Ein Interview von Jan Christopher Lange
Herr Weiß, wie sind Sie gläubiger Christ geworden?
Ich komme aus einer christlichen Familie. Mein Vater war Prediger in der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Sonntags gehörten Gottesdienst und Gemeinschaftsstunde selbstverständlich zum Alltag. Glaube war ein fester Bestandteil unseres Familienlebens.
Wie haben Sie sich als Kind und Jugendlicher in dieser Glaubensgemeinschaft erlebt?
Ich habe vieles wie selbstverständlich aufgenommen. Es gab Kindergottesdienst, Jugendkreis und ein starkes Gemeindeleben. Der christliche Glaube gehörte einfach dazu.
Wie lebendig war Ihr Glaube damals?
Es war zunächst ein kindlicher Glaube. Ich glaubte an Gott und betete, aber eine persönliche Beziehung zu ihm hatte ich noch nicht. Mit etwa 15 Jahren begann ich, andere Lebenswelten kennenzulernen. Ich lebte zunehmend in zwei Welten: einerseits die Gemeinde, andererseits Partys, Alkohol und Beziehungen. Innerlich entfernte ich mich immer mehr vom Glauben.
Gab es dennoch Momente, die Sie beeindruckt haben?
Ja. Besonders in Jugendkreisen erlebte ich Situationen, in denen Glaube ganz selbstverständlich Teil des Alltags war. Einmal saßen wir bis spät in die Nacht zusammen, und jemand schlug vor, gemeinsam zu beten. Das war für mich neu. Ich merkte: Glaube ist mehr als Rituale und feste Termine.
Wie entwickelte sich Ihr Leben in den folgenden Jahren?
Ich lebte viele Jahre sehr ausschweifend, feierte viel, trank zu viel Alkohol und hatte schwierige Beziehungen. Was zunächst Freiheit und Spaß versprach, wurde immer mehr zu einer Belastung. Ich wurde zunehmend unzufrieden und durchlebte auch depressive Phasen.
In welcher Lebenssituation befanden Sie sich damals?
Ich lebte zeitweise in Berlin. Die Stadt faszinierte mich, gleichzeitig erlebte ich dort aber auch Einsamkeit. Vieles, was mir früher einen Kick gegeben hatte, verlor seinen Reiz.
Gab es weiterhin Berührungspunkte mit dem Glauben?
Ja. Wenn ich meine Eltern besuchte, ging ich mit ihnen in den Gottesdienst. Der Glaube war nie ganz verschwunden. Oft bestand mein Gebet nur aus wenigen Worten wie: ‚Herr, erbarme dich‘ oder ‚Vergib mir‘.
Was hielt Sie dennoch auf Distanz zur Kirche?
Ich dachte lange, ein christliches Leben würde mich einschränken und nicht glücklich machen. Ich hatte das Gefühl, dann auf vieles verzichten zu müssen.
War der Glaube eher Ihre eigene Überzeugung oder das Ergebnis Ihrer Erziehung?
Beides. Ich war überzeugt, dass es Gott gibt. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass er in schwierigen Situationen da ist. Diese Überzeugung war trotz aller Zweifel nie ganz verschwunden.
Gab es in Ihrem Umfeld Menschen, die den Glauben lebten?
Außerhalb der Kirche spielte Glaube kaum eine Rolle. Innerhalb kirchlicher Kreise gab es jedoch Veranstaltungen und Begegnungen, die mich immer wieder berührten. Ich war damals selbst musikalisch aktiv und als Liedermacher unterwegs.
Wann begann sich Ihr Leben grundlegend zu verändern?
Nach der Wende fragte mich ein Freund, mit dem ich früher Musik gemacht hatte, ob ich in die Schweiz kommen wolle. Dort arbeitete ich in einem christlichen Altenheim. Dieser Schritt wurde zu einem Wendepunkt.
Was war in der Schweiz anders?
Mein Freund hatte inzwischen selbst zum Glauben gefunden. Er nahm mich mit in Hauskreise und christliche Gemeinschaften. Mich beeindruckte besonders, wie selbstverständlich die Menschen ihren Glauben lebten. Diese Authentizität hat mich tief bewegt.
Gab es einen konkreten Moment der Umkehr?
Ja. Ich legte bei einem christlichen Leiter eine Lebensbeichte ab. Ich hatte alles aufgeschrieben, was mich belastete. Als er mir Vergebung im Namen Jesu zusprach, war das für mich wie eine Befreiung. Der 30.11.1990 war mein persönlicher Neuanfang.
Welche Veränderungen folgten daraus?
Verhaltensweisen, die ich vorher nicht überwinden konnte, konnte ich nun angehen. Dazu gehörten Lügen, Betrügen, Stehlen und problematische Beziehungen. Natürlich blieb das Leben herausfordernd, aber ich hatte eine neue Orientierung.
Wie reagierte Ihre Familie?
Zu Weihnachten fuhr ich nach Hause und sprach mit meinen Eltern über die Veränderungen in meinem Leben. Sie freuten sich sehr darüber. Heute empfinde ich es als großes Geschenk, gläubige Eltern gehabt zu haben, die für mich gebetet haben.
Wie wurden Sie schließlich Pastor der Elim-Gemeinde Zittau?
Nach verschiedenen Stationen – unter anderem einem Studium in Dresden und Tätigkeiten bei der Diakonie sowie in der Suchtberatung – spürte ich eine Berufung zum pastoralen Dienst. Berufsbegleitend absolvierte ich eine mehrjährige theologische Ausbildung. Als die Pastorenstelle in der Gemeinde frei wurde, wurde ich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte. Schritt für Schritt bin ich in diese Verantwortung hineingewachsen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Ich komme aus einer christlichen Familie. Mein Vater war Prediger in der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Sonntags gehörten Gottesdienst und Gemeinschaftsstunde selbstverständlich zum Alltag. Glaube war ein fester Bestandteil unseres Familienlebens.
