Der Aufsichtsrat von Linde ist am Donnerstag in München zusammenkommen, um über den Zusammenschluss mit dem US-Gasekonzern Praxair zu entscheiden. Das Projekt ist heftig umstritten: Die Aktionäre stehen hinter der Fusion, sie erwarten Synergien von einer Milliarde Euro jährlich. Dagegen befürchten Betriebsrat und Gewerkschaften einen Stellenabbau vor allem in Europa und den Verlust der Mitbestimmung.
Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will die Fusion durchsetzen - bei einem Patt im Aufsichtsrat notfalls mit seinem doppelten Stimmrecht als Vorsitzender des Kontrollgremiums. Die Gewerkschaften haben seine Ankündigung als befremdlichen Tabubruch kritisiert - gewöhnlich werden solch weitreichende Entscheidungen in deutschen Aktiengesellschaften nicht gegen die Arbeitnehmerseite getroffen.
Reitzle hat aber die Rückendeckung der Anteilseigner. Mit dem Zusammenschluss würde der größte Gasekonzern der Welt entstehen, mit einem Vorstandschef in den USA, 27 Milliarden Euro Umsatz, 60 Milliarden Euro Börsenwert und weltweit 80 000 Mitarbeitern.