftmessungen diese winzigen Partikel ausreichend erfassen. Flughäfen gelten dabei als wichtige mögliche Quellen solcher ultrafeinen Partikel.

Die Studie läuft noch bis Ende 2026. Dann soll ein Modell berechnen, wie sich die Belastung mit ultrafeinen Partikeln im gesamten Untersuchungsgebiet verteilt.


Publikation:
Den Bericht zur Studie gibt es hier.

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