Die Befürchtung, dass der US-Chemiekonzern Dow zwei Anlagen in Sachsen-Anhalt und Sachsen stilllegt, löst große Sorge in der Region aus. Insbesondere die Anlage im sächsischen Böhlen sei ein zentraler Ausgangspunkt am Anfang vieler Produktionsketten im mitteldeutschen Chemiedreieck, teilte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau mit. «Seine Stilllegung bedroht unmittelbar zahlreiche weitere Anlagen und Unternehmen sowie Arbeitsplätze in der gesamten Region.» Die chemische Industrie an den Standorten Leuna und Schkopau stehe für ein Drittel des Industrieumsatzes im Süden Sachsen-Anhalts.
«Was einmal abgeschaltet ist, kommt nicht zurück», sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig, Fabian Magerl mit Blick auf eine drohende Schließung. Es werde eine industrielle Lebensader beschädigt mit Dominoeffekten für eine komplette Wertschöpfungskette. Laut der Chemiegewerkschaft IG BCE wären die Auswirkungen für die Region dramatisch.
Der Konzern hatte zuvor mögliche Einschnitte bekanntgegeben: «Dow erwägt verschiedene Optionen, von denen die wahrscheinlichsten eine temporäre Stilllegung oder eine Schließung der Anlagen sind.» Grund seien Überkapazitäten im Markt, die durch zunehmende Importe verschärft würden, hohe Energie-, Rohstoff- und CO2-Kosten sowie zunehmende regulatorische Belastungen. Endgültige Entscheidungen seien bisher nicht gefallen. Die Standortüberprüfung in Europa solle bis Mitte 2025 abgeschlossen werden. Danach werde entschieden.