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Tag des offenen Umgebindehauses rückt einzigartige Bauweise in den Fokus

Tag des offenen Umgebindehauses rückt einzigartige Bauweise in den Fokus
Foto: Philipp Herfort
Von: Uwe Tschirner
Am 30. und 31. Mai 2026 öffnen mehr als 150 Umgebindehäuser in Deutschland, Polen und Tschechien ihre Türen. Der Aktionstag zeigt, wie lebendig diese besondere Volksarchitektur heute noch ist.

Mehr als 150 geöffnete Häuser in drei Ländern

Zum 22. Tag des offenen Umgebindehauses rückt eine der markantesten Bauformen der Region erneut in den Mittelpunkt. Am letzten Maiwochenende 2026 laden mehr als 150 Objekte in Deutschland, Polen und Tschechien zur Besichtigung ein. Damit wird das Umgebindehaus nicht nur als Denkmal, sondern auch als gelebter Teil der Alltagskultur sichtbar.

Der Auftakt erfolgt am Samstag, 30. Mai, mit rund 40 geöffneten Umgebindehäusern in Tschechien. Einen Tag später folgen 72 Objekte auf deutscher Seite, 41 in Polen sowie zwei weitere Häuser in Tschechien. In der Regel sind die Gebäude zwischen 10 und 17 Uhr ohne Eintritt zugänglich; auf tschechischer Seite reicht das Zeitfenster sogar bis 18 Uhr.

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Eröffnung in Seifhennersdorf als Zeichen für Erhalt und Nutzung

Die zentrale Eröffnung des diesjährigen Aktionstages findet am Sonntag, 31. Mai 2026, um 10 Uhr in Seifhennersdorf statt. Schauplatz ist das Anwesen An der Läuterau 27, wo die Sächsische Bildungs- und Begegnungsstätte Windmühle Seifhennersdorf e. V. ein vormals baufälliges Umgebindehaus saniert und ausgebaut hat.

„2023 haben wir das mehr als 360 Jahre alte Haus erworben, um es ab diesem Jahr für Seminare und Workshops zu nutzen“, sagt Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer Markus Kranich. Der Verein will damit nicht nur ein historisches Gebäude bewahren, sondern auch Wissen über die besondere Bauweise weitergeben. „Wir möchten dazu beitragen, Wissen zum Thema Umgebindehaus umfassend und grenzüberschreitend weiterzugeben.“

Windmühle Seifhennersdorf ist zudem Leadpartner im deutsch-tschechischen INTERREG-Projekt „Das Umgebindeland touristisch erlebbar machen“ (Umgebinde 2.0).

Offene Häuser erzählen von Sanierung und Alltag

Der Tag des offenen Umgebindehauses wurde 2005 in der Oberlausitz ins Leben gerufen, um für das Leben und Arbeiten in diesen besonderen Fachwerkhäusern zu werben. Seitdem öffnen private Eigentümer, Firmen und Vereine ihre Häuser und geben Einblicke in ganz unterschiedliche Nutzungen. Zu sehen sind unter anderem Gaststätten, Pensionen, Museen sowie Wohnhäuser, die liebevoll restauriert oder noch während der Sanierung gezeigt werden.

Zu den diesjährigen Gastgebern gehört Susann Christoph aus Sohland an der Spree. Sie hat ein um 1661 entstandenes und einst stark beschädigtes Haus in ein gemütliches Domizil verwandelt. Am 31. Mai ist sie zum vierten Mal dabei; ihre „DenkMalWiese!“ in der Taubenheimer Straße 27 öffnet bereits am 30. Mai von 17 bis 20 Uhr für Austausch und Führungen.

„Ich ziehe immer wieder den Hut vor der Arbeit vergangener Generationen“, sagt sie. „Mit viel geringeren Mitteln als heute möglich haben sie dieses Haus gebaut und erhalten. Da steckt Energie aus mehr als drei Jahrhunderten in den Gemäuern.“ Sie hoffe, dass Besucherinnen und Besucher sich intensiver mit diesen Unikaten beschäftigen. „Es gibt noch viele vergessene Häuser, die auf die richtigen Menschen warten.“

Volksarchitektur mit grenzüberschreitender Bedeutung

Federführend vorbereitet wird der Aktionstag von der Stiftung Umgebindehaus in Ebersbach-Neugersdorf. Neben Hausbesichtigungen gehören Vorführungen von Handwerkern, Ausstellungen, Angebote für Kinder und Ortsführungen zum Programm. Jahr für Jahr zieht die Veranstaltung rund 10.000 Interessierte an; zuletzt wurden allein in Tschechien etwa 2.500 Gäste gezählt.

Dort wird der Aktionstag inzwischen zum dritten Mal unter Leitung des Vereins DMO Lužické a Žitavské hory, z. s. organisiert. Geschäftsführerin Marie Kárová betont die kulturelle Bedeutung der Bauform: Ziel sei es, auf die außergewöhnliche Volksarchitektur aufmerksam zu machen, die Schutz verdiene. Zugleich gehe es darum, das Bewusstsein in der lokalen Bevölkerung zu stärken und Eigentümern die Möglichkeit zu geben, ihre aufwendige Arbeit sichtbar zu machen. Als gelungenes Sanierungsbeispiel nennt sie die ehemalige Gaststätte „U Ryšánků“ in Kamenický Šenov.

Umgebindehäuser als prägendes Erbe der Region

Umgebindehäuser verbinden Elemente von Fachwerk, Blockbau und Massivbau zu einer eigenständigen Bauweise. Besonders auffällig ist das hölzerne Stützsystem, das sogenannte Umgebinde, das die Blockstube bogenförmig umschließt. Schätzungen gehen davon aus, dass noch rund 20.000 dieser regionaltypischen Häuser existieren. Verbreitet sind sie vor allem in Nordböhmen, im polnischen Niederschlesien, in der Oberlausitz und in der Sächsischen Schweiz.

Die besondere Architektur ist damit nicht nur ein Thema für Fachleute, sondern auch für Ausflügler und Familien, die an diesem Wochenende die Grenze überschreiten und Baukultur unmittelbar erleben möchten.

Programm, Download und digitale Informationen

Zum Tag des offenen Umgebindehauses erscheint wie jedes Jahr ein gedrucktes Programmheft mit allen Angeboten in Deutschland, Polen und Tschechien, alphabetisch nach Orten sortiert. Die Broschüre ist in allen Tourist-Informationen der Landkreise Bautzen und Görlitz kostenlos erhältlich.

Zusätzlich steht das Programm auf der Website der Stiftung Umgebindehaus zum Download bereit. Aktuelle Informationen sind außerdem jederzeit in der WebApp unter www.umgebinde.haus verfügbar.

Das Projekt „Das Umgebindeland touristisch erlebbar machen“ (Umgebinde 2.0) wird neben der Sächsischen Bildungs- und Begegnungsstätte Windmühle Seifhennersdorf e. V. als Leadpartner von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH, dem Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge GmbH, dem Bezirk Liberec und der lokalen Aktionsgruppe Český sever mit Sitz in Varnsdorf getragen. 

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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