Mit massiven Warnstreiks hat sich der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen ausgeweitet. Rund 12 000 Mitarbeiter legten am Freitag die Arbeit nieder, sagte eine Sprecherin der IG Metall am Nachmittag. Demnach stand in sechs Werken in Zwickau, Hainichen, Chemnitz, Dresden und Meerane die Produktion still. Betroffen waren laut IG Metall unter anderem Volkswagen und Thyssenkrupp. Der Ausstand sollte insgesamt 24 Stunden bis Samstagmorgen dauern.
Bei einer Kundgebung am Zwickauer VW-Werk, die wie ein Autokino inszeniert war, sprach neben Gewerkschaftsvertretern auch Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Beschäftigte saßen in Autos auf einem Parkplatz vor einer Bühne. Wegen der Corona-Pandemie gab es keine großen Versammlungen. Zusätzlich zu den sechs ganztägigen Warnstreiks gab es laut IG-Metall zwei kleinere, kurzzeitige Streiks bei Werken von Siemens und VW in Chemnitz.
«Hier entsteht eine neue gesellschaftliche Bewegung in Sachsen», sagte Dulig laut Mitteilung auf der Kundgebung. Es sei ein Skandal, dass 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gleicher Lohn für gleiche Arbeit noch immer keine Selbstverständlichkeit sei, kritisierte der Minister. Der aktuelle Konflikt gehe weit über einen einzelnen Arbeitskampf hinaus: «Es geht um die Selbstermächtigung der Beschäftigten und Menschen im Osten insgesamt.»