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Mensch-Hund-Beziehung ist weltweit enger als gedacht

Die Mensch-Hund-Beziehung schauten sich die Forschenden in sechs verschiedenen Ländern an.
Ein Junge mit seinem Hund in der Mongolei. Forschende aus Jena und Leipzig haben gezeigt, dass die enge Bindung zwischen Mensch und Hund kein westliches Phänomen ist. © Juliane Bräuer
Von: Wissensland
Sind Hunde wirklich überall auf der Welt die besten Freunde des Menschen? Forschende aus Leipzig und Jena haben das erstmals systematisch untersucht. In fünf Ländern auf vier Kontinenten. Ihr Befund: Die Bindung zwischen Mensch und Hund ist erstaunlich universell.

Ein Blick, ein Zeichen, ein Schritt aufeinander zu – und der Hund versteht. Dieses Zusammenspiel kennen viele aus dem eigenen Alltag. Aber gilt es auch für Jagdhunde in den Wäldern von Vanuatu oder auf den Steppen der Mongolei? Ja, sagt eine neue Studie zur Mensch-Hund-Beziehung. Die Forschung konzentrierte sich bislang vor allem auf westliche Gesellschaften. Dabei leben die meisten Hunde weltweit nicht als Familienhunde auf dem Sofa, sondern als Jagd- oder Wachhunde.

Forschende der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben 164 Mensch-Hund-Paare in fünf Ländern untersucht: in Deutschland, Vanuatu, der Mongolei, Madagaskar und Peru. Sie wollten herausfinden, ob die enge Bindung zwischen Mensch und Hund, wie wir sie aus dem Westen kennen, auch anderswo auf der Welt existiert.

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Hunde verstehen uns – überall

Das Team entwickelte sechs Verhaltenstests. Die Hunde mussten auf Zuruf kommen, menschlichen Zeigegesten folgen, um verstecktes Futter zu finden, oder in unsicheren Situationen Orientierung bei ihren Haltern suchen. Außerdem beantworteten die Besitzer einen Fragebogen über ihre Beziehung zu ihren Hunden.

In allen fünf Gesellschaften zeigten die Hunde ähnliche soziale Fähigkeiten. Sie nutzten die Zeigegesten der Menschen, kommunizierten mit ihren Haltern und suchten in unbekannten Situationen deren Blick. Die Tiere konnten nicht nur menschlichen Hinweisen folgen. Auch umgekehrt funktionierte die Verständigung: Bei Aufgaben, bei denen nur der Hund wusste, wo Futter versteckt war, fanden Mensch und Tier häufig erfolgreich zusammen.

"Hunde leben zwar fast überall mit Menschen zusammen, aber nicht immer auf dieselbe Weise", sagt Juliane Bräuer, Erstautorin der Studie und Leiterin des DogStudies-Projekts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie wollte wissen, ob die enge Beziehung, wie man sie aus westlichen Gesellschaften kennt, auch in sehr unterschiedlichen kulturellen Kontexten besteht.

Mehr als nur Arbeitspartner

Der Fragebogen zeigte ein klares Bild. In allen fünf Ländern schätzen die Menschen ihre Hunde. Fast alle Befragten sagten, ihr Leben sei besser, weil sie einen Hund haben. Mehr als 90 Prozent gaben an, sich auf ihren Hund verlassen zu können. Ebenso viele glauben, ihr Hund würde sie in einer bedrohlichen Situation schützen.

Gleichzeitig gibt es kleine Unterschiede. Deutsche Hunde waren gehorsamer und ausdauernder. Halter in Vanuatu konnten die Signale ihrer Hunde besonders gut lesen – weil sie beim Jagen auf Wildschweine darauf angewiesen sind. "Viele dieser Unterschiede ergeben Sinn, wenn man sich den Alltag der Hunde anschaut", sagt Bräuer. "Training, Jagdtechniken und die soziale Rolle beeinflussen, wie Hunde mit Menschen interagieren."

Hunde wurden vor rund 30.000 Jahren domestiziert, früher als jede andere Tierart. Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse als Hinweis darauf, dass sich die Mensch-Hund-Beziehung über Jahrtausende hinweg bewährt hat. "Trotz enormer kultureller Vielfalt fanden wir mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede", sagt Russell Gray, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Seniorautor der Studie. "Die Bindung zwischen Menschen und Hunden scheint weltweit verbreitet zu sein und sich an sehr unterschiedliche Lebensweisen angepasst zu haben."

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