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Bautzener Box-Profi vor seinem WM-Kampf: "Mein Traum wird wahr"

Bautzener Box-Profi vor seinem WM-Kampf: "Mein Traum wird wahr"
Michael Eifert steht vor seinem größten Kampf. Allerdings ist der 28-Jährige aus Bautzen krasser Außenseiter gegen einen der besten Boxer der Welt. Foto: Team SES
Von: Alexander Hiller
Michael Eifert kämpft am Samstag in Jekaterinburg um mehrere Weltmeistergürtel im Halbschwergewicht - gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner. Was der 28-Jährige zu seinen Hoffnungen, seiner Geburtsstadt Bautzen und zur politischen Dimension des Duells in Russland sagt.

Der aus Bautzen stammende Profiboxer Michael Eifert steht vor seiner größten sportlichen Herausforderung. Am Samstag kämpft der Sohn russischer Einwanderer in Jekaterinburg um mehrere Weltmeistertitel im Halbschwergewicht - der Gewichtsklasse der früheren deutschen Box-Ikone Henry Maske. Doch der Kontrahent von Eifert, der für den Magdeburger Boxstall SES um Promoter Ulf Steinforth antritt, scheint übermächtig. Der Pflichtherausforderer des Weltverbandes IBF tritt auf den Russen Dmitri Bivol, der die Weltmeistergürtel der vier bedeutenden Weltverbände WBA,IBF,WBO und IBO trägt. Der 35-Jährige gilt damit als "Unified Champion", als unangefochtener Weltmeister, der alle Titel vereint. Alles andere als ein klarer Sieg des haushohen Favoriten wäre eine Box-Sensation. Der Außenseiter aus Sachsen spricht vor dem Duell über seine Hoffnungen, seinen Geburtsort Bautzen und auch über die politische Dimension seines WM-Duells in Russland.  

Michael, seit Ihrem Sieg im März 2023 gegen Ex-Weltmeister Jean Pascal sind Sie offizieller Pflichtherausforderer der IBF für den Weltmeister. Wie haben Sie diese jahrelange Wartezeit überhaupt überstanden – mental und körperlich?

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Es war wirklich eine lange Wartezeit. Eine Achterbahnfahrt. Ich habe gelernt geduldig zu sein. Es hat mir natürlich sehr geholfen zu wissen, dass am Ende der langen Wartezeit mein großer Traum auf mich wartet: Ein Kampf gegen den unangefochtenen Weltmeister der WBA, IBF, WBO und IBO.

Sie haben in diesen drei Jahren nur einen Kampf absolviert, der 21 Monate zurückliegt. Wie erklärt sich die geringe Kampf-Frequenz?

Das hing vor allem mit meiner Position als offizieller Pflichtherausforderer zusammen. Bei einem weiteren Kampf hätte ich diesen Status verloren. Mein kompletter Fokus lag aber auf dem WM-Kampf. Für mich kam es nie infrage, meinen Herausforderer-Status aufzugeben, nur um häufiger zu kämpfen.

Sie sind seit diesem Jahr mittlerweile dreifacher Familienvater – in den drei Jahren mussten Sie auch Ihre Familie ernähren, ohne allerdings Einnahmen durch Kampfbörsen zu generieren – bis auf eine Ausnahme. Wie sind Sie finanziell über die Runden gekommen?

Natürlich waren diese Jahre nicht einfach. Aber wenn man einen großen Traum hat, muss man bereit sein Opfer zu bringen. Mein Team rund um die Promoter Benedikt Poelchau, Ulf Steinforth, meine Sponsoren und Familie haben mich unglaublich unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Sie treten am 30. Mai gegen einen der besten Boxer der Welt an. Haben Sie bei Dmitri Bivol denn Schwächen gefunden?

Er ist dafür bekannt, so gut wie fehlerlos zu boxen. Es sind kaum Schwächen auszumachen. Er ist einer der besten Boxer der Box-Geschichte.


Seit 2023 absolvierte Eifert nur einen Kampf: Gegen den überforderten Carlos Eduardo Jimenez siegte er in der zweiten Runde. Foto: Team SES

Trotz Ihrer russischen Wurzeln wird der Auftritt in Jekaterinburg für Sie ein klassisches „Auswärtsspiel“. Macht das einen Unterschied?

Nein. Damit beschäftige ich mich nicht. Mein Fokus liegt zu 100 Prozent nur auf meinem Gegner und dem Kampf. Egal wo der Ring dafür steht.

Wie haben Sie sich in den letzten Wochen auf den Kampf vorbereitet?

Alles ist jetzt spezifisch auf den Kampf und den Gegner ausgerichtet. Es war eine intensive Sparring-Phase. Mein Leben bestand nur aus Training, Schlafen, Essen, Training. Aus nichts anderem. Tag für Tag.

Dass der WM-Kampf in Russland stattfindet, wird in Deutschland kritisch betrachtet – von der WBO offensichtlich auch, die dem Duell deshalb den WM-Status aberkannt hat. Wie gehen Sie mit der aktuell schwierigen politischen Lage rund um den Ukraine-Krieg um?

Es darf für mich keine Rolle spielen. Ich habe keinen Einfluss darauf wo die Kämpfe stattfinden. Ich muss mich nur auf den Kampf und den Gegner konzentrieren und dass Ich meine Leistung abrufe.

Hätten Sie sich einen anderen Standort für Ihren WM-Kampf gewünscht?

Als Leistungssportler lernt man alle Äußerlichkeiten auszublenden. Mein ganzer Fokus liegt auf dem Kampf und meinem Gegner.

Wer ist am Samstag an Ihrer Seite?

Mit meinem Trainer Dima Siholajs, meinem Promoter Benedikt Poelchau und den beiden Ex-Profis Istvan Szili und Anatoli Muratov sind wir ein eingeschweißtes Team vor Ort. Zum Kampfabend werden dann meine Eltern, Großeltern und etwa 50 Freunde und Bekannte vor Ort sein.

Sie sind in Bautzen geboren – aber im Alter von vier Jahren mit Ihrer Familie ins Allgäu gezogen – haben Sie noch eine Beziehung oder Erinnerung an Ihre  Geburtsstadt?

Natürlich ist Bautzen meine Geburtsstadt und damit ein Teil meiner Geschichte. Auch wenn ich sehr früh weggezogen bin, vergesse ich meine Wurzeln nicht. Ich war auch immer wieder dort.

Weil Sie noch Verwandte in Bautzen haben? 

Ja, ein Teil meiner Familie - Onkel, Tante, Cousins und Cousinen - leben noch in Bautzen.

Sollte Ihnen am Samstag die Sensation gelingen, wären Sie nach dem früh verstorbenen Markus Beyer der erst zweite sächsische Boxer, der einen WM-Titel der vier großen Verbände im Profiboxen gewinnt. Was macht das mit Ihnen?

Ich wäre zusätzlich der erste deutsche Unified Champion überhaupt und der erste Deutsche, nach Max Schmeling, der den The Ring Gürtel gewinnen würde, den die älteste Boxzeitschrift "The Ring" aus den USA vergibt und den Bivol auch trägt. Ich blende das aber alles aus und konzentriere mich nur auf den Kampf.

Angesichts der Weltspitze in Ihrer Gewichtsklasse könnte man annehmen, Sie sind mit Ihren 28 Jahren noch nicht in Deiner Prime. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Mein Fokus liegt jetzt komplett auf dem 30. Mai und auf Dmitri Bivol. Ich denke aber, dass die besten Jahre meiner Karriere vor mir liegen.

Alexander Hiller
Artikel von

Alexander Hiller

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