Die ernsten Gesichter aller Protagonisten nach Spielschluss waren berechtigt. Und sie waren weniger der letztlich gerechten Punkteteilung beim 2:2 zwischen Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden geschuldet. Einem Ergebnis, das für beide Teams nach den Negativerlebnissen der vergangenen Wochen keinem Befreiungsschlag gleich kam. Der Todesfall eines Braunschweiger Fans, von dem die Teams erst unmittelbar nach Spielschluss erfuhren, trug entscheidend zur gedrückten Stimmung bei. «Der ganzen Eintracht-Familie, den Angehörigen, mein Beileid. Der Fußball war heute im Hintergrund, das Stadion hatte ein super Gespür dafür», sagte Dynamo-Trainer Thomas Stamm in einer nur diesem traurigen Thema gewidmeten kurzen Pressekonferenz. Auch seine Spieler suchten nach Worten. «Wir haben es in der Kabine erfahren, was genau passiert ist. Man kann nur innehalten, der Familie und den Betroffenen viel Kraft wünschen. Das ganze Spiel gerät da in den Hintergrund, das ist völlig klar», sagte Kapitän Niklas Hauptmann in der ARD. Und Abwehrchef Thomas Keller betonte: «Heute ist wieder mal so ein Tag, wo man merkt, dass es wichtigere Sachen gibt im Leben als Fußball. Man sieht, dass Gesundheit am wichtigsten im Leben ist.» Es liegt aber in der Natur der Sache, dass trotzdem über Fußball geredet wurde. Für Trainer Stamm stand fest, dass seine Mannschaft in Braunschweig den Sieg aus der Hand gegeben hat. «Am Ende musst du den Punkt mitnehmen. Es bleibt dir auch gar nichts anderes übrig. So ein Punkt kann auch mal ganz wichtig sein, um zurückzukommen», sagte er bei Sky. Was ihn wahrscheinlich am meisten beschäftigen wird, ist die Tatsache, dass Dynamo erneut zwei Gegentreffer kassiert hat. Zwölf sind es nun bereits nach fünf Spielen, nur beim 1:0-Erfolg über Darmstadt 98 stand die Null. Ein Umstand, der schon überraschend kommt. Denn es ist die Abwehr, die nun seit Anfang des Jahres eingespielt ist, bis auf wenige Ausnahmen stets in der gleichen Besetzung aufläuft. Zumeist gehen den Gegentoren individuelle Fehler voraus, die nicht nur die Abwehrspieler verursachen. Aber eben auch. Beim 1:3 in Nürnberg wie auch beim 1:1-Ausgleich der Braunschweiger ließ sich Jonas Sterner von den gegnerischen Angreifern düpieren. Bei den fünf Treffern des 1. FC Heidenheim sah die gesamte Deckung der Dresdner schlecht aus. Am allerwenigsten kann Torhüter Tim Schreiber dafür, dass es so oft hinter ihm einschlägt. Es fehlt an Souveränität im Spiel gegen den Ball, es werden immer wieder falsche Entscheidungen getroffen. Und das schon bei eigenem Ballbesitz im Angriff oder Mittelfeld. Damit bringt das Team den Abwehrverbund in die Bredouille. Um das zu korrigieren, braucht es mehr als nur eine Trainingseinheit. Trainer Stamm dürfte deshalb die lange Länderspielpause nach dem kniffligen Spiel gegen Hertha BSC am Samstag (20.30 Uhr/Sky) herbeisehnen. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenAuch über das Spiel wird zu reden sein
Zu viele Fehler, zu viele Gegentore