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Spielen statt Zaun davor: Dresden öffnet diese Schulhöfe dauerhaft für alle

Ein grüner Busch auf einer Rasenfläche im Vordergrund. Im leicht verschwommenen Hintergrund grenzt ein bunter Holzzaun in Blau, Rot, Gelb und Grün einen Spielbereich vor einer weißen Mauer ab.
Mehr Platz zum Spielen: Ab Spätsommer öffnen zwei weitere Dresdner Grundschulen ihre Höfe als Freiflächen für alle Kinder im Viertel. Symbolfoto: pixabay/mac231
Von: Cornelius de Haas
In dicht bebauten Vierteln wie der Johannstadt fehlt Kindern oft schlicht der Platz zum Toben. Ab Ende August sollen zwei weitere Grundschulen ihre Höfe nachmittags und am Wochenende freigeben - ein Konzept, das andernorts bereits funktioniert. Doch der Weg dorthin war zäh.

Dresden. Ein leerer Schulhof am Wochenende, eingezäunt und verschlossen, während nebenan Kinder keinen Platz zum Spielen finden - dieses Bild soll in zwei weiteren Dresdner Vierteln bald der Vergangenheit angehören. Wie aus der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Stadtratsfraktion hervorgeht, öffnen die 102. Grundschule in der Johannstadt und die 117. Grundschule in der Südvorstadt Ende August beziehungsweise Anfang September ihre Höfe für die Allgemeinheit. Freigegeben werden zunächst Teilflächen.

Damit wächst ein Pilotprojekt, das die Stadt 2024 mit drei Schulen gestartet hat. Vorreiter ist das Gymnasium Plauen, das seinen Hof bereits seit September 2025 geöffnet hat - mit nach Angaben der Verwaltung bislang guten Erfahrungen.

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Für Katharina Ringler, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, ist die Ausweitung überfällig. Gerade in dicht bebauten Stadtteilen wie der Johannstadt und der Südvorstadt gebe es viel zu wenig Freiflächen für Kinder. Ihr Argument: Die Stadt gebe ohnehin viel Geld für Schulhöfe aus - also sollten diese möglichst vielen Kindern möglichst lange offenstehen.

Die geöffneten Höfe sollen mehr sein als reine Spielflächen. Sie bieten die Chance, Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit an einem Ort stattfinden zu lassen, den die Kinder bereits kennen - und damit den Schulhof enger mit dem Stadtteil zu vernetzen.

Beim Gymnasium Plauen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Das begrünte Schulgelände ist von der Stadt als sogenannter „kühler Ort" ausgewiesen und bietet damit in heißen Sommermonaten einen Rückzugsraum vor der Hitze - ein Baustein des städtischen Hitzeaktionsplans. Finanziert wurde der Plauener Pilotstandort unter anderem über das EU-Projekt Time2Adapt und den Stadtbezirksbeirat Plauen.

Elf Jahre, zwei gescheiterte Anläufe: Die zähe Vorgeschichte

Dass die Öffnung der Schulhöfe so lange auf sich warten ließ, hat eine lange Geschichte. Schon 2015 beschloss der Stadtrat auf Antrag der CDU, schulische Sportanlagen für die freie Nutzung zu öffnen. Doch zwei Musterprojekte wurden wieder eingestellt - zu groß war die Sorge vor Vandalismus und einer „Übernutzung" der Flächen. Über Jahre blieb es bei Absichtserklärungen.

Der entscheidende Neustart kam 2023: Der Jugendhilfeausschuss setzte eigens eine Koordinierungsstelle im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters durch und stellte dafür 50.000 Euro bereit. Ihre Aufgabe ist es, die offenen Fragen mit den Schulen systematisch zu klären. Auch praktische Lösungen für die alten Bedenken lagen damals schon auf dem Tisch - vom zeitgesteuerten Zahlenschloss an den Toren über einen festen Öffnungs- und Schließdienst bis hin zu Anreizen wie zusätzlichen Hausmeisterstunden oder neuen Sportgeräten. Aus diesem Neustart ging die heutige Pilotphase hervor.

Was die Öffnung kostet - und warum sie künftig günstiger wird

Aus der Verwaltungsantwort gehen erstmals konkrete Zahlen hervor: Bis zum Projektende rechnet die Stadt bei der 102. und 117. Grundschule mit je rund 38.000 Euro, beim Gymnasium Plauen mit etwa 53.000 Euro. Dass das Erstprojekt teurer ausfällt, liegt am höheren Planungsanteil. Die laufenden Betriebskosten - für Reinigung, Müllentsorgung, kleinere Reparaturen und Sicherheitsdienste - liegen pro Standort bei rund 20.000 bis 22.000 Euro im Jahr.

Nach der Pilotphase dürften die Kosten sinken, da aufwendige Planungs- und Umbauarbeiten dann entfallen. Eine dauerhafte Öffnung setzt allerdings feste Haushaltsmittel voraus - und nach Einschätzung der Verwaltung auch die Beteiligung der Stadtbezirke, die vom Mehrwert für ihre Stadtteile profitieren.

Kritik an der Freiwilligkeit: „Schulhöfe gehören nicht exklusiv den Schulen"

Bei aller Zustimmung gibt es auch deutliche Kritik am Tempo. Tina Siebeneicher, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, verweist darauf, dass es trotz Stadtratsbeschlüssen seit über zehn Jahren bei Appellen und Freiwilligkeit bleibe. Einige wenige Schulen gingen voran, viele verweigerten sich dem Thema weiterhin. Ihre Forderung: Die Stadt müsse gemeinsam mit den Schulen endlich ein verbindliches Konzept entwickeln.

Immerhin: Acht weitere Schulen - darunter mehrere Grund- und Oberschulen sowie zwei Förderzentren - haben bereits Offenheit signalisiert, ihre Flächen ebenfalls freizugeben. Das städtische Amt für Schulen will nach eigenen Angaben weiter daran arbeiten, Ressourcen für zusätzliche Öffnungen zu gewinnen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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