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Schmetterlinge auf Facebook – und die Forschung profitiert

Auffällig und gut erkennbar: Der südasiatische Edelfalter Acraea terpsicore ist auf dem Vormarsch. Seine Ausbreitung lässt sich dank Fotos aus sozialen Medien inzwischen fast in Echtzeit verfolgen.
Der Edelfalter Acraea terpsicore breitet sich von Indien, Bangladesch und Sri Lanka aus immer weiter in Süd- und Südostasien aus – und landet dabei auch auf Handyfotos von Urlaubern. Genau diese Bilder machen ihn zum Forschungsobjekt. © S. Chowdhury/iDiv
Von: Wissensland
Urlaubsfotos von bunten Schmetterlingen sind nicht nur schöne Erinnerungen – sie können echte Wissenschaft voranbringen. Forschende aus Leipzig und Jena haben gezeigt, wie Bilder aus sozialen Netzwerken helfen, den Rückgang der Artenvielfalt zu verstehen. Ihr Ergebnis: überraschend gut.

Wer im Urlaub einen bunten Schmetterling fotografiert und das Bild bei Facebook oder auf Fotoplattformen wie Flickr postet, denkt dabei kaum an Wissenschaft. Doch genau solche Fotos könnten helfen, den Zustand unserer Natur besser zu verstehen – und zu schützen.

Eine neue Studie belegt das. Forschende des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Monash University haben Fotos eines südasiatischen Schmetterlings von Flickr und Facebook ausgewertet. Die Zahl der dokumentierten Sichtungen dieser Art stieg dadurch um 35 Prozent. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Conservation Biology“.

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Warum Schmetterlinge auf Facebook zählen

Untersucht wurde der südasiatische Edelfalter Acraea terpsicore – eine auffällige, gut erkennbare Art, die sich derzeit von Indien, Bangladesch und Sri Lanka aus in weitere Teile Süd- und Südostasiens ausbreitet. Gerade weil sie so markant ist, taucht sie häufig auf Fotos in sozialen Netzwerken auf. Die Forschenden kombinierten diese Bilder mit Daten der Global Biodiversity Information Facility (GBIF), einer internationalen Datenbank für Artnachweise. Der erweiterte Datensatz verbesserte sogenannte Artenverbreitungsmodelle. Diese Modelle helfen abzuschätzen, wo Arten vorkommen und wie sich ihre Verbreitung verändert.

Die zusätzlich einbezogenen Social-Media-Daten lieferten Nachweise aus Regionen, die in wissenschaftlichen Datenbanken bislang kaum vertreten waren – etwa aus höher gelegenen oder niederschlagsärmeren Gebieten. Gerade solche Bedingungen spielen eine wichtige Rolle, wenn sich Arten im Zuge des Klimawandels verschieben. "Soziale Medien sind nicht nur Lärm, sondern liefern Daten, die unser Verständnis der Artenverteilung revolutionieren können – und oft genau jene Informationen, die wir am dringendsten benötigen", erklärt Erstautor Dr. Shawan Chowdhury von der Monash University.

Jeder kann mitmachen – mit Grenzen

Nicht jede Art lässt sich per Handyfoto zuverlässig bestimmen. Motten oder Käfer etwa sind auf sozialen Plattformen deutlich seltener vertreten und oft schwer zu erkennen. Außerdem können Arten verwechselt oder Fotos falsch interpretiert werden. Eine fachliche Überprüfung bleibt deshalb notwendig. Trotzdem sehen die Forschenden großes Potenzial. Prof. Dr. Aletta Bonn vom UFZ, iDiv und der Universität Jena betont, wie wichtig Beobachtungen einzelner Menschen sind, "um schnell fortschreitende Veränderungen der Biodiversität im Zusammenhang mit dem Klimawandel bewerten zu können."

Wer gezielt beitragen möchte, kann Apps wie iNaturalist oder die deutsche App Flora Incognita nutzen. Die dort erfassten Beobachtungen fließen direkt in wissenschaftliche Datenbanken ein. Die Studie zeigt: Auch Fotos aus sozialen Medien können – fachlich geprüft – einen wichtigen Beitrag zur Biodiversitätsforschung leisten.


Originalpublikation:
Chowdhury, S., Hawladar, N., Roy, R. C., Capinha, C., Cassey, P., Correia, R. A., Deme, G. G., Di Marco, M., Di Minin, E., Jarić, I., Ladle, R. J., Lenoir, J., Momeny, M., Rinne, J. J., Roll, U., Bonn, A. (2026). Harnessing social media data to track a species range shift: A case study using the tawny coster butterfly. Conservation Biology. 

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