Die Suche nach dem Vermissten aus Annaberg in einem stillgelegten Bergwerksstollen im Stadtteil Frohnau wird fortgesetzt. Eine erneute Absuche des dort eingebrochenen Bereichs brachte keine Klarheit zum Verbleib des seit gut einer Woche verschwundenen 34-Jährigen, der möglicherweise «einen für ihn tödlichen Einsturz ausgelöst hat», teilte eine Sprecherin der Stadt Annaberg-Buchholz mit. Im Zuge einer Inspektion durch die Bergsicherung Schneeberg, das Oberbergamt und die Polizei «wurde der Bereich heute Morgen vom illegal errichteten Einstieg in den Kippenhainer Stollen bis zum Verbruch gründlich begutachtet». Momentan bestehe noch keine vollständige Gewissheit, «dass der Vermisste tatsächlich unter den Geröllmassen liegt.»
Gegenstände des Mannes vor Ort gefunden
Am Mittwoch vergangener Woche informierte ein Mitarbeiter des Oberbergamtes die Polizei darüber, dass ein Einstiegsloch gegraben wurde. Ein in der Nähe befindliches Fahrrad und ein Rucksack stammten von dem Vermissten. Auch ein von den Einsatzkräften gefundener gefährlicher Gegenstand - ein selbst gebastelter Metallzylinder mit Sprengstoff - wird dem Mann zugerechnet.
Leichenspürhunde reagieren bei Suche
Zwei Leichenspürhunde schlugen dann am Dienstag an, zeigten «keine eindeutige Reaktion, die einen vollständig sicheren Schluss auf einen Leichenfund zulassen würde», befand die Stadtverwaltung. Die Tiere schnüffelten an oberirdischen Öffnungen in dem bewaldeten Altbergbaugelände, auch am illegalen Einstieg und der Verbruchstelle - aber nur von außen.
Stollen aus dem historischen Silberbergbau
Unter der Stadt Annaberg gibt es ein verzweigtes System von Stollen und Tunneln aus dem früheren Bergbau, die teils 500 Jahre alt und nicht bekannt sind. Der Kippenhainer Stollen stammt dem Sächsischen Oberbergamt zufolge aus dem Silberbergbau im frühen 16. Jahrhundert und wurde im 18. Jahrhundert nochmals für die Gewinnung von Silber- und Kobalterz betrieben.
Im Altbergbaubereich sind die Stollen etwa 1,80 Metern hoch und 80 Zentimeter breit, sie überschneiden sich teils mit solchen der Wismut, die bis zu 2,50 Metern mal 3 Meter messen. Solche Relikte des Altbergbaus gibt es nach Angaben der Behörde viele im gesamten Erzgebirge und Vogtland. Zugänge zu den Anlagen, zerstörte Schlösser oder Absperrungen werden in regelmäßigen Abständen gemeldet.
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