Ein Erlebnisbericht von Nancy v. Raven
Die Haustür steht offen, Friedrun Lindner tritt über die Schwelle und befindet sich sofort inmitten einer fröhlichen Geburtsrunde. Eine junge Frau begrüßt sie freudig: „Schwester Friedrun, wie schön, Großmutter hat Sie schon erwartet“.
Friedrun Lindner ist die gute Seele der Gemeinde und verantwortet den Besuchsdienst der evangelischen Kirche in Moritzburg. Sie ist langjährige Kirchnerin und war Schwester in der örtlichen Arztpraxis. Als Mutter von fünf Kindern hat sie viel erlebt. Der Besuchsdienst ist für sie eine Herzensangelegenheit und gelebte Nächstenliebe. In Moritzburg gibt es zum Geburtstag nicht einfach eine Karte in den Briefkasten. Friedrun Lindner koordiniert ein Team aus vier Frauen, die den Gemeindemitgliedern zu runden hohen Geburtstagen ganz persönlich gratulieren. Die Blumen für die Geburtstagssträuße stellt sie im eigenen Garten zusammen. Die Karte überreicht sie den Jubilaren im Namen der Pfarrerin persönlich.
Ihr Ziel heute: Elsa Hofmann, die ihren 85-jährigen Geburtstag zuhause auf dem Hof ihrer Familie feiert. Hier wird man nicht eingeladen, hier ist man einfach da. Das gilt auch für die Gratulantin und das wissen auch die Nachbarn. Die Kaffeetafel ist eingedeckt mit Zwiebelmuster. Elsa hat eigens beim Bäcker Kuchen backen lassen, nach ihrem Rezept und mit ihren eigenen Zutaten wie der selbstgemachten Johannisbeermarmelade, die den Kleckselkuchen so besonders macht. Dazu gibt es noch Kokoskuchen und Eierschecke, schön gewürfelt, als bunte Teller auf der Tafel. Kaffee wird hier noch selbst gebrüht. Angestoßen wird mit Rotkäppchen halbtrocken. Und natürlich dürfen auch die Hackepeterschnittchen nicht fehlen.