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Vampirfilm aus Dresden - finanziert mit dem eigenen Blut

Vier junge Filmschaffende stehen in einer Industriehalle hinter einer Kamera auf einem Stativ. Ganz links hält Julian Wallner eine Filmklappe mit der Aufschrift „Thicker Than Blood“. Neben ihm stehen Theodor Glöer, Eleanor Großhennig und Jacob Wallner.
Filmdreh aus eigener Ader: Julian Wallner, Theodor Glöer, Eleanor Großhennig und Jacob Wallner (v. l.) realisieren den Vampir-Kurzfilm „Thicker Than Blood“. Einen Teil des Budgets finanzieren die Brüder ungewöhnlich - durch Plasma-Spenden. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Zwei Brüder aus Dresden drehen im September einen Vampir-Actionfilm in einer verlassenen Leipziger Lagerhalle. Mit dabei sind Stuntleuten, die unter anderem schon für die „John Wick"-Reihe vor der Kamera standen. Bezahlt wird ein Teil davon mit einer Zutat, die perfekt zum Stoff passt: dem eigenen Blut der Macher.

Dresden. Es ist eine ungewöhnliche Art, einen Film zu bezahlen: Bis zu zweimal in der Woche setzen sich Jacob (23) und Julian Wallner (26) in einen Spendersessel, sehen zu, wie ihr Blutplasma in den Beutel läuft. Die Aufwandsentschädigung stecken sie anschließend direkt in ihr eigenes Projekt. „Vampire, Blut - das lag einfach nahe", sagen die beiden Brüder und lachen. Rund 1.500 bis 2.000 Euro wollen sie allein auf diese Weise zusammentragen. Herzblut, im Wortsinn.

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Blutspende als Filmbudget: die Idee hinter „Thicker Than Blood"

Das Projekt heißt „Thicker Than Blood", ein etwa 15-minütiger Vampir-Actionfilm, den die Dresdner im September in Leipzig drehen wollen. Weil das Ganze ein reines Independent-Projekt ohne Förderung ist, suchten die Brüder nach einem Weg, ihren Film über die Leinwand hinaus mit einem Thema zu verbinden.

Aus Vampiren und Blut wurde eine Kampagne: Seit dem Frühjahr gehen sie regelmäßig Plasma spenden und dokumentieren das öffentlich. Inzwischen, erzählen sie, hätten sich Teile des Casts angeschlossen; mit Blutspendezentren in Leipzig und Dresden stünden Gespräche über gemeinsame Aktionen an. „Für uns zählt fast mehr, Leute zum Spenden zu motivieren, als damit den Film zu finanzieren", sagt Julian Wallner.

Collage von vier Fotos, die Unterarme mit Zugängen bei der Plasmaspende im Krankenhaus zeigen. Überlagerte Textfelder zeigen Spendendaten zwischen Juli und August 2026.
Filmbudget aus eigener Ader: Mit regelmäßigen Plasmaspenden finanzieren die Brüder Jacob und Julian Wallner ihr Vampirfilm-Projekt. Auf Social Media dokumentieren sie die Termine, um zugleich zum Blutspenden aufzurufen. Fotos: Jacob Wallner

Vampire als die Guten: die Geschichte des Kurzfilms

Erzählt wird eine Geschichte, die den Vampirmythos umdreht. Nicht die Blutsauger sind hier die Bösen, sondern die Gejagten. Im Zentrum steht eine junge Vampirin, gespielt von Stuntdarstellerin Samia Hofmann, die alles daransetzt, ihre Tochter zu beschützen, während beide von zwielichtigen Gestalten verfolgt werden. Die zehnjährige Tochter verkörpert die Dresdner Nachwuchsschauspielerin Charlotte Blenz, ein Casting-Tipp der Wallner-Mutter.

„Es geht um die Frage, wie weit eine Mutter geht, um ihr Kind zu schützen - in einer Umgebung, die ihr feindlich gegenübersteht", beschreiben die Macher den Kern. Actiongeladen soll es werden, aber keine Materialschlacht mit explodierenden Autos: Der Fokus liegt auf körperlicher Action, auf Fight-Choreografien, aber auch auf Emotion. Als Inspiration nennen die Brüder unter anderem die „Blade"-Filme aus den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren.

Stuntprofis aus Berlin und ein Dreh in einer Leipziger Lagerhalle

Vor der Kamera stehen keine Laien. Für die Action holten die Produzenten Stuntdarstellerinnen und -darsteller aus Berlin ins Boot, dem Herzen der deutschen Stuntszene. Zum Ensemble zählen nach Angaben der Macher Samia Hofmann, Aristo Luis, Paul Cless und Nova Just - Profis mit namhaften Referenzen.

Hofmann, zugleich die Hauptdarstellerin des Films, war in der Prime-Serie „Der Greif" sowie in einem der jüngeren „Tribute von Panem"-Filme (2026) zu sehen; Nova Just wirkte bereits 2023 in der Reihe mit. Aristo Luis spielte im Netflix-Film „60 Minuten" einen der Hauptbösewichte, mit einer großen Kampfszene gegen Hauptdarsteller Emilio Sakraya, und stand zudem für „John Wick 4" vor der Kamera. Paul Cless war unter anderem im Star-Wars-Fan-Film „Darth Maul: Apprentice" dabei. Eine Gage bekommen sie nicht; sie machen mit, weil in Deutschland kaum Projekte existieren, in denen sich Stuntleute so ausleben können.

