Wollen Sie mit Dynamo aufsteigen? Was der neue Frauentrainer der Schwarz-Gelben plant
Die makellose Zwischenbilanz ist für die einen durchaus überraschend, für die anderen die logische Folge eines Entwicklungsprozesses. Die Frauenfußballerinnen der SG Dynamo Dresden stehen als Aufsteiger nach sechs Spieltagen an der Spitze der Sachsenliga. Sechs Spiele, 18 Punkte, 25:4 Tore weist das Team des neuen Cheftrainers Steffen Illner auf.
Doch wer ist dieser Mann eigentlich, der im Juli sehr geräuschlos die Nachfolge von René Müller übernommen hatte? Müller, der mit dem erst 2023 gegründeten Frauenteam der SGD zwei Aufstiege in Folge hingelegt hatte, war im Sommer direkt nach dem Aufstieg in die Landesliga aus persönlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten.
Steffen Illner (58) löste hingegen im Dezember 2025 ebenfalls aus persönlichen Gründen seinen laufenden Vertrag beim SV Bannewitz auf, dessen Männermannschaft er in die Landesklasse Ost geführt hatte. Was zu der Frage führt, was den gebürtigen Zwickauer für seine neue Traineraufgabe motiviert hat? Dazu und zu vielen anderen Fragen bezieht der frühere DDR-Juniorenoberligaspieler der BSG Sachsenring Zwickau nun öffentlich Stellung.
Herr Illner, warum haben Sie im vorigen Dezember Ihr Amt in Bannewitz eigentlich aufgegeben?
Ich wollte eigentlich mal eine Pause als Trainer machen. Die Vergangenheit war dann schon recht aufwändig. Ich habe ja zusätzlich parallel noch die C-Junioren des FV Süd-West betreut. Das war Fulltime - ich war am Wochenende zwei Mal unterwegs.
In Schwarz-Gelb kennt man Sie erst seit wenigen Monaten: Hatten Sie vorher Berührungspunkte mit Dynamo?
Ich war auch ab und zu mal im Stadion - mehr oder weniger wegen meinem Sohn. Ich war aber vorher nie eng mit Dynamo verbunden, habe aus der Ferne aber immer auf Dynamo gehalten - außer gegen Zwickau. Den ersten persönlichen Berührungspunkt mit Dynamo hatte ich vor knapp drei Jahren, als ich in der Fußballschule als Trainer eingesprungen bin.
Wann und wie hat Dynamo Dresden denn bei Ihnen angefragt?
Im Juli, mein vorheriger Präsident hat mir das Stellenangebot von Dynamo weitergeleitet. Da war meine erste Reaktion: Und jetzt?
Sie sagten vorhin, dass Sie als Trainer eigentlich eine Pause machen wollten: Weshalb haben Sie Dynamo zugesagt?
Wegen der Herausforderung. Ich wollte aber gern noch mit meiner Frau Rücksprache halten, das ist schon noch mal ein Einschnitt. Wir hatten uns vorher schon alles zurechtgelegt, wie es für uns weitergeht zu Hause ohne Fußball. Sie hat aber sofort gesagt: Mach das. Sie unterstützt mich unglaublich viel.
Sie können offensichtlich schlecht Nein sagen.
Das ist so. Mein großes Manko. (lacht) Wenn im Sport jemand Hilfe benötigt, mache ich das gern.
Man kennt Sie bislang als Trainer von Männer-Teams, kennen Sie sich mit Frauenfußball eigentlich aus?
(lacht) „Ich habe mich vorher eigentlich weniger mit dem Frauenfußball beschäftigt. Bis auf eine Ausnahme vor ca. 20 Jahren: Da habe ich selbst bei Traktor Priestewitz in der Bezirksliga gespielt, und der Damentrainer hat mitten in der Saison aufgehört. Da haben die Mädels mich gefragt, ob ich einspringen könnte. Meine Antwort: Das wollt ihr nicht wirklich. Aber ich hatte noch die volle Saison die sportliche Leitung - und das hat Riesenspaß gemacht, muss ich ehrlicherweise gestehen."
Weil es große Unterschiede zwischen Fußballern und Fußballerinnen gibt?
