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Wie Dresdner Sechstklässler ihre Stadt neu lesen lernten

Eine Gruppe von Jugendlichen mit Rucksäcken steht von hinten gesehen auf dem Pflaster des Dresdner Neumarkts und blickt hoch zur sandsteinfarbenen Frauenkirche. Zwei Mädchen schreiben auf Klemmbretter. Im Hintergrund ist ein strahlend blauer Himmel mit hellen Wolken.
Architektur hautnah erleben: Die Klasse 6/2 des Gymnasiums Bürgerwiese erkundet beim Hänsch-Projekttag den Dresdner Neumarkt. Ausgerüstet mit Kamera und Zeichenstift nehmen die Sechstklässler die Frauenkirche unter die Lupe. Foto: Landeshauptstadt Dresden
Von: Dresden News
Kein Frontalunterricht, keine Formelsammlung - stattdessen Kamera, Zeichenstift und ein Blick nach oben. Eine Dresdner Schulklasse entdeckte ihre eigene Stadt an einem einzigen Tag völlig neu.

Dresden. Manchmal beginnt Geschichtsunterricht nicht am Pult, sondern mitten auf dem Theaterplatz. Genau dort setzte sich am 24. Juni 2026 die Klasse 6/2 des Gymnasiums Bürgerwiese in Bewegung - ausgerüstet nicht mit Schulbuch und Heft, sondern mit Kamera und Zeichenstift. Ihr Ziel: die eigene Stadt einmal mit anderen Augen sehen.

Auf dem Programm stand der Hänsch-Projekttag, den die Landeshauptstadt Dresden seit 2019 zu Ehren des Architekten Wolfgang Hänsch ausrichtet. Wer teilnehmen darf, entscheidet das Los - in diesem Jahr fiel es auf die Bürgerwiese-Sechstklässler. Von Theaterplatz aus zogen sie durch die Altstadt und nahmen Bauwerke unter die Lupe, an denen sonst mancher achtlos vorbeigeht: den Ergänzungsbau der Semperoper, den Kulturpalast, die Busmannkapelle, schließlich den Neumarkt mit der Frauenkirche. Alt trifft Neu, Rekonstruktion trifft Moderne - die Kinder lernten Epochen zu unterscheiden, indem sie Gegensätze und Gemeinsamkeiten mit eigenen Augen aufspürten.

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Wer war Wolfgang Hänsch - und warum trägt der Projekttag seinen Namen?

Wolfgang Hänsch (1929–2013) zählt zu den prägenden Baumeistern Dresdens im 20. Jahrhundert und gilt als wichtiger Vertreter der Ostmoderne. Der Kulturpalast von 1969 trägt seine Handschrift, ebenso die unter seiner Leitung wiedererrichtete Semperoper. Seine Bauten stehen bis heute im Spannungsfeld zwischen historischer Rekonstruktion und moderner Formensprache - und sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken, wie Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch betont. Mit dem Projekttag wolle man nicht nur an ihn erinnern, sondern Kinder überhaupt erst für Architektur und kulturelles Erbe begeistern.

Genau da sieht Andreas Wohlfarth, Präsident der Architektenkammer Sachsen, eine Lücke: Baukulturelle Bildung tauche in den Lehrplänen praktisch nicht auf. Der Projekttag soll dieses Feld öffnen, Neugier wecken und zum Weiterdenken einladen. Für Klassenlehrerin Silke Petermann ging die Rechnung auf - ihre Schülerinnen und Schüler hätten ihre eigene Stadt noch einmal ganz anders erlebt.

Zum Abschluss wurde es kreativ: Im Stadtmuseum Dresden hielten die Kinder ihre Eindrücke in einem selbst gestalteten Architekturleporello fest - ein persönliches Andenken, das den Tag zusammenfaltet wie ein kleines Stück Stadtgeschichte zum Mitnehmen.

Der Hänsch-Projekttag in Zahlen

  • Seit: 2019, zu Ehren des Architekten Wolfgang Hänsch (1929–2013)
  • Motto: „Moderne sehen und verstehen. Auf den Spuren des Architekten Wolfgang Hänsch"
  • Für wen: Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen weiterführender Schulen
  • Auswahl: eine ausgeloste Klasse pro Durchgang – 2026 die Klasse 6/2 des Gymnasiums Bürgerwiese
  • Termin: 24. Juni 2026
  • Thema: Dresdner Stadtarchitektur, Schwerpunkt Nachkriegsmoderne und Ostmoderne
  • Veranstalter: Landeshauptstadt Dresden, gemeinsam mit dem Stadtmuseum Dresden und der Stiftung Sächsischer Architekten
  • Programm: foto- und zeichnerische Stadttour, gemeinsames Mittagessen, kreativer Workshop, individuell gestaltetes Architekturleporello
  • Kosten: vollständig von der Landeshauptstadt Dresden finanziert
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