Die Linken befinden sich nach Ansicht des Leipziger Politikwissenschaftlers Hendrik Träger in einem «fast unlösbaren Dilemma». «Einerseits ist sie in einigen Ländern Regierungspartei und muss dort Kompromisse eingehen. Insofern 'zahlt' sich das Regieren nicht 'aus'», sagte Träger der Deutschen Presse- Agentur. Allerdings müsse die Partei Wählern auch eine strategische Option bieten, sonst fehle das Narrativ im Wahlkampf.
«Die Linken haben sich in den letzten Wochen vor der Wahl der SPD und den Grünen in einer solchen Form als Koalitionspartner angeboten, dass es für die Zeit vor einer Wahl schon fast vermessen war», betonte der Wissenschaftler. Um in eine Koalition auf Bundesebene zu kommen, müsste sie strittige Themen wie ihr Verhältnis zur Nato klären. «Die Frage ist nur, ob das mit der klassischen Linken-Anhängerschaft kompatibel ist.»
Nach Ansicht von Träger ist der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz ein Comeback bei Themen gelungen, die sonst von den Linken vertreten werden - etwa soziale Gerechtigkeit und Renten. Die SPD habe den Linken praktisch Themen weggenommen.