„Mit Frauen zu arbeiten, ist anders. Die Spielerinnen machen einfach, da gibt es ganz wenig Punkte, bei denen sie anfangen zu diskutieren. Das ist auch ein Teil des Erfolgs. Jeder Trainer hat seinen Plan, ob der immer aufgeht, ist eine andere Geschichte. Man muss dem Trainer die Möglichkeit geben, seinen Plan umzusetzen. Jetzt finde ich das eine ganz tolle Geschichte, das hätte ich mir so nicht vorgestellt. Ich bin echt erstaunt, wie die Mädels das annehmen, was ich von ihnen will.
Welche Bedingungen haben Sie denn vorgefunden?
„Hier werden andere Voraussetzungen geschaffen, die Ausrüstung ist top, die Mädels haben für öffentliche Auftritte und Auswärtsfahrten sogar Präsentationsanzüge und sind unglaublich stolz, dieses Trikot zu tragen. Sie sind unglaublich ehrgeizig. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten."
Wie offen empfinden Sie als neuer Coach die Kommunikation mit den Dynamo-Frauen?
Ich habe im Austausch mit der Mannschaft von Anfang an klargestellt: "Ich möchte auf gar keinen Fall irgendwo Streitereien erleben, ihr glaubt gar nicht, wie viel ihr dann lauft." Meinungsverschiedenheiten bleiben nicht aus, aber die Mädels haben sich ein Ziel gesetzt, dafür müssen wir etwas tun. Allerdings habe ich auch betont, dass sie mich Tag und Nacht anrufen können. Wir haben einen Mannschaftsrat - in regelmäßigen Abständen sitzen wir zusammen.
Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison deutet alles auf einen Zweikampf mit Regionalliga-Absteiger 1. FFC Fortuna Dresden hin. Sehen Sie das ähnlich?
Ja. Ich glaube, dass Fortuna fußballerisch eine richtig gute Arbeit macht und nicht umsonst auch mit da oben steht. Das ist eine richtig gute Fußballmannschaft.
Sie sprachen vorhin vom Ziel, das die Mannschaft verfolgt: Den Aufstieg?
Es wird auch mal ein Spiel geben, das wir verlieren - davon geht die Welt nicht unter. Wenn wir oben stehen sollten, dann wöllten wir sicherlich aufsteigen. Dafür gilt es auch ein paar Voraussetzungen zu schaffen. Wenn das nicht passiert, ist das auch nicht dramatisch. Aber wir wollen unsere Entwicklung Step by Step machen. Wenn man das behutsam angeht, ist das der bessere Weg.
Welche Entwicklung erhoffen Sie sich vom Frauenfußball bei Dynamo generell?
Wenn man Dynamo als Verein und die Stadt sieht, hätten wir es schon verdient, dass auch der Frauenfußball in Dresden behutsam wächst. Ich kann mir vorstellen und würde es mir wünschen, dass Dynamo auch mit den Frauen in der Zukunft mal in der 2. Liga spielt. Aber behutsam entwickelt.
Machen Sie diese Hoffnung auch an der Zuschauerentwicklung bei den Spielen Ihrer Mannschaft fest?
Da stehen jetzt welche draußen, die vorher noch nie beim Frauenfußball waren, auch einige meiner Arbeitskollegen. Unsere Profis haben regelmäßig 30.000 Zuschauer im Stadion – auch auswärts fahren zahlreich Fans mit. Ich denke da ist Potenzial, dass auch die Spiele der Frauen in Zukunft noch mehr Zuschauer anlocken.
Apropos Arbeitskollegen: Was machen Sie denn hauptberuflich?
Ich arbeite beim Patienten-Begleitdienst im Krankenhaus Friedrichstadt. Unsere Abteilung ist dafür zuständig, die Patienten von Station oder vom Röntgen mit dem Rollstuhl, in Betten oder zu Fuß zu begleiten. Ich betrachte das als immens wichtig, weil wir dadurch das Personal wie Krankenschwestern, Pfleger oder Ärzte entlasten. Was sie leisten, ist für mich unnormal. Man kommt sehr schnell ins Gespräch, die Patienten sind da sehr dankbar.