Mal gewinnt man, mal verliert man - so kommentiert Bundesinnenministerin Nancy Faeser die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zum «Compact»-Magazin und die damit verbundene massive Kritik an ihrer Amtsführung. Ihren Kampf gegen «Verfassungsfeinde» werde sie fortsetzen, sagt die SPD-Politikerin. Der Chef des rechtsextremistischen Medienunternehmens, Jürgen Elsässer, triumphiert einen Tag nach der Entscheidung im Eilverfahren, die das Verbot vorläufig ausgesetzt hat.
Faeser: «Ganz normaler Vorgang»
Es sei gut, dass auch solche Verbote in einem Rechtsstaat gerichtlich überprüft und gegebenenfalls auch korrigiert würden, sagt Faeser. Sie verweist auf Verbotsverfügungen ihres Ministeriums aus der Vergangenheit, die vor Gericht Bestand hatten, und erklärt, es sei positiv, dass das Gericht grundsätzlich bestätigt habe, dass ein Vereinsverbot gegen ein Medienunternehmen wie «Compact» möglich sei. Nun habe man «in Teilen mal verloren», sagt Faeser. Sie fügt hinzu: «Es ist ein ganz normaler Vorgang.»
Nach dem vorläufigen Scheitern des «Compact»-Verbotes hagelte es Kritik für Faeser von Union und AfD, aber auch vom Koalitionspartner FDP. «Die Eil-Entscheidung gegen das "Compact"-Verbot wirft ein verheerendes Licht auf die Sachkompetenz von Frau Faeser», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Alexander Hoffmann. Der FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle bezeichnete die Entscheidung des Gerichts als «peinlich für das Bundesinnenministerium». Das «Compact»-Magazin könne sich jetzt als Opfer darstellen, sagte Kuhle dem «Spiegel». Was keiner ausspricht, aber wohl viele denken, ist: Die Schlappe vor Gericht könnte der AfD bei den im September anstehenden Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg in die Hände spielen, die in zwei Instanzen erfolglos gegen die Einstufung der Gesamtpartei als rechtsextremistischer Verdachtsfall geklagt hatte. «Faeser muss jetzt den Hut nehmen», fordert die AfD-Vorsitzende, Alice Weidel.