Dynamo unter Druck: Eine Baustelle bereitet besonders große Sorgen
Dynamo hat ein Stürmerproblem – vor dem Elb-Clasico wächst der Druck
Dynamo Dresden steckt weiter im Tabellenkeller fest. Auch am 7. Spieltag gegen den VfL Osnabrück (1:1) konnte die Mannschaft von Thomas Stamm keinen Sieg einfahren – und das, obwohl die SGD erneut in Führung gegangen war. Ein Problem, das sich bereits durch die vergangenen Wochen zieht: Zehn Punkte hat Dynamo nach eigener Führung schon aus der Hand gegeben. Hätte man diese Zähler behalten, würde die Mannschaft aktuell in der oberen Tabellenhälfte stehen.
Doch „hätte, hätte“ – zurück in der Realität: Dynamo steht auf Rang 16, hat gerade einmal fünf Punkte aus sieben Spielen geholt und stellt mit 15 Gegentoren die zweitschlechteste Defensive der Liga.

Thomas Stamm seine Mannschaft dominiert den Ball, aber nicht die Gegner. (Foto: Noah Wedel)
Viel Ballbesitz, wenig Torgefahr
Doch woran liegt die aktuelle Krise? Ein Blick auf die Statistiken zeigt zunächst ein anderes Bild: Mit 54,9 Prozent Ballbesitz belegt Dynamo den fünften Platz in der Liga. Gegen Osnabrück kam die Mannschaft von Thomas Stamm zwischenzeitlich sogar auf 75 Prozent.
Doch Ballbesitz allein schießt bekanntlich keine Tore. Genau darin liegt eines der größten Probleme der SGD. Gerade einmal zwei Torschüsse gab Dynamo am Samstag gegen Osnabrück ab. Der xG-Wert – also die statistisch erwarteten Tore – lag bei lediglich 0,61.
Auch gegen Hertha BSC sah es kaum besser aus. Bei der 1:2-Niederlage kam Dynamo ebenfalls nur auf zwei Torschüsse und einen xG-Wert von 0,91. Die Mannschaft hat zwar immer wieder längere Ballbesitzphasen, kommt offensiv aber zu selten zu klaren Torchancen.
Die Tore kommen nicht aus dem Sturmzentrum
Ein weiteres Problem: Die Treffer verteilen sich zuletzt vor allem auf andere Mannschaftsteile. Gegen Osnabrück traf Niklas Hauptmann, gegen Hertha war es Patrice Covic. Beim 2:2 gegen Eintracht Braunschweig sorgten Thomas Keller und Nicolai Rapp für die Tore.
Der letzte Treffer eines klassischen Mittelstürmers liegt dagegen bereits einige Wochen zurück. Am dritten Spieltag gegen den 1. FC Heidenheim (5:3) erzielte Vincent Vermeij das 0:1.

Christoph Daferner kam gegen den VfL Osnabrück von der Bank. Sein letzter Pflichtspieltreffer datiert aus dem Februar. (Foto: Noah Wedel)
Fans fordern Veränderungen im
Sturm
Bei den Anhängern wächst deshalb der Wunsch nach Veränderungen im Angriff. Viele würden gerne Kennedy Okpala oder Kaan Inanoglu häufiger auf dem Platz sehen – sei es von Beginn an oder als Einwechselspieler.
Beide könnten mit ihrer Frische und ihrem Tempo neue Impulse im Offensivspiel setzen. Gegen Osnabrück entschied sich Thomas Stamm allerdings dafür, Christoph Daferner einzuwechseln. Der Angreifer befindet sich seit Monaten in einem Formtief, sein letzter Pflichtspieltreffer gelang ihm im Februar.
Neben einer möglichen Veränderung im Sturmzentrum wünschen sich die Fans auch frühere Wechsel. Gerade in der Schlussphase scheint Dynamo zunehmend die Kraft auszugehen. Frische Kräfte könnten helfen, das Tempo hochzuhalten und offensiv noch einmal für Gefahr zu sorgen.

Während sich viele Fans mehr Einsatzzeit für Kennedy Okpala und Kaan Inanoglu wünschen, sitzen die Offensivtalente gegen Osnabrück zunächst auf der Bank. (Foto: Noah Wedel)
Vor dem Elb-Clasico steht Dynamo unter Druck
Am kommenden Sonntag wartet mit dem 1. FC Magdeburg der nächste Gegner – und ausgerechnet im Elb-Clasico dürfte die Aufgabe kaum einfacher werden. Magdeburg steht derzeit auf Rang vier, besiegte zuletzt Hannover 96 mit 3:0 und verlor nur eines seiner vergangenen sechs Ligaspiele.
Für Dynamo ist die Ausgangslage dagegen angespannt. Fünf Punkte aus sieben Spielen, eine anfällige Defensive und zu wenig Durchschlagskraft im Angriff: Vor dem Derby gibt es einige Baustellen.
Damit die SGD gegen Magdeburg bestehen kann, müssen sich vor allem die Chancenverwertung und die defensive Stabilität verbessern. Auch Thomas Stamm steht vor der Aufgabe, die richtigen Impulse zu setzen – möglicherweise mit Veränderungen in der Offensive und früheren Wechseln.
Andernfalls droht den Schwarz-Gelben der nächste Rückschlag. Und das ausgerechnet an einem Tag, der für die Fans eine besondere Bedeutung hat.