Sensationsfund in Bautzen feiert 150. Jubiläum: Weltweit einzigartige Napoleonuniform
Ein Interview von Martin Lehmann
Im Bautzener Stadtmuseum steht ein Stück Weltgeschichte. Es ist über 200 Jahre alt und einmalig: die Uniform des sogenannten Trompeters von Bautzen.
| Die in Bautzen im Gasthaus „Goldner Löwe“ gefundene Uniform. |
Der Besitzer war ein junger französischer Soldat, der während der Schlacht bei Bautzen im Mai 1813 desertierte.
Einer, der diese Geschichte seit Jahren verfolgt, ist Wolfgang Mendow. Der 1941 geborene Stadt- und Museumsführer hat den Spuren des Trompeters nachgeforscht, Unterlagen ausgewertet und ist dafür sogar bis nach Frankreich gereist. Am 27. Januar dieses Jahres berichtete er in der Stadtbibliothek Bautzen über die Geschichte der Uniform und seine Recherchen dazu.
| Wolfgang Mendow beim Vortrag über den Trompeter von Bautzen im Januar 2026. |
Im Interview erzählt Wolfgang Mendow:
Herr Mendow, viele Menschen gehen ins Stadtmuseum und sehen dort eine alte Uniform. Wann wurde Ihnen klar: Das ist nicht nur ein Museumsstück, sondern eine Geschichte, der man nachgehen muss?
Geschichte, Politik, Sprache und Menschen haben mich schon immer interessiert. Als ich 2007 von Berlin nach Bautzen kam, wollte ich meine neue Wahlheimatstadt und ihre Geschichte kennenlernen. In der Volkshochschule wurde gerade ein Fortbildungskurs zum Stadtführer angeboten. Diesen hielt ich für eine günstige Gelegenheit, das entsprechende Geschichtswissen über Bautzen zu erwerben. Später habe ich zudem noch eine Ausbildung zum Museumsführer absolviert. Im Museum fiel mir dann die Uniform auf. Inzwischen war bekannt, wem die Uniform gehört hatte. Mich interessierte nun, ob man über das weitere Schicksal des Trompeters noch etwas in Erfahrung bringen könnte.
Was macht diese Uniform so besonders – und warum ist sie ein einmaliger Fund?
Es handelt sich um die letzte original erhaltene Uniform eines Trompeters der Grande Armée Napoleons.
Die Uniform wurde 1876 unter Dielen eines Gasthauses in Bautzen gefunden. Was spricht dafür, dass ihr Besitzer desertierte?
Hinzu kommt: Trompeter hatten nicht nur musikalische Aufgaben. Sie übermittelten Signale, waren nah am Geschehen und mussten auch Verwundete auf dem Schlachtfeld bergen. Dadurch konnten sie selbst leicht zur Zielscheibe werden. Dem jungen Träger der Uniform scheint dieses Schicksal, nach allem, was wir heute wissen, nicht gefallen zu haben. Er entschied sich offenbar zur Flucht.
Gibt es einen Namen zu diesem jungen Trompeter von damals?
Als ich begann, mich mit dem Trompeter zu beschäftigen, war sein Name bereits bekannt. Ebenso Geburtstag und Geburtsort sowie eine Personenbeschreibung.
Laut Regimentsregister hieß er Pierre Cornion und laut Geburtsurkunde Pierre Corniaux.
Er wurde am 13. April 1796 in Autun geboren und meldete sich im Januar 1813 freiwillig zur Armee. Er war erst 17 Jahre alt und damit noch nicht im wehrpflichtigen Alter. Somit konnte er nur als Freiwilliger Teil der Armee werden. In den französischen Militärunterlagen fanden sich unter den Trompetern des 4. Regiments insgesamt vier Trompeter, wobei von dreien das Schicksal bekannt war. Beim vierten stand im Regimentsregister „wegen langer Abwesenheit gestrichen“. Damit war klar, dass dieser vierte Trompeter der Deserteur aus Bautzen sein musste: Pierre Cornion.
| Foto des Regimentsregisters. |
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
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