Dresden glüht auf neuer Hitzekarte: Hier wird es im Sommer gefährlich heiß
Dresden. Wenn das Thermometer über die 30-Grad-Marke klettert, rücken in Dresden die Rettungswagen häufiger aus – rund 50 Einsätze mehr pro Tag registriert das Gesundheitsamt dann. Was lange als gelegentliche Sommerlaune galt, ist längst Normalität: Zählte die Stadt zwischen 1991 und 2020 im Schnitt knapp zehn Heiße Tage pro Jahr, sind es in den vergangenen zehn Jahren bereits 15 gewesen. Die Landeshauptstadt reagiert nun mit einem Hitzeaktionsplan, neuen digitalen Hitzekarten und einer Mitmachaktion für „Kühle Orte", wie die Stadtverwaltung am Hitzeaktionstag, Donnerstag, dem 11. Juni 2026, mitteilte.
Hitzeaktionsplan Dresden: Rund 30 Maßnahmen in acht Handlungsfeldern
Der vom Amt für Gesundheit und Prävention erarbeitete Plan bündelt rund 30 Maßnahmen – von Hitzewarnungen im öffentlichen Raum über einen Sommernothilfeplan für wohnungslose Menschen und Unterstützungsangebote für Schulen und Kitas bis zu einem Hitzeschutzkonzept für das Städtische Klinikum und dem Ausbau kostenloser Trinkwasserangebote. Amtsleiterin Kristina Böhm erklärte, die zunehmende Sommerhitze wirke sich schon heute auf die Gesundheit der Dresdner Bevölkerung aus, umso wichtiger sei ein gemeinsames Handeln im Gesundheitsschutz. Der Stadtrat soll am 24. September 2026 über den Plan entscheiden.
Der Handlungsbedarf ist belegt: Besonders gefährdet sind die rund 125.500 Dresdnerinnen und Dresdner über 65 Jahre, Menschen mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen, Schwangere, Säuglinge sowie die etwa 1.600 wohnungs- und obdachlosen Menschen in der Stadt. Laut Kommunaler Bürgerumfrage fühlt sich bereits jede und jeder fünfte Befragte durch Hitze stark oder sehr stark beeinträchtigt - Tendenz steigend.
Sommernothilfe: Das Hitze-Pendant zur Kältehilfe
Was im Winter die Kältehilfe ist, soll im Sommer der Sommernothilfeplan für wohnungslose Menschen werden – ein zentraler Baustein des Hitzeaktionsplans. Denn für die rund 1.600 wohnungs- und obdachlosen Dresdnerinnen und Dresdner kehrt sich die Gefahrenlage an heißen Tagen lediglich um: Statt Erfrierung drohen Dehydrierung und Hitzschlag, weshalb das Sozialamt bereits in vergangenen Hitzeperioden temperierte Unterkünfte mit Dusche, Waschmöglichkeit und Aufenthaltsräumen bereitgestellt hat - kostenlosen Tee inklusive.
Im Winter ist die Heilsarmee zudem mit einer Kältestreife unterwegs, die Getränke, Suppe und Schlafsäcke verteilt - der Sommernothilfeplan soll vergleichbare Strukturen nun systematisch für Hitzewellen verankern. Anlaufstellen wie das Übergangswohnheim in der Hechtstraße 10 oder der Tagestreff „Schorsch" auf der Mohnstraße bieten Duschen, Wäsche und Kleiderkammer. Das Sozialamt appelliert zugleich an die Aufmerksamkeit aller: Wer eine reglose oder orientierungslose Person in der Sonne entdeckt, sollte umgehend den Notruf 112 wählen.
