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Windräder in der Dresdner Heide? Was der Beschluss vom 23. März wirklich bedeutet

Windräder in der Dresdner Heide? Was der Beschluss vom 23. März wirklich bedeutet
Symbolbild Windräder / pixabay JACLOU-DL
Von: Cornelius de Haas

Sie wollten Nein sagen – und stimmten trotzdem Ja. Fast alle Mitglieder der Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge haben heute einen Plan mitgetragen, den viele von ihnen persönlich ablehnen: 102 Vorranggebiete für Windkraft in der Region – darunter Flächen in der Dresdner Heide, im Schönfelder Hochland und in Rossendorf. Das Bundesrecht ließ ihnen kaum eine andere Wahl. Mehr als 100 Bürger verfolgten die Sitzung in der Handwerkskammer Dresden – und verließen sie mit einem unguten Gefühl.

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Was genau geplant ist

Drei der 102 Vorranggebiete liegen im Dresdner Stadtgebiet – zusammen 162 Hektar, das entspricht etwa 230 Fußballfeldern. Die größte und politisch brisanteste Fläche liegt mit fast 80 Hektar in der Dresdner Heide, nahe der Hofewiese. Eine weitere, knapp 50 Hektar große Fläche befindet sich im Landschaftsschutzgebiet am Triebenberg im Schönfelder Hochland, die dritte mit rund 33 Hektar in Rossendorf am Helmholtz-Zentrum. Fast zwei Drittel der geplanten Flächen liegen im Wald. Die Planer selbst vermerken für alle drei Dresdner Standorte ein mittleres bis hohes Konfliktpotenzial hinsichtlich des Umweltschutzes.

Für die Windräder gibt es keine Höhenbegrenzung im Regionalplan – das klingt beunruhigender, als es ist. Denn das ist keine Entscheidung der Planer, sondern eine bundesrechtliche Vorgabe: Flächen mit planerischen Höhenbeschränkungen dürfen nicht auf das gesetzlich vorgeschriebene Flächenziel angerechnet werden. Ob einzelne Anlagen später tatsächlich in den Himmel wachsen dürfen, entscheidet sich erst im jeweiligen Genehmigungsverfahren – mit strengen Auflagen zu Lärm, Abständen und Naturschutz.

Was am 23. März wirklich entschieden wurde

Die Abstimmung ist noch kein grünes Licht für Windräder. Der Entwurf ist damit lediglich für das öffentliche Beteiligungsverfahren freigegeben. Vom 7. Mai bis zum 6. Juli können Bürger, Gemeinden und Vereine Einwände erheben. Begleitend dazu stellt der Planungsverband seinen Plan in gut dreistündigen Veranstaltungen in Meißen, Großenhain, Dippoldiswalde, Neustadt, Dresden und Riesa vor – plus einer Online-Veranstaltung. Bis Anfang 2027 werden alle Stellungnahmen ausgewertet, bei Bedarf wird der Plan überarbeitet. Der finale Beschluss soll im Dezember 2027 fallen.

Warum Blockieren riskant ist

Meißens Landrat Ralf Hänsel (CDU), der der Verbandsversammlung als Vorsitzender vorsteht, machte in der Sitzung deutlich, dass er die Flächenziele persönlich für falsch hält – die Rechtslage aber keine andere Wahl lasse.  Das Bundesgesetz verpflichtet Sachsen dazu, bis Ende 2027 mindestens 1,3 Prozent der Regionsfläche für Windenergie auszuweisen – als Zwischenziel auf dem Weg zu zwei Prozent bis 2032. Konkret bedeutet das: Die ausgewiesene Fläche steigt von bisher rund 600 Hektar auf zunächst rund 4.470 Hektar – das Siebeneinhalbfache des bisherigen Wertes.

Erschwerend kommt hinzu: Die Planungsregion ist die kleinste in Sachsen, zählt aber mit einer Million Einwohnern die höchste Siedlungsdichte – und hat keinen Spielraum nach oben. Werden Flächen im Beteiligungsverfahren herausgenommen, müssen andere hinzukommen. Scheitert der Prozess bis Ende 2027 gänzlich, verliert der Planungsverband jede Steuerungsmöglichkeit: Windkraftbetreiber könnten dann im gesamten Außenbereich ohne regionale Planung bauen – überall dort, wo Grundstückseigentümer zustimmen. Wer den Prozess also blockiert, riskiert am Ende mehr Windräder an schlechter geeigneten Standorten. Dresden kommt dabei noch vergleichsweise glimpflich davon: Nur 0,4 Prozent der Kommunalfläche sind betroffen. Dippoldiswalde etwa gibt vier Prozent.

„Größer als der Fernsehturm" – was an den Schlagzeilen stimmt und was nicht

Die Debatte bekam ihr Gesicht durch eine Bild-Collage: Der Dresdner Fernsehturm, daneben aufragende Windräder – höher, mächtiger, unübersehbar. Das Boulevardblatt befeuerte damit eine Diskussion, die ohnehin schon brodelte – und die Petition von Team Zastrow „Keine Windräder in der Dresdner Heide und im Hochland" sammelte Tausende Unterschriften.

Bild spricht von „bis zu 300 Meter hohen Stahl-Giganten" mit Betonfundamenten von 1.500 Kubikmetern Masse und 30 Metern Durchmesser. Ganz falsch ist das nicht: Moderne Windkraftanlagen können tatsächlich größer werden als der 252 Meter hohe Fernsehturm und würden die Baumkronen der Heide weit überragen. Allerdings: Konkrete Anlagenhöhen sind im Planentwurf gar nicht festgeschrieben – das entscheidet sich erst im Genehmigungsverfahren, mit strengen Auflagen zu Lärm und Abständen.

Wie störend die Anlagen das Landschaftsbild tatsächlich prägen würden, hängt zudem stark von Standort, Topografie und Sichtachse ab.

Was jetzt passiert – und worauf es ankommt

Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) brachte gegenüber Tag24 ein Argument ins Spiel, das in der Debatte oft untergeht: Viele Unternehmen aus dem Silicon Saxony knüpften ihre Ansiedlung inzwischen ausdrücklich an die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien vor Ort – Dresden profitiere davon erheblich und könne sich der Verantwortung daher nicht entziehen. Einige Stadtratsmitglieder plädieren zudem dafür, Dresdner Bürger über Energiegenossenschaften an den Erlösen möglicher Windkraftanlagen zu beteiligen. Ein konstruktiver Ansatz – der freilich voraussetzt, dass die Diskussion sachlich geführt wird. Die diskussionsreichen Wochen für das Elbland haben gerade erst begonnen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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