130 Kilometer gelaufen - aber keine Punkte: Dynamos Dilemma
Das Gefühlsroulette von Debütant Till Neininger war sinnbildlich. «Es fällt mir sehr schwer, es sind sehr viele Emotionen dabei», sagte er und kämpfte mit den Tränen. 19 Jahre jung, die erste Saison bei Dynamo Dresden, der erste Einsatz, und das auch noch von Beginn an im Rudolf-Harbig-Stadion. Führung, Jubel und die Hoffnung auf einen großen Coup gegen Hertha BSC aus der Hauptstadt - doch am Ende nur die große Enttäuschung. Wieder kein Sieg für Dynamo. Nicht mal ein Punkt. 1:2 hieß es nach 90 Minuten plus Nachspielzeit eines hochintensiven Spiels, in dem auch die frühe Führung nichts half. «Wenn wir wissen würden, woran es liegt, würden wir es wahrscheinlich abstellen», sagte Simon Straudi: «Es ist schwierig zu erklären und es ist extrem nervig.» Nach dem 0:3 zum Saisonauftakt hatten die Dresdner Darmstadt 98 zuhause bezwungen. Die Hessen sind aber aktuell auch die einzige Mannschaft, die noch schlechter da steht als Dynamo - und zwar auf dem letzten Tabellenplatz. Drei Niederlagen und ein Remis folgten für die Dresdner. «Es ist eine schwierige Phase, aber da müssen wir alle zusammen durch», betonte Robert Wagner. Da kann die lange Länderspielpause auch helfen. Es gehe nicht darum, den Resetknopf zu drücken, aber die Batterien wieder neu aufzuladen, sagte Trainer Thomas Stamm. Genauso wohl wissend und spürend, dass so eine Niederlage nachwirkt und die Köpft beschäftigt. Die Chance, es besser zu machen, haben die Dresdner erst am 10. Oktober, auswärts gegen den VfL Osnabrück. Gegen die Hertha sah nach einem ohnehin vielversprechenden Beginn durch das Führungstor in der zehnten Minuten noch alles so gut aus für die Gastgeber. Der Sohn von Herthas ehemaligem Profi-Coach Ante Covic, Patrice, ließ das Stadion beben. Diesmal waren nur 29.122 Zuschauer drin. Es lag an den Maßnahmen nach dem Skandalspiel im April, das nach einem Platzsturm vor dem Abbruch gestanden hatte. Diesmal blieb es friedlich auf den Rängen, kämpferisch war's nur auf dem Rasen. Hertha hatte zunächst Mühe, hat aber auch das, was Dynamo nicht hat: Das Selbstverständnis eines Teams, dass seine fünf Auftaktpartien zuvor allesamt gewonnen hat. «Es muss immer wieder möglich sein, Mannschaften so zu ärgern, so zu überzeugt zu sein, dass wir da Punkte mitnehmen können», meinte Dresdens Coach Stamm. Dass seine Spieler rund 130 Kilometer zusammen rannten, brachte auch nicht viel. Hertha war effizienter und cooler. Dresden ließ von den Chancen, die sie hatten, schlicht zu viele liegen. «Wenn wir im letzten Drittel einfach sauberer werden, dann holen wir die Punkte», prophezeite Wagner. Hinzu kamen die Fehler in der Verteidigung, die den Doppelpack von Berlins Isländer Jón Dagur Thorsteinsson möglich machten. Beide Male traf der 27-Jährige aus der Distanz. «Die Mannschaft haut aktuell das Machbare raus. Aber mit dem Saisonstart hast du nicht die Leichtigkeit. Das brauchen wir nicht schönreden», bilanzierte Dresdens Kapitän Niklas Hauptmann. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenZuletzt drei Niederlage und ein Unentschieden
Die frühe Führung - half auch nichts
Das «Machbare» reicht derzeit nicht