Ein ungewöhnlicher Prozess beschäftigt derzeit das Landgericht Leipzig. Angeklagt ist der 60-jährige Fikret A., der versucht haben soll, einen Mord in der berüchtigten Eisenbahnstraße zu begehen. Der Grund, dass sein mutmaßliches Opfer, Mahdi T., den Angriff überlebte, scheint dem Zufall geschuldet zu sein: Eine Schusswaffenblockade.
Laut Anklage soll Fikret A. am 4. Juli kurz nach fünf Uhr morgens mit einer Selbstladepistole vom Typ Taurus auf den 37-jährigen Tunesier gezielt und abgedrückt haben, ohne dass sich ein Schuss löste. Trotz zweier Versuche, den vermeintlichen Feind zu töten, blieb Mahdi T. unverletzt, was der Ermittlungsbehörde zufolge daran lag, dass die Waffe des Schützen nicht entsichert war.
Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten einen Mordversuch aus Heimtücke zur Last. Doch der Prozess offenbarte bereits die Komplexität der Tat und ihrer Hintergründe. Die 16. Strafkammer des Landgerichts musste einräumen, dass das Merkmal der Heimtücke möglicherweise nicht erfüllt ist, basierend auf dem bisherigen Ermittlungsergebnis.