Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Sport

Schachgipfel spült Millionen-Betrag in Dresdner Stadtkasse

Schachgipfel spült Millionen-Betrag in Dresdner Stadtkasse
Fördervereins-Chef Hans Bodach, DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (v.l.) werben für den Schachgipfel. Foto: Alexander Hiller
Von: Alexander Hiller
Der Schachgipfel kommt im Juli nach Dresden. Das bedeutendste nationale Schach-Ereignis vereint an zehn Tagen 13 Turniere unter einem Dach und lockt auch die deutsche Elite an. Die Stadt fördert das Event, profitiert aber auch davon.

Dresden trägt spätestens seit 2008 den Ruf als Deutschlands Schach-Hauptstadt. Damals wurde die Schacholympiade, das bedeutendste Mannschaftsturnier der Welt im Kosmos des "Königlichen Spiels", in der Landeshauptstadt ausgetragen.

Dieser Ruf wird nun erhärtet. 18 Jahre später trägt der Deutsche Schachbund den "Schachgipfel" in Dresden aus. Die Dachorganisation selbst bezeichnet das Mega-Event als eines der bedeutendsten nationalen Ereignisse.

Vom 16. bis 26. Juli werden dabei im Internationalen Congress Center insgesamt 13 Turniere ausgetragen. "Wir erwarten insgesamt etwa 1000 Teilnehmer und natürlich auch entsprechende Begleitpersonen", sagte DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Dresdner Stadtforum. Zuletzt fand der Schachgipfel vor vier Jahren in Magdeburg statt.

Das Stadtoberhaupt verknüpft mit dem Denksport am Brett eine ganz persönliche Note. "Das ist für mich auch eine schöne Erinnerung. Mein Großvater hat mir das Schachspiel beigebracht und ich war dann auch frühzeitig in der AG Schach, insofern habe ich da gute persönliche Anknüpfungspunkte", sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Die Stadt Dresden fördert das zehntägige Event mit einer Summe von 75.000 Euro.

Mehr aus dieser Kategorie

Die Investition dürfte sich lohnen, denn allein durch die Anzahl der Übernachtungen dürfte sich der städtische Zuschuss locker wieder einspielen lassen. Die sogenannte Wertschöpfung, die u.a. bemisst, wie viel Geld Touristen letztlich in der Stadt ausgeben, dürfte bei weit über einer Million Euro liegen.

Die Idee, den Dresdner Schachgipfel nach Dresden zu holen, stieß der Förderverein Schach Wolfgang Uhlmann an, der den Schachnachlass der Dresdner Schachlegende verwaltet. Der gebürtige Dresdner Wolfgang Uhlmann war der beste DDR-Schachspieler und einer der wenigen von Weltklasseformat. 1960 bezwang er z.B. den legendären US-Amerikaner Bobby Fischer, der von 1972 bis 1975 den Weltmeistertitel innehatte. Uhlmann starb 2020 im Alter von 85 Jahren in seiner Heimatstadt.

"Wir wollten auf zwei große Jubiläen hinweisen und sie entsprechend feiern", sagte der Vereinsvorsitzende Hans Bodach. Vor 150 Jahren gründete sich der Dresdner Schachverein, den es heute zwar nicht mehr gibt, dessen legitimer Nachfolger aber mittlerweile der USV TU Dresden ist. Zudem wurde 1926 der Schachkongress zu Dresden ausgetragen. Sozusagen der Vorgänger des Schachgipfels - aber damals ein hochkarätiges internationales Turnier mit den weltbesten Schachspielern.


Dieses Buch aus dem Nachlass der Dresdner Schachlegende Wolfgang Uhlmann gab den Anstoß zum Schachgipfel. Foto: Alexander Hiller

Mit diesen beeindruckenden Jubiläen im Hintergrund traten die Dresdner an den DSB heran, der davon beeindruckt deshalb seit 2023 an der Organisation des Mammutturniers bastelt. "Dresden und Schach passt ausgesprochen gut zusammen. Wir hatten eine lange Vorarbeit, wollen vor allem auch die Bevölkerung mit einbeziehen", sagte Lauterbach, die Anfang der 1990er Jahre als IBM-Mitarbeiterin selbst drei Jahre lang in Dresden lebte. Der Verband plant mit einem Gesamtbudget "von klar über 300.000 Euro", wie es die Präsidentin formulierte.

Dem Schachgipfel vorgeschaltet sind die zwei Jubiläumsfeiern des Fördervereins Schach Wolfgang Uhlmann - das 1. internationale Schnellschachturnier am 2. Mai im Rathaus und eine Sonderausstellung "Großmeister Wolfgang Uhlmann - die Schachlegende aus Dresden". Die Ausstellung gastiert vom 1. Mai bis zum 2. August im Stadtmuseum Dresden.

Der sportliche Höhepunkt des Schachgipfels wird im Juli die deutsche Meisterschaft der Elite - wahrscheinlich auch mit der Ex-Dresdnerin Elisabeth Pähtz. Die 41-Jährige ist allerdings in der Vorwoche zum ersten Mal Mutter geworden. Die gebürtige Erfurterin baute am Sportgymnasium Dresden ihr Abitur, spielte für den Dresdner SC und für den USV TU Dresden. 2022 stieg sie als erste deutsche Schachspielerin überhaupt in den erlauchten Kreis der Großmeister auf, dem weltweit zwar 1700 Männer angehören, aber nur knapp 40 Frauen.

Auch wenn es nicht zum Dresden-Comeback von Pähtz käme, bietet der Schachgipfel reichlich Höhepunkte. Unter anderem wird als Demonstrations-Sportart Schachboxen angeboten. Der Mix aus Denk- und Kontaktsport boomt auch in Deutschland. Die Regeln sind einfach: Drei Minuten Schach, Tisch weg, Boxhandschuhe an. Dann drei Minuten Faustkampf – und wieder Wechsel zum Schach. Maximal elf Runden. Oder das Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft.

Zudem wird eines der 13 Schachturniere unter spektakulären Rahmenbedingungen im Großen Garten auf dem Areal hinter dem Kavaliershaus ausgespielt. Der Vertrag zwischen der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH und dem Schach-Förderverein soll allerdings erst im April unterzeichnet werden.

Pikantes Detail des Schachgipfels: Der deutschlandweit bekannte und anerkannte Dresdner Schach-Organisator Dirk Jordan steht derzeit wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit und Untreue im Amt sowie wegen Steuerhinterziehung in zweiter Instanz vor Gericht. Ein Urteil wird am 14. April erwartet. Jordan hatte früher im Auftrag des DSB die Deutsche Amateurmeisterschaft organisiert, die nun auch in Dresden stattfindet. Dabei soll er sogenannte Kickback-Zahlungen von den jeweiligen Hotels erhalten haben, die aber der DSB für sich beansprucht.

Deshalb strengte der Verband eine Zivilklage gegen Dirk Jordan an. Der Prozess ruht allerdings während des laufenden Berufungsverfahrens. Hinter den Kulissen arbeiten beide Seiten aber derzeit an einer außergerichtlichen Einigung. Weder Jordan-Anwalt Christian Holtermann, noch DSB-Chefin Lauterbach wollten sich am Mittwoch auf Nachfrage äußern, Lauterbach bestätigte aber zumindest, dass es Verhandlungen gibt.

Alexander Hiller
Artikel von

Alexander Hiller

Alexander Hiller ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media

METIS