Das große Anwesen hinter dem Haus verfügt quasi über eine Direktverbindung zum Wald, unter einer großen Eiche kurz vor der Grundstücksgrenze wachsen im Herbst viele Steinpilze. Zwanzig Schritte dahinter beginnt der Wald. Hier in Lößnitz, im Ortsteil Affalter, hat Ulrike Schmidt-Richter jeden Tag ein Idyll vor Augen.
Abgeschieden von der lauten Großstadt, abgeschieden auch von der Öffentlichkeit. Denn darin könnte die 67-Jährige ausführlich baden, wenn sie es darauf anlegen würde. Die gebürtige Görlitzerin gehört zu den erfolgreichsten Rückenschwimmerinnen aller Zeiten, zu den erfolgreichsten Olympioniken aus Dresden.
Vor genau 50 Jahren lieferte sie unter ihrem Mädchennamen Richter ihr sportliches Meisterstück ab. Bei den Olympischen Spielen in Montreal gewann sie drei Goldmedaillen für die DDR – über 100 und 200 Meter Rücken, sowie mit der 4x100-Meter-Lagenstaffel. Anderthalb Monate vor den Spielen hatte sie erst ihren 17. Geburtstag gefeiert.
Ein Teenager ganz oben. Im kapitalistischen Ausland. Im seelischen Ausnahmezustand. Sollte man meinen. Doch Ulrike Richter war öffentlichen Druck da schon längst gewohnt. „Ich bin mit 14 Jahren schon gereist. Ich bin in diese Welt reingewachsen, hatte ein ganz, ganz stabiles Elternhaus und eine riesengroße Sippschaft dahinter“, erzählt sie. Bei Familienfeiern kommen noch heute um die 60 Leute zusammen.


