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Immer mehr internationale Fachkräfte wollen in Sachsen arbeiten

Arbeitsmarkt Sachsen
Symbolbild Krankenhaus / pixabay corgaasbeek
Von: Thomas Wolf
Die Zahl der Anträge auf Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ist in Sachsen erneut gestiegen. Besonders Pflege, Medizin und Schulen könnten davon profitieren. Die Entwicklung zeigt: Internationale Fachkräfte werden für den Freistaat immer wichtiger.

Immer mehr Menschen mit einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss interessieren sich für eine berufliche Zukunft in Sachsen. Im Jahr 2025 lagen den zuständigen Stellen im Freistaat insgesamt 2.824 Anträge auf Anerkennung einer ausländischen Berufsqualifikation vor. Das waren 117 Anträge beziehungsweise 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Noch deutlicher wird die Entwicklung im längerfristigen Vergleich: 2022 waren lediglich 1.982 Anerkennungsanträge registriert worden. Innerhalb von drei Jahren stieg ihre Zahl damit um gut 42 Prozent. Ein Anerkennungsantrag bedeutet zwar noch nicht automatisch, dass die betreffende Person bereits in Sachsen arbeitet oder dauerhaft im Freistaat bleibt. Gerade bei reglementierten Berufen wie Pflegefachkraft, Arzt oder Lehrerin ist die Anerkennung jedoch eine zentrale Voraussetzung für den Berufseinstieg – und damit ein konkretes Signal für das Interesse am sächsischen Arbeitsmarkt.

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Pflege, Medizin und Schulen profitieren besonders

Die meisten Anträge betreffen Berufe, in denen Sachsen qualifiziertes Personal dringend benötigt. Im Jahr 2025 wollten 732 Menschen ihre Ausbildung als Pflegefachkraft anerkennen lassen. Es folgten Ärztinnen und Ärzte mit 441 Anträgen sowie Lehrerinnen und Lehrer mit 388 Verfahren.

Allein auf diese drei Berufsgruppen entfielen damit 1.561 Anträge – mehr als die Hälfte aller im Freistaat registrierten Anerkennungsverfahren. Internationale Fachkräfte interessieren sich somit besonders für Bereiche, die den Alltag vieler Menschen unmittelbar betreffen: die Versorgung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie den Unterricht an sächsischen Schulen.

Dass diese Qualifikationen tatsächlich gebraucht werden, zeigen auch die Beschäftigungszahlen. Ende 2025 arbeiteten in Sachsen knapp 28.000 ausländische Beschäftigte in sogenannten Engpassberufen. Dazu gehörten unter anderem rund 5.100 Beschäftigte in der Krankenpflege. Ein früherer Artikel von DIE SACHSEN NEWS zeigt, wie wichtig internationale Beschäftigte inzwischen für Berufe mit besonders großem Personalbedarf sind.

Für Patientinnen und Patienten kann diese Entwicklung kürzere Wartezeiten, stabilere Dienstpläne und eine bessere Versorgung bedeuten. In Schulen können zusätzliche qualifizierte Lehrkräfte helfen, Unterrichtsausfall zu reduzieren. Voraussetzung ist allerdings, dass Anerkennungsverfahren, notwendige Sprachprüfungen und Anpassungsqualifizierungen möglichst verlässlich und zügig abgeschlossen werden.

Frauen prägen die Entwicklung besonders stark

Welche Rolle Frauen bei dem wachsenden Interesse spielen, lässt sich anhand der ausführlichen Statistik für 2024 erkennen. Von den damals 2.707 bearbeiteten Anträgen stammten 1.667 von Frauen. Ihr Anteil lag damit bei knapp 62 Prozent.

Besonders hoch war der Frauenanteil in der Pflege und im Bildungsbereich. Von 742 Anträgen für den Referenzberuf Pflegefachfrau oder Pflegefachmann entfielen 562 auf Frauen. Bei den Lehrkräften waren es 290 von insgesamt 344 Anträgen. Auch unter den Antragstellenden mit einem Abschluss aus der Ukraine stellten Frauen mit 426 von 533 Personen die deutliche Mehrheit.

Im Vergleich zu 2022 erhöhte sich die Zahl der weiblichen Antragstellenden bis 2024 um 46,4 Prozent. Bei den Männern betrug der Zuwachs im gleichen Zeitraum 23,4 Prozent. Internationale Frauen haben den Anstieg der Anerkennungsverfahren damit überproportional geprägt. Für 2025 liegt in der aktuellen Veröffentlichung allerdings noch keine entsprechende Aufschlüsselung nach Geschlecht vor.

