Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Sport

Hat der Deutsche Schachbund die Stadt Dresden an der Nase herum geführt?

Hat der Deutsche Schachbund die Stadt Dresden an der Nase herum geführt?
Bereits im März stellten Fördervereins-Chef Hans Bodach, DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (v.l.) das Projekt Deutscher Schachgipfel vor - nun gibt es schwere Vorwürfe gegen die Finanzierung. Foto: Alexander Hiller
Von: Alexander Hiller
Mit dem Deutschen Schachgipfel gastiert im Juli das größte nationale Schachereignis in Dresden. Die Stadt fördert das Riesenevent mit einem Zuschuss von 75.000 Euro. Ein mutmaßlicher Insider wirft dem Verband nun vor, durch Tricksereien mehr Fördergeld als benötigt abgeschöpft zu haben.

Der Vorwurf hat es in sich, ist aber ein anonymer. Im Juli gastiert mit dem Deutschen Schachgipfel das bedeutendste nationale Schachereignis in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Vom 16. bis 26. Juli werden im Congress Center insgesamt 13 Turniere ausgespielt, darunter die deutsche Meisterschaft der Elite, also der besten Spieler Deutschlands.

Der Deutsche Schachbund als Veranstalter bringt dafür nach Informationen von diesachsen.de einen Etat von knapp 380.000 Euro auf. Die Stadt Dresden fördert das Riesenevent, zu dem insgesamt knapp 1000 Starter erwartet werden, mit einem Betrag von 75.000 Euro. Für Veranstaltungen dieser Art der Maximal-Zuschuss.

Genau um diese Förderung geht es. Ein anonymer Schreiber, der sich selbst "Hinweisgeber" nennt, wirft dem DSB u.a. vor, geplante Einnahmen vorsätzlich kleingerechnet zu haben, um die maximale Fördersumme abzuschöpfen. Der Schreiber oder die Schreiberin belegt die Anschuldigung mit vermeintlich echten Mails innerhalb der Verbandsspitze, die dem Autor vorliegen.

Mehr aus dieser Kategorie

Der für den Förderantrag zuständige Nachwuchsbundestrainer schrieb in der vorliegenden Mail vom 10. Dezember 2025 an das Verbandspräsidium unter anderem - oder soll geschrieben haben : „Das andere Problem sind die Zahlen. So musste ich, wenn ich Preisgelder, Abschlussgala und Spielerverpflegung nicht ansetze, auch die Einnahmen für Preisgelder (Kandidaten, Senioren) und die Einnahmen entsprechend kürzen, um den Bedarf von 75k darzustellen.“

Ob es sich dabei um echte Mails oder um Fakes handelt, lässt sich schwerlich belegen. Der tatsächlich nötige Förderzuschuss, so der Anonymus, habe aber dementsprechend nur bei 50.000 Euro gelegen.

Schachbund erwägt rechtliche Schritte

Der DSB und die Stadt Dresden wehren sich vehement und gemeinsam gegen die Vorwürfe. „Anonyme Anschuldigungen sind normalerweise nicht etwas, auf das wir reagieren. Ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass wir diese Anschuldigungen in allen Punkten entschieden zurückweisen, uns auch rechtliche Schritte offenhalten“, antwortete Ingrid Lauterbach auf eine Anfrage des Autors. Zum Zeitpunkt ihrer Antwort agierte die 65-Jährige noch als Präsidentin des DSB. Bei einem außerordentlichen Bundeskongress am 16. Mai wurde sie allerdings abgewählt und Paul Meyer-Dunker zum Lauterbach-Nachfolger gewählt.

