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Das Triebischtal ordnet seinen Mittelpunkt neu

Das Triebischtal ordnet seinen Mittelpunkt neu
OB Markus Renner bei der Platzübergabe. Foto: Ostara Jasmin Hennig
Von: Meißen News
Meißens Oberbürgermeister Markus Renner hat den sanierten Wilhelm-Walkhoff-Platz im kleinen Kreis offiziell übergeben.

Von Bürgerjournalistin Ostara Jasmin Hennig

Es ist wirklich hübsch geworden.“ Das sagt eine Anwohnerin, kaum dass Oberbürgermeister Markus Renner den sanierten Wilhelm-Walkhoff-Platz an diesem Mittwochvormittag im kleinen Kreis offiziell übergeben hat. Dann fügt sie hinzu, was wohl viele der Anwohner denken: „Hoffen wir mal, dass das auch so bleibt – sauber und ordentlich.“ Der Wunsch klingt bescheiden. Er ist es nicht. Er erzählt viel über einen Stadtteil im Wandel, der gerade dabei ist, sich selbst neu zu sortieren.

Wer heute am Wilhelm-Walkhoff-Platz steht und die zwei in den Boden eingelassenen Trampoline, das Klettergerüst, die neue Tischtennisplatte und die frischen Bänke betrachtet, sieht zunächst einen rundum gelungenen Stadtteilplatz. Was man nicht sieht, ist eine Geschichte, die wie ein Brennglas mitten durch die Brüche des 20. Jahrhunderts führt. Der Platz trug im Laufe der letzten 140 Jahre vier verschiedene Namen, die jeweils den tiefen politischen Wandel der Zeit widerspiegeln.

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Alles begann am 15. Mai 1885, als 164 Meißner Bürger beschlossen, das neu entstehende Areal nach dem Reichskanzler zu benennen. Als Bismarckplatz sollte es der Mittelpunkt des rasant wachsenden Triebischtals werden, das damals das boomende, industrielle Herz Meißens voller Fabriken und Töpfereien war. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Sturz der Monarchie folgte in der Weimarer Republik im Jahr 1923 die erste politisch motivierte Umbenennung in Reichsplatz. Nur zehn Jahre später, im März 1933, okkupierten die Nationalsozialisten den zentralen Ort im Arbeiterviertel für ihre Propaganda und machten ihn zum Adolf-Hitler-Platz.

Am 16. Mai 1945 – exakt acht Tage nach der bedingungslosen Kapitulation, setzte die neue Stadtverwaltung ein klares Zeichen gegen die Diktatur. Der Platz wurde nach einem Mann aus dem eigenen Viertel benannt: Wilhelm Walkhoff. Walkhoff war tief im Triebischtal verwurzelt, das vor 1933 von einer starken, organisierten Arbeiterbewegung geprägt war. Als überzeugter Antifaschist organisierte er den lokalen Widerstand, wurde nach der NS-Machtübernahme verfolgt und inhaftiert. Die Umbenennung direkt nach Kriegsende war eine der allerersten symbolischen Amtshandlungen der Nachkriegsverwaltung. Die Erinnerung an den ganz realen, lokalen Widerstand sollte unübersehbar im Stadtbild verankert bleiben, genau dort, wo die Gemeinschaft des Stadtteils zusammenkommt.

In den vergangenen Jahrzehnten war das Areal um die Kirche zwar stets viel frequentiert, entwickelte sich jedoch zunehmend zu einem sozialen Brennpunkt, der stark durch Alkohol- und Suchtprobleme im öffentlichen Raum geprägt war. Nun soll sich das Blatt wenden. Für rund 80.000 Euro aus städtischen Haushaltsmitteln wurde das Areal in den vergangenen Wochen spürbar aufgewertet. Entstanden ist eine einladende Oase mit einer wassergebundenen Wegedecke, neuen Spiel- und Sportgeräten sowie frischen Sitzgelegenheiten, während die schattenspendenden Bestandsbäume erhalten werden konnten. Ziel ist es, den Platz wieder für Familien und alle Generationen sicher und lebenswert zu machen.

Auch das direkte Umfeld spiegelt das soziale Leben des Viertels wider. Die markante Lutherkirche am Platz ist längst mehr als ein Gotteshaus. Sie beherbergt heute ein Jugendzentrum der Diakonie, Ukraine-Hilfe-Gruppen und den umtriebigen Stadtteiltreff „Kreuzpunkt“, der unter anderem durch das Engagement von Vereinen wie Lebensfahrten e.V. getragen wird.

Dass der Platz nun pünktlich fertig geworden ist, ist kein isoliertes Bauprojekt, sondern Teil einer größeren Strategie für das Viertel. Seit Herbst 2024 sucht die Stadt in regelmäßigen Einwohnerversammlungen den direkten Draht zu den Triebischtalern. Die Themen Sicherheit, Sauberkeit, soziales Miteinander und bezahlbares Wohnen brennen den Menschen hier unter den Nägeln. Die Neugestaltung soll dabei auch als Signal des Respekts an die Einwohner wirken und den öffentlichen Raum positiv besetzen.

Ob die Hoffnung der Anwohnerin auf dauerhafte Sauberkeit im Alltag erfüllt wird, muss sich nun zeigen. Die erste große Bewährungsprobe steht jedenfalls unmittelbar bevor. Am kommenden Samstag, den 20. Juni, feiert das Viertel sein großes Stadtteilfest – genau hier, auf dem frisch übergebenen Platz. Vier Namen, ein Ort, 140 Jahre Stadtgeschichte: Das Triebischtal füllt seinen zentralen Treffpunkt mit neuem Leben.

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