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Stadtmuseum Dresden lässt Bürger die neue Ausstellung mitschreiben

Eine Hand hält ein Smartphone, auf dem Text in ein Online-Formular eingetippt wird. Die andere Hand hält ein altes Schwarz-Weiß-Foto eines Kindes vor einem Plattenbaugebäude.
Mit der neuen Online-Plattform „YOUR DRESDEN STORY“ lädt das Stadtmuseum Dresden Bürger dazu ein, eigene Erinnerungen und Fotos hochzuladen. Die Beiträge sollen in die Neukonzeption der ständigen Ausstellung einfließen. Foto: Stadtmuseum Dresden/Sophie Arlet
Von: Cornelius de Haas
Ein alter Schlüssel, eine zerbeulte Sprühdose, ein aufgehobenes Konzertticket – manchmal steckt in den unscheinbarsten Dingen die halbe Stadtgeschichte. Genau die will das Stadtmuseum Dresden ab sofort einsammeln, und zwar von den Dresdnerinnen und Dresdnern selbst.

Dresden. Was erzählt ein alter Schlüssel über eine Stadt? Warum hebt jemand ein Konzertticket über Jahre auf? Es sind oft die alltäglichen Dinge, in denen Erinnerungen stecken - und genau darauf zielt das Stadtmuseum Dresden mit seinem neuen digitalen Angebot. Unter dem Titel „YOUR DRESDEN STORY" lädt das Haus die Menschen ein, ihre ganz persönlichen Geschichten aufzuschreiben und zu teilen.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Nutzerinnen und Nutzer laden ein Foto von einem Gegenstand oder einem Ort in der Stadt hoch und erzählen die Geschichte dahinter - aus ihrer eigenen Perspektive auf Dresden. Nach einer kurzen redaktionellen Prüfung geht der Beitrag online und lässt sich teilen. Beiträge können ab sofort eingereicht werden.

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Vom Familienalbum in die ständige Ausstellung

Hinter der Plattform steckt mehr als eine digitale Pinnwand. Das Stadtmuseum versteht Stadtgeschichte damit als gemeinsamen Prozess - vielstimmig statt von oben erzählt. Museumsdirektorin Dr. Christina Ludwig sieht darin einen Baustein für die geplante Neukonzeption der ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte, bei der in den kommenden Jahren besonders die Zeit nach 1990 stärker in den Blick rücken soll. Bislang, so Ludwig, würden Objekte im Museum häufig eher eindimensional vermittelt; die persönlichen Zugänge der Nutzer sollen die Sammlung um Sichtweisen erweitern, die sonst kaum vorkommen. Die Menschen an der Plattform, betont sie, erhielten so die Möglichkeit, „mit ihren individuellen Zugängen, Objekten und Geschichten die zukünftigen Inhalte der ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte aktiv mitzugestalten".

Wer ein Foto aus dem Familienalbum hochlädt oder eine Kindheitserinnerung teilt, gibt allerdings auch etwas von sich preis - freiwillig und öffentlich. Das habe man ernst genommen, betont Linda Karohl-Kistmacher, Digitalmanagerin der Museen der Stadt Dresden: Die Plattform verzichte bewusst auf unnötige Daten und auf einen Registrierungszwang. Wer mitmacht, behalte die Kontrolle über den eigenen Beitrag, es gebe einen transparenten Freigabeprozess, und geändert werde nichts ohne Rücksprache. Auch darauf, dass keine Rechte Dritter verletzt werden, will das Museum achten.

Ein digitaler Dachboden für die ganze Stadt

So entsteht nach und nach eine Art kollektives Gedächtnis Dresdens - gespeist nicht aus Vitrinen und Inventarnummern, sondern aus den Dingen, die die Menschen selbst für aufhebenswert halten. Die zerbeulte Sprühdose aus der Presseeinladung ist dafür das perfekte Sinnbild: ein Alltagsgegenstand, der für sich genommen wenig hermacht, im richtigen Kontext aber ein Stück Stadtgeschichte erzählt.

Mitmachen können alle, die eine Geschichte beizutragen haben - über die Plattform unter yourstory.stadtmuseum-dresden.de. Ob daraus tatsächlich ein lebendiges Archiv der Stadt wird, hängt nun von den Dresdnerinnen und Dresdnern selbst ab. Das Museum hat den Dachboden geöffnet; füllen müssen ihn die Bürger.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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