Die Zahlen zeigen dennoch, welches Potenzial internationale Arbeitnehmerinnen für Sachsen mitbringen. Gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und Unterstützung beim Spracherwerb können entscheidend dafür sein, ob aus einem Anerkennungsantrag eine langfristige berufliche und persönliche Perspektive im Freistaat wird.

Eine Auflage ist noch keine Ablehnung

Auf den ersten Blick kann die Anerkennungsstatistik ernüchternd wirken: Von den 2025 bearbeiteten Abschlüssen wurden 1.136 unmittelbar als vollständig gleichwertig mit einer deutschen Qualifikation anerkannt. Das waren weniger als die Hälfte der Anträge. Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz.

Zusätzlich stieg die Zahl der Verfahren, die positiv mit der Auflage einer Ausgleichsmaßnahme beschieden wurden. Eine solche Entscheidung kann beispielsweise bedeuten, dass noch ein Anpassungslehrgang, eine Kenntnisprüfung oder zusätzliche praktische Erfahrung erforderlich ist. Sie eröffnet damit einen konkreten Weg zur vollständigen Anerkennung. Lediglich 165 Verfahren wurden 2025 negativ beschieden.

Wie groß die Bedeutung dieser positiven Auflagenentscheidungen ist, zeigt die vollständige Statistik für 2024. Von 2.459 abgeschlossenen Verfahren endeten 1.061 mit einer vollständigen Anerkennung. Weitere 1.254 wurden positiv mit der Auflage einer Ausgleichsmaßnahme beschieden. Zusammen erhielten damit rund 94 Prozent entweder die direkte Gleichwertigkeit oder eine klar definierte Möglichkeit, noch vorhandene Unterschiede auszugleichen.

Das Anerkennungsverfahren erfüllt dabei zwei Aufgaben: Es soll internationalen Fachkräften einen fairen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ermöglichen und zugleich sicherstellen, dass verbindliche Qualitätsstandards eingehalten werden. Gerade in der Medizin, der Pflege und an Schulen ist diese Prüfung wichtig. Gleichzeitig könnten verständliche Zuständigkeiten, digitale Verfahren und ausreichend angebotene Anpassungsqualifizierungen den Berufseinstieg beschleunigen.

Sachsen hatte bereits angekündigt, sich für einfachere und schnellere Anerkennungsverfahren für Pflegepersonal einsetzen zu wollen.

Sachsen braucht internationale Fachkräfte

Die Anerkennungszahlen passen zu einer grundlegenden Veränderung des sächsischen Arbeitsmarktes. Im Juni 2025 waren im Freistaat rund 151.000 ausländische Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entsprach 9,3 Prozent aller Beschäftigten und war der bislang höchste gemessene Anteil in Sachsen.

Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten um 6,7 Prozent, während die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen um 0,8 Prozent zurückging. Rund 99.000 internationale Beschäftigte und damit etwa zwei Drittel arbeiteten als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten in qualifizierten Tätigkeiten.

Auch die Unternehmen öffnen sich zunehmend. Mittlerweile beschäftigt jeder vierte sächsische Betrieb mindestens einen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Zwischen 2020 und 2025 stieg die Zahl dieser Unternehmen um 34 Prozent. Mehr dazu zeigt der Artikel „Sachsens Firmen setzen stärker auf ausländische Mitarbeiter“.

Die Entwicklung ist für Sachsen besonders wichtig, weil in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen in den Ruhestand gehen, als junge Arbeitskräfte nachrücken. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit könnten innerhalb von fünf Jahren rund 180.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Etwa jeder dritte dieser frei werdenden Arbeitsplätze könnte wegen des fehlenden Nachwuchses nicht neu besetzt werden.

Zum Hintergrund: Bei der beruflichen Anerkennung prüfen zuständige Stellen, ob ein im Ausland erworbener Abschluss mit einer deutschen Referenzqualifikation vergleichbar ist. In reglementierten Berufen ist diese Anerkennung zwingend erforderlich. Werden wesentliche Unterschiede festgestellt, können Berufserfahrung, weitere Qualifikationen oder eine Ausgleichsmaßnahme berücksichtigt werden.

Zur Entwicklung: 2022 wurden in Sachsen 1.982 Anträge bearbeitet, 2023 waren es 2.509, 2024 bereits 2.707 und 2025 schließlich 2.824. Das wachsende Interesse internationaler Fachkräfte ist deshalb eine gute Nachricht. Ob daraus dauerhaft mehr Personal für Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Unternehmen entsteht, hängt nun davon ab, wie schnell Anerkennung, Spracherwerb, berufliche Integration und gesellschaftliches Ankommen gelingen.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

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