Am Freitag wird es an einem Gymnasium im Leipziger Norden besonders ruhig. Protestierende Lehrkräfte äußern ihren Unmut über die Pläne des sächsischen Kultusministeriums, die Arbeitsbelastung zu erhöhen, indem sie zwei Stunden lang schweigen. Einige von ihnen ziehen sogar in Betracht, ihre Lippen mit Klebeband zu versiegeln.
Diese Protestaktion ist Teil der umfassenderen Kampagne „100 Schulen an 10 Tagen“, die von der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen initiiert wurde. Sie antwortet direkt auf die Tour des neuen Kultusministers Conrad Clemens (CDU), der mit seiner Initiative „100 Schulen in 100 Tagen“ einen Überblick über die Schulsituation im Freistaat gewinnen wollte.
Nicht nur die Stille ist ein Zeichen des Protests: Am Donnerstag tragen Lehrkräfte im gesamten Bundesland rote Kleidung als symbolische 'Rote Karte' gegen das Ministerium. Immer mehr Schulen entwickeln kreative Wege, um auf die, durch die geplante Mehrarbeit entstehenden, Belastungen hinzuweisen.
Besonders kontrovers ist der Vorstoß des Ministeriums, Lehrkräfte zu verpflichten, mehr Unterrichtsstunden zu übernehmen, um Stundenausfälle zu reduzieren. Die geleistete Mehrarbeit dürfen die Lehrkräfte erst nach mehreren Jahren ausgleichen. Für ältere Pädagogen, Lehrkräfte der gymnasialen Oberstufe und Ausbilder von Referendaren ist jedoch kein späterer Ausgleich vorgesehen – sie sollen dauerhaft mehr Unterrichtsstunden übernehmen.
