An der berühmten Torwand des Sportstudios wollte es für Roger Schmidt nicht so richtig klappen. Kein einziger Treffer gelang dem neuen Fußball-Chef von Red Bull bei sechs Versuchen. Das von ihm beaufsichtigte RB Leipzig hatte sich wenige Stunden zuvor deutlich besser angestellt und Eintracht Frankfurt mit einem satten 6:0 in eine Krise geschossen. Damit holte sich Leipzig nicht nur viel Selbstvertrauen für den Champions-League-Abend am Dienstag gegen Eindhoven, sondern zog der Diskussion um Trainer Martin Demichelis erst einmal den Stecker. Angesichts von nur zwei Siegen aus vier Bundesliga-Spielen waren zuvor Gerüchte um eine mögliche Rückkehr von Julian Nagelsmann zur Diskussion gesetzt worden. Diese moderierte Schmidt nun ab. «Wir sind da ganz weit von entfernt. Wir wollen an allen unseren Standorten eine gewisse Kontinuität auf der Trainerposition», sagte der 59-Jährige im ZDF. Erst am Donnerstag hatte Schmidt Demichelis erstmals persönlich kennengelernt - und die Chemie stimmte offenbar sofort. Der Nachfolger von Jürgen Klopp schwärmte von der argentinischen Mentalität, die auch der im Juli verpflichtete Trainer von Leipzig habe. Diese brächten «das gewisse Etwas mit, das man braucht, um Spiele zu gewinnen.» Das will Schmidt nach der Frankfurt-Gala auch am Dienstag sehen: «In der Champions League brauchen wir einen Sieg, denn da haben wir das erste Spiel verloren.» Sollte die Mannschaft ähnlich wie gegen die desaströse Eintracht auftreten, muss man sich da keine Sorgen machen. Leipzig zeigte die mit Abstand beste Saisonleistung. Demichelis gelang es in der Länderspielpause offensichtlich, an den richtigen Stellen nachzujustieren. «RBL-Fußball bedeutet, attraktiv und mutig zu spielen. Das ist uns heute größtenteils gelungen», lobte Sportchef Marcel Schäfer. Herausragend war dabei natürlich Christopher Nkunku, dem in der ersten Halbzeit der erste Hattrick in der Leipziger Bundesliga-Geschichte gelang. «Wir haben zusammengearbeitet, offensiv wie defensiv. Ich habe in der Länderspielpause an meinen physischen Themen gearbeitet und habe mich wirklich fit gefühlt heute», sagte der Franzose. Da der 28-Jährige bei seinen Ex-Clubs Chelsea und Milan eher wenig Spielzeit verbuchte, spielt er in Sachen Nationalmannschaft aktuell keine Rolle. Gut für Leipzig, denn so konnte der frühere Bundesliga-Torschützenkönig am Cottaweg bleiben und sich voll auf seinen Formaufbau konzentrieren. Die gute Arbeit des Offensivspielers stellte nicht nur Trainer Demichelis heraus. «Wenn er in Fahrt kommt, ist er eine brutale Bereicherung für uns», befand Kapitän David Raum. Der legte auch direkt den Finger in die bislang nicht ganz geschlossene Wunde. «Unsere Saison ist bisher eine Achterbahnfahrt. Wir müssen es jetzt hinbekommen, dass unsere Leistungen nicht so schwankend sind», sagte der Nationalspieler. Allein deshalb wäre ein Sieg gegen Eindhoven von enormer Bedeutung. Zumal danach Spiele bei Bayern München und Real Madrid folgen. Und auswärts gab es - im Gegensatz zu den Heimspielen - bis auf das Pokalspiel bei Viertligist Trier für RB unter Demichelis bisher nichts zu holen. Dem neuen Ober-Boss ist deshalb aber keineswegs bange. «Das Potenzial ist da, bei Bayern und Real gut zu spielen. So viel Zuversicht kann man haben», befand Schmidt. Nun liegt es an Demichelis und Co., weiter abzuliefern. Zumindest treffsicherer zu sein, als Schmidt an der Torwand. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenArgentinische Mentalität
Nkunku als «brutale Bereicherung»
Keine Angst vor Bayern und Real