Vierteilige Bildcollage von Stuntproben: Hauptdarstellerin Samia Hofmann und Stuntprofis trainieren Nahkampf- und Schwert-Choreografien in einem Trainingsraum mit Holzschwertern.
Körperliche Action statt CGI: Hauptdarstellerin Samia Hofmann und Stuntprofis bei den Proben zur Kampfchoreografie von „Thicker Than Blood“. Der Vampir-Kurzfilm der Dresdner Wallner-Brüder setzt voll auf handgemachte Kampfszenen. Fotos: Jacob Wallner

Gedreht wird fünf Tage lang im Projekt Gleisdreieck im Leipziger Süden, einer riesigen, verlassenen Lagerhalle auf altem Bahngelände. Der Ort bietet viel Freiheit, aber auch Tücken: Die Halle ist enorm hoch, und gerade das macht die Arbeit technisch anspruchsvoll, denn ein Teil der Stunts wird an Drahtseilen gedreht, an denen sich die Darsteller durch die Luft schwingen.

12.000 Euro Budget: Crowdfunding und ein Leipziger Filmverein

Mit Blut allein ist es freilich nicht getan. Rund 12.000 Euro braucht die Crew für Technik, Unterbringung, Transport und Catering. Gesammelt wird das Geld über Crowdfunding und Spenden; als gemeinnütziger Partner stellt der Leipziger Verein Polarisfilm e.V. - vertreten durch Eleanor Großhennig (26) - Spendenquittungen aus und bildet die Institution im Hintergrund. Auch Sachspenden zählen, von geliehener Kameratechnik bis zur spendierten Runde Döner für die Crew. Zum Vergleich: Voll bezahlt, mit Tarifgagen und Lizenzen, käme ein solcher Film nach Schätzung der Produzenten auf rund 250.000 Euro.

Blackfire Medien: der Partner im Rücken

Rückhalt bekommen die Brüder von der Dresdner Blackfire Medien GmbH. Deren Geschäftsführer Theodor Glöer (26) kennt Jacob und Julian seit Jahren - Julian arbeitet selbst in der Firma, Jacob war früher auch dort aktiv. Statt Geld bringt Blackfire vor allem Leistung ein: Technik und Fahrzeuge, dazu Unterstützung bei Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Intern legt das Team den Drehzeitraum bewusst frei, um Doppelbelastungen zu vermeiden, und viele aus der Crew helfen in ihrer Freizeit am Set mit.

Für Glöer ist es auch eine Frage des Talents: Er kenne wenige, die in diesem Bereich so arbeiteten wie die beiden. Das zeige sich nicht nur am Ergebnis, sondern auch am Weg dorthin.

Vom Hobby zum Beruf? Die Wurzeln der Wallner-Brüder

Neulinge sind die Wallners nicht. Seit rund sieben Jahren drehen der 26-jährige Julian (Regie und Buch) und der 23-jährige Jacob (Kamera) gemeinsam Kurzfilme. Noch ist das alles Leidenschaft neben dem Brotberuf - „liebevolle Selbstausbeutung", wie Julian es nennt. Doch die Ambition ist da: Irgendwann, hoffen sie, könnte aus dem Hobby der Haupterwerb werden, mit großen Spielfilmen, die im Kino laufen und vielleicht sogar gefördert werden.

Das Filmische liegt in der Familie: Ihr Vater Heinz Drewniok (1949–2011) war Schauspieler, Regisseur und Dramaturg, arbeitete an Theatern unter anderem in Dresden und wechselte Ende der 1980er-Jahre zum Rundfunk, wo er zuletzt für MDR 1 Radio Sachsen tätig war. Ihr erster Kurzfilm „Karl und Kasimir" basierte auf einem seiner Stücke, überliefert in seinem Buch „Wenn Georgie kommt". Einen Cameo steuerte damals ein prominenter Nachbar bei: Schauspieler Wolfgang Stumph, der die Brüder seit ihrer Kindheit kennt. Später wagten sie sich an einen Mittelalter-Actionfilm mit über 70 Beteiligten, der auf YouTube mehr als 300.000 Aufrufe erreichte. „Wir machen gern Projekte, die man uns nicht zutraut", sagen sie.

Premiere Anfang 2027 - und größere Pläne

Rund 40 bis 45 Menschen arbeiten aktuell an „Thicker Than Blood", die meisten zwischen 20 und 30 - ein ausgewiesenes Nachwuchsprojekt. Nach dem Dreh im September folgt die Postproduktion; fertig sein soll der Film Anfang 2027. Die Premiere ist zunächst für Dresden geplant, danach für Leipzig und Berlin. Auch über Deutschland hinaus hoffen die Brüder auf eine Bühne: Weil ihr Filmkomponist, der Belgier Jérémy Braws, aus dem Nachbarland stammt, liebäugeln sie mit einer Vorführung auf einem belgischen Festival.

Für die Wallners ist der Kurzfilm ohnehin nur eine Etappe. In der Schublade liegen bereits weitere Stoffe, alle mit derselben Handschrift - jenem „emotionalen deutschen Genre", das Action und Gefühl verbindet und in der hiesigen Filmlandschaft selten zu sehen ist. Das Format sei dabei zweitrangig, sagen sie: Ob Kurzfilm, Miniserie oder abendfüllender Spielfilm - Hauptsache, die Geschichte passe zu ihnen. Um sich zu vernetzen, zeigten die beiden zuletzt Präsenz auf der Berlinale und dem Filmfest München. Erste Gespräche habe es zudem mit Produktionsfirmen gegeben, die regelmäßig mit Netflix zusammenarbeiten.

Bei allem Ehrgeiz bleibt für die Brüder ein Grundsatz entscheidend: sich nicht zu verstellen. Erst das Fundament legen, die eigenen Filme machen, der Crew Referenzen und einen Namen verschaffen und dann sehen, wie weit es trägt. Wer die Entstehung verfolgen will, findet die Wallners auf Instagram unter @wallner.bros.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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