Bereits seit geraumer Zeit schwelen im DSB massive Konflikte, Neid, Missgunst und völlig unterschiedliche Sichtweisen verschiedener Interessengruppen. Nicht zuletzt deshalb vermutet Lauterbach: „Ich habe eine klare Idee, wo das Schreiben herkommt.“ Deutlicher wird die internationale Großmeisterin, die kurz nach der deutschen Wiedervereinigung für drei Jahre in Dresden lebte, aber nicht. Stattdessen verweist sie auf eine offene Kommunikation mit Dresden. „Nach Absprache mit der Stadt sollten wir alle Einnahmen und Ausgaben in den Antrag schreiben, egal ob förderungs- oder nicht förderungswürdig“, verdeutlicht sie.

War der Vorwurf also eine konzertierte Störaktion gegen Lauterbach und ihre damaligen Verbands-Mitstreiter oder haben die Anschuldigungen wirklich reelle Substanz?

Tatsächlich sind andere vermeintlich belastende Indizien des "Hinweisgebers" nicht schlüssig. Er oder sie wirft dem DSB vor, die im Antrag kalkulierten Hotelkosten beim Hotelpartner Maritim lägen deutlich über den Sätzen des Bundesreisekostengesetzes (BRKG). Es wurden keine preisgünstigen Alternativen gewählt, obwohl diese in Dresden verfügbar wären.

Ingrid Lauterbach kontert: "Das Bundesreiskostengesetz ist für uns komplett irrelevant, das steht in keiner Satzung. Was viel wichtiger ist: Wir haben beim Maritim massiv vergünstigte Raummieten bekommen, weil wir gleichzeitig Hotelzimmer gebucht haben. Wenn wir die Zimmer nicht gebucht hätten, hätten wir die Räume nicht zur Hälfte der Standardpreise bekommen."

Gipfel-Finanzierung wird seit Monaten intern diskutiert

Allerdings ist die Gipfel-Finanzierung schon seit seit Monaten Gegenstand einer DSB-internen Debatte, zuletzt beim Kongress anhand des Kassenprüfberichts. Dort schreiben die Kassenprüfer Reinhard Ahrens und Jürgen Gersinska, Kalkulation und Anträge an die Stadt Dresden für den Gipfel seien plausibel, wie das Schachmagazin "Perlen vom Bodensee" berichtet.

Der Hauptkritikpunkt der Kassenprüfer sei ein ganz anderer: Schriftliche Zusagen für Zuschüsse und Sponsoring in Höhe von insgesamt 214.950 Euro lagen laut Prüfbericht zum Prüfungszeitpunkt nicht vor. Die Gipfel-Vorbereitungen seien weitestgehend ohne Mitwirken des damaligen Vizepräsidenten Finanzen Alexander von Gleich erfolgt; die Gründe dafür seien „nicht plausibel nachvollziehbar“. Von Gleich war im Februar 2026 zurückgetreten. Er hatte mehrfach darauf gepocht, Belege sehen zu wollen.

Außerdem merken die Kassenprüfer an, dass die Beherbergungssteuer der Stadt Dresden (sechs Prozent der Übernachtungskosten) in der Kalkulation nicht berücksichtigt worden ist.

Nichtsdestotrotz bestreitet auch die Kommune alle anonymen Vorwürfe. „Ich kenne die Hinweise, die jedoch anonym eingegangen sind. Das sagt alles. Wir sind mit dem Schachbund im Gespräch, auf einem guten Weg und freuen uns auf eine tolle Veranstaltungswoche“, sagt Sportbürgermeister Jan Donhauser auf Nachfrage.

Der CDU-Politiker stellt klar: „Der Förderantrag wird im geregelten Prüfverfahren ... im Rahmen der Fristen geprüft.“ Und er verdeutlicht energisch: „Es bleibt beim Förderbetrag.“

Der neue DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker bat auf Anfrage von "Perlen vom Bodensee" mit Blick auf die Feiertage „um Verständnis, dass ich ohne Rücksprache mit den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, die die Vorgänge besser und länger kennen, noch nichts dazu sagen kann und möchte“.

Alexander Hiller
Artikel von

Alexander Hiller

Alexander Hiller ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media

METIS