Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

Urteile über Leben und Tod: Dresden stellt historische Kriminalakten gratis ins Netz

Acht dicke, beige Hardcover-Bücher mit farbigen Kopfleisten in Grün, Orange, Blau und Rot sind in zwei Reihen auf schwarzem Hintergrund aufgestellt. Auf den Einbänden sind historische Grafiken und Titel wie „Kriminalregister der Stadt Dresden“ zu sehen.
Geschichte im Netz: Die Bände der „Kritischen Edition der Dresdner Stadtbücher“ stehen ab sofort kostenlos online. Sie bieten tiefe Einblicke in das Leben und historische Kriminalfälle zwischen 1404 und 1580. Foto: Kerstin Guckeland
Von: Dresden News
Wer wissen will, wie in Dresden vor 500 Jahren Recht gesprochen und gestraft wurde, muss künftig nicht mehr ins Archiv. Die komplette Edition der Dresdner Stadtbücher steht ab sofort kostenlos im Netz - Kriminalregister inklusive.

Dresden. Wer das Denken der Menschen im Dresden des 16. Jahrhunderts verstehen will, findet in den alten Kriminalregistern der Stadt ungefilterte Einblicke: in Rechtsauffassungen, soziale Hierarchien und den Alltag einfacher Bürger. Bislang lagen diese Quellen im Stadtarchiv. Ab sofort stehen sie - wie die gesamte Edition der Dresdner Stadtbücher - kostenlos online.

Was in der Edition steckt

Das Stadtarchiv hat seine Kritische Edition der Dresdner Stadtbücher vollständig digitalisiert und frei zugänglich gemacht. Enthalten sind die Dresdner und Altendresdner Stadtbücher, die historischen Kriminalregister und das Alturteilsbuch - Dokumente, die zwischen 1404 und 1580 entstanden.

Zusammen ergeben sie ein vielschichtiges Bild vom Leben in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt: von der Verfassung des Gemeinwesens über soziale Strukturen bis in den Alltag hinein. Besonders die Kriminalregister belegen, dass Dresden seit dem ausgehenden Mittelalter über die hohe Gerichtsbarkeit verfügte. Die Stadt durfte also selbst über Leben und Tod ihrer Bürger richten.

Mehr aus dieser Kategorie

Ein Projekt über fast zwei Jahrzehnte

Hinter der Online-Stellung steht ein Langzeitprojekt. Begonnen 2006, umfasst die Edition inzwischen neun Bände; der zehnte ist in Arbeit und soll 2027 erscheinen. Damit verfügt Dresden nach Angaben der Stadt über die größte Quellenedition mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Stadtbücher in ganz Deutschland.

Dass die Bücher überhaupt so vollständig erhalten sind, gilt unter Historikern als Glücksfall - nur wenige Städte können eine derart lückenlose Serie vorweisen.

Service: Die digitalisierte Edition ist über das Portal scopeArchiv des Stadtarchivs abrufbar unter archiv.dresden.de/suchinfo.aspx. Die gedruckten Bände sind im Leipziger Universitätsverlag und über das Stadtarchiv erhältlich.

Dresden News
Artikel von

Dresden News

Dresden News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.