Telefonwerbung ohne Einwilligung ist in Deutschland verboten, findet aber immer noch vielfach statt. Der Einsatz von Chat-Bots, also automatisierten Sprachprogrammen, könnte das Ausmaß von Telefon-Spam künftig eindämmen, sagten Experten des französischen Forschungszentrums Eurecom am Freitag beim Hackerkongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Leipzig. Nach anonymen Chat-Bot-Projekten wie «Lenny» gebe es inzwischen auch kommerzielle Dienste wie den kalifornischen Anbieter Jolly Roger, sagte Aurelién Francillon. Dabei wird bei ungewünschten Werbe-Anrufen etwa eine Telefonkonferenz mit der Nummer des Bots hergestellt und das eigene Telefon stumm geschaltet.
Obwohl «Lenny» noch keine Techniken künstlicher Intelligenz nutze, sei dieser Chat-Bot erstaunlich wirksam, sagte die Eurecom-Forscherin Merve Sahin, die 200 Gespräche zwischen Werbe-Anrufern und «Lenny» analysiert hat. Im Schnitt unterhielten sich demnach Anrufer und Chat-Bot 10 Minuten und 13 Sekunden lang. Nur fünf Prozent der Anrufer hätte «Lenny» als Bot erkannt, sagte Sahin. Die Telekommunikationsexpertin stellte ein Schema mit 22 Kategorien von sogenannten Spam-Anrufen auf, von Werbe-Anrufen für Spenden von Hilfsorganisationen bis zu betrügerischen Anrufen.