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Frauen übernehmen, Ausländer retten – doch Sachsens Praxen stehen leer

Frauen übernehmen, Ausländer retten – doch Sachsens Praxen stehen leer
Eine eigene Praxis wird für junge Ärzte und Ärztinnen unattraktiver. Symbolbild: pixabay/stux
Von: Dresden News

Die Sächsische Landesärztekammer hat zum Jahresende 2025 ihre aktuellen Zahlen zur ärztlichen Versorgung im Freistaat veröffentlicht – und die Zahlen zeichnen ein vielschichtiges Bild: Sachsen wächst medizinisch, verändert sich strukturell und bleibt ohne ausländische Kolleginnen und Kollegen schlicht nicht versorgungsfähig.

Mehr Ärzte – aber woanders

Insgesamt sind zum Stichtag 31. Dezember 2025 genau 28.276 Ärztinnen und Ärzte in Sachsen registriert. Davon üben 20.386 aktiv ihren Beruf aus – 206 mehr als im Vorjahr. Das klingt nach Wachstum. Doch der Blick auf die Struktur zeigt, wo dieses Wachstum stattfindet: im Krankenhaus und in angestellten Verhältnissen, nicht in der niedergelassenen Einzelpraxis.

Im stationären Bereich arbeiten nun 11.645 Ärztinnen und Ärzte (+199), im ambulanten Bereich 7.688 (+52). Die Zahl der Mediziner in Behörden ist hingegen leicht auf 355 gesunken.

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Der Trend heißt: angestellt statt selbstständig

Vor zehn Jahren praktizierten noch 5.375 Ärztinnen und Ärzte in eigener Praxis. Heute sind es nur noch 4.763 – ein Rückgang von rund 11,5 Prozent. Parallel dazu hat sich die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) von 1.292 auf 2.925 mehr als verdoppelt.

Kammerpräsident Erik Bodendieck benennt den Grund klar: Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie planbare Arbeitszeiten seien für junge Medizinerinnen und Mediziner entscheidende Kriterien bei der Berufswahl. Das sei nachvollziehbar – aber es entstehe ein Problem: Freiwerdende Praxen im ländlichen Raum finden immer schwerer Nachfolgerinnen und Nachfolger.

Frauen übernehmen die Mehrheit

Erstmals liegt der Anteil der berufstätigen Ärztinnen bei 54,5 Prozent – 11.119 Frauen stehen 9.267 Männern gegenüber. Auch in Führungspositionen im Krankenhaus wächst der Frauenanteil: 739 Medizinerinnen arbeiten dort in leitender Funktion, ihr Anteil stieg von 19,8 auf 21 Prozent.

Ohne ausländische Ärzte keine Versorgung

4.040 ausländische Ärztinnen und Ärzte aus 130 Nationen sind in Sachsen tätig – ein Zuwachs von 554 Personen. Sie stellen inzwischen fast 20 Prozent aller berufstätigen Mediziner im Freistaat. Die größten Gruppen kommen aus Syrien (768), der Tschechischen Republik (376), Polen (292), der Ukraine (235) und der Slowakei (230).

Die Pressemitteilung wurde am 17. März versendet, trägt aber das Datum vom 4. März 2026.

Bodendieck betont: Ohne diese Unterstützung wäre die Versorgung heute nicht mehr gewährleistet. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht vor zu großer Abhängigkeit – denn viele ausländische Ärzte kehren irgendwann in ihre Heimatländer zurück. Sachsen müsse langfristig eigene Lösungen entwickeln.

Was jetzt gefragt ist

Die Zahlen zeigen, dass die medizinische Versorgung in Sachsen quantitativ stabil ist – aber strukturell unter Druck steht. Lösungsansätze liegen auf der Hand: bessere Rahmenbedingungen für Landarztpraxen, gezielte Anreize zur Niederlassung im ländlichen Raum, und eine Medizinausbildung, die junge Ärztinnen und Ärzte nicht nur für das Krankenhaus, sondern auch für die eigenverantwortliche Praxistätigkeit begeistert. Der Rückgang der Niedergelassenen ist kein Schicksal – er ist ein Signal, auf das die Gesundheitspolitik reagieren muss.

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