Urteile über Leben und Tod: Dresden stellt historische Kriminalakten gratis ins Netz
Dresden. Wer das Denken der Menschen im Dresden des 16. Jahrhunderts verstehen will, findet in den alten Kriminalregistern der Stadt ungefilterte Einblicke: in Rechtsauffassungen, soziale Hierarchien und den Alltag einfacher Bürger. Bislang lagen diese Quellen im Stadtarchiv. Ab sofort stehen sie - wie die gesamte Edition der Dresdner Stadtbücher - kostenlos online.
Was in der Edition steckt
Das Stadtarchiv hat seine Kritische Edition der Dresdner Stadtbücher vollständig digitalisiert und frei zugänglich gemacht. Enthalten sind die Dresdner und Altendresdner Stadtbücher, die historischen Kriminalregister und das Alturteilsbuch - Dokumente, die zwischen 1404 und 1580 entstanden.
Zusammen ergeben sie ein vielschichtiges Bild vom Leben in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt: von der Verfassung des Gemeinwesens über soziale Strukturen bis in den Alltag hinein. Besonders die Kriminalregister belegen, dass Dresden seit dem ausgehenden Mittelalter über die hohe Gerichtsbarkeit verfügte. Die Stadt durfte also selbst über Leben und Tod ihrer Bürger richten.
Ein Projekt über fast zwei Jahrzehnte
Hinter der Online-Stellung steht ein Langzeitprojekt. Begonnen 2006, umfasst die Edition inzwischen neun Bände; der zehnte ist in Arbeit und soll 2027 erscheinen. Damit verfügt Dresden nach Angaben der Stadt über die größte Quellenedition mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Stadtbücher in ganz Deutschland.
Dass die Bücher überhaupt so vollständig erhalten sind, gilt unter Historikern als Glücksfall - nur wenige Städte können eine derart lückenlose Serie vorweisen.
Service: Die digitalisierte Edition ist über das Portal scopeArchiv des Stadtarchivs abrufbar unter archiv.dresden.de/suchinfo.aspx. Die gedruckten Bände sind im Leipziger Universitätsverlag und über das Stadtarchiv erhältlich.