Wie haben Sie sich als Kind und Jugendlicher in dieser Glaubensgemeinschaft erlebt?
Ich habe vieles wie selbstverständlich aufgenommen. Es gab Kindergottesdienst, Jugendkreis und ein starkes Gemeindeleben. Der christliche Glaube gehörte einfach dazu.
Wie lebendig war Ihr Glaube damals?
Es war zunächst ein kindlicher Glaube. Ich glaubte an Gott und betete, aber eine persönliche Beziehung zu ihm hatte ich noch nicht. Mit etwa 15 Jahren begann ich, andere Lebenswelten kennenzulernen. Ich lebte zunehmend in zwei Welten: einerseits die Gemeinde, andererseits Partys, Alkohol und Beziehungen. Innerlich entfernte ich mich immer mehr vom Glauben.
Gab es dennoch Momente, die Sie beeindruckt haben?
Ja. Besonders in Jugendkreisen erlebte ich Situationen, in denen Glaube ganz selbstverständlich Teil des Alltags war. Einmal saßen wir bis spät in die Nacht zusammen, und jemand schlug vor, gemeinsam zu beten. Das war für mich neu. Ich merkte: Glaube ist mehr als Rituale und feste Termine.
Wie entwickelte sich Ihr Leben in den folgenden Jahren?
Ich lebte viele Jahre sehr ausschweifend, feierte viel, trank zu viel Alkohol und hatte schwierige Beziehungen. Was zunächst Freiheit und Spaß versprach, wurde immer mehr zu einer Belastung. Ich wurde zunehmend unzufrieden und durchlebte auch depressive Phasen.
In welcher Lebenssituation befanden Sie sich damals?
Ich lebte zeitweise in Berlin. Die Stadt faszinierte mich, gleichzeitig erlebte ich dort aber auch Einsamkeit. Vieles, was mir früher einen Kick gegeben hatte, verlor seinen Reiz.
Gab es weiterhin Berührungspunkte mit dem Glauben?
Ja. Wenn ich meine Eltern besuchte, ging ich mit ihnen in den Gottesdienst. Der Glaube war nie ganz verschwunden. Oft bestand mein Gebet nur aus wenigen Worten wie: ‚Herr, erbarme dich‘ oder ‚Vergib mir‘.
Was hielt Sie dennoch auf Distanz zur Kirche?
Ich dachte lange, ein christliches Leben würde mich einschränken und nicht glücklich machen. Ich hatte das Gefühl, dann auf vieles verzichten zu müssen.
War der Glaube eher Ihre eigene Überzeugung oder das Ergebnis Ihrer Erziehung?
Beides. Ich war überzeugt, dass es Gott gibt. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass er in schwierigen Situationen da ist. Diese Überzeugung war trotz aller Zweifel nie ganz verschwunden.
Gab es in Ihrem Umfeld Menschen, die den Glauben lebten?
Außerhalb der Kirche spielte Glaube kaum eine Rolle. Innerhalb kirchlicher Kreise gab es jedoch Veranstaltungen und Begegnungen, die mich immer wieder berührten. Ich war damals selbst musikalisch aktiv und als Liedermacher unterwegs.
Wann begann sich Ihr Leben grundlegend zu verändern?
Nach der Wende fragte mich ein Freund, mit dem ich früher Musik gemacht hatte, ob ich in die Schweiz kommen wolle. Dort arbeitete ich in einem christlichen Altenheim. Dieser Schritt wurde zu einem Wendepunkt.
Was war in der Schweiz anders?
Mein Freund hatte inzwischen selbst zum Glauben gefunden. Er nahm mich mit in Hauskreise und christliche Gemeinschaften. Mich beeindruckte besonders, wie selbstverständlich die Menschen ihren Glauben lebten. Diese Authentizität hat mich tief bewegt.
Gab es einen konkreten Moment der Umkehr?
Ja. Ich legte bei einem christlichen Leiter eine Lebensbeichte ab. Ich hatte alles aufgeschrieben, was mich belastete. Als er mir Vergebung im Namen Jesu zusprach, war das für mich wie eine Befreiung. Der 30.11.1990 war mein persönlicher Neuanfang.
Welche Veränderungen folgten daraus?
Verhaltensweisen, die ich vorher nicht überwinden konnte, konnte ich nun angehen. Dazu gehörten Lügen, Betrügen, Stehlen und problematische Beziehungen. Natürlich blieb das Leben herausfordernd, aber ich hatte eine neue Orientierung.
Wie reagierte Ihre Familie?
Zu Weihnachten fuhr ich nach Hause und sprach mit meinen Eltern über die Veränderungen in meinem Leben. Sie freuten sich sehr darüber. Heute empfinde ich es als großes Geschenk, gläubige Eltern gehabt zu haben, die für mich gebetet haben.
Wie wurden Sie schließlich Pastor der Elim-Gemeinde Zittau?
Nach verschiedenen Stationen – unter anderem einem Studium in Dresden und Tätigkeiten bei der Diakonie sowie in der Suchtberatung – spürte ich eine Berufung zum pastoralen Dienst. Berufsbegleitend absolvierte ich eine mehrjährige theologische Ausbildung. Als die Pastorenstelle in der Gemeinde frei wurde, wurde ich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte. Schritt für Schritt bin ich in diese Verantwortung hineingewachsen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de