Neue Hitzekarten: Wo Dresden glüht und wo es kühl bleibt
Parallel haben Gesundheits- und Umweltamt neue Karten im Themenstadtplan veröffentlicht. Herzstück ist eine Karte zur gefühlten Temperatur an einem Heißen Tag, in die neben der Lufttemperatur auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung einfließen. Die Modellierungen zeigen: Stark versiegelte, schattenarme Plätze wie Altmarkt und Neumarkt heizen sich besonders auf, während schattige Bereiche im Großen Garten selbst bei großer Hitze angenehm bleiben. Weitere Karten stellen dar, wie sich die Stadt am Abend um 23 Uhr und am frühen Morgen um 5 Uhr abkühlt. Umweltamtsleiter René Herold betonte, der Wärmeinseleffekt in den Städten werde sich mit den steigenden Temperaturen weiter verschärfen.
Blick nach Leipzig: Dort gilt der Hitzeaktionsplan schon seit einem Jahr
Dresden ist mit dem Vorhaben nicht allein - und nicht die erste sächsische Großstadt. In Leipzig beschloss der Stadtrat bereits am 16. April 2025 einen Hitzeaktionsplan, nachdem das Gremium ihn 2023 eingefordert hatte. Teil des Leipziger Pakets ist unter anderem eine App, die die Bevölkerung bei Hitzegefahr warnt. Auf der „Erfrischungskarte" informiert die Stadt über kühle Orte und nahegelegene Trinkbrunnen, dazu gibt es Tipps etwa für Eltern mit Babys, Seniorinnen und Senioren sowie Freizeitsportler. Verteilt wurden zudem 10.000 Hitzeflyer an 70 Einrichtungen; der Beschluss verpflichtet die Stadt, den Plan regelmäßig fortzuschreiben. Aktuell wirbt Leipzig mit der Kampagne „Hitzestress? Leipzig bleibt cool!" für das Thema. Dresden kann damit auf Erfahrungen aus der Nachbarstadt zurückgreifen, geht mit dem Sommernothilfeplan und dem Klinik-Hitzeschutzkonzept aber teils eigene Wege.
Stadtrat entscheidet am 24. September über den Hitzeaktionsplan
Beschlossene Sache ist der Dresdner Hitzeaktionsplan allerdings noch nicht. Das Papier wird zunächst in den politischen Gremien beraten und soll am Donnerstag, dem 24. September 2026, dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Erst mit diesem Votum erhalten die rund 30 Maßnahmen ihre verbindliche Grundlage - inklusive der Frage, wie sie im Haushalt abgesichert werden. Bis dahin laufen Teile des Hitzeschutzes bereits auf Basis bestehender Strukturen, etwa über das Hitzeportal und das 2024 veröffentlichte Hitze-Handbuch für Einrichtungen.
Kühle Orte melden: Dresdner können bis 2. Juli mitmachen
Bis zum 2. Juli 2026 ruft die Stadt dazu auf, Orte zu melden, die an heißen Tagen Abkühlung bieten – schattige Parks, Friedhöfe, Kirchen, Museen oder klimatisierte Bibliotheken. Vorschläge können unter www.dresden.de/kuehle-orte eingetragen und bewertet werden, analog auch über Stadtteilkarten in den Bibliotheken Gorbitz, Prohlis und Plauen, in der Zentralbibliothek, im Kulturrathaus und im Theaterhaus „Rudi". Aus den Beiträgen entsteht eine öffentliche Kühle-Orte-Karte. Fachlich begleitet wird die Aktion von der Agentur GreenAdapt, finanziert über das europäische Projekt Time2Adapt.
„Pauli und die Affenhitze": Hitzeschutz für die Kleinsten
Auch die jüngsten Dresdnerinnen und Dresdner sollen lernen, mit Hitze umzugehen. Dafür ist das Kinderheft „Pauli und die Affenhitze" mit Illustrationen von Anemone Kloos erschienen, finanziert von der Landesvertretung der DAK-Gesundheit.

In einer Auflage von 30.000 Exemplaren erklärt es kindgerecht, warum ausreichend Trinken wichtig ist, weshalb man sich besser im Schatten bewegt, welche Kleidung an heißen Tagen hilft und woran Kinder Warnsignale ihres Körpers erkennen. Verteilt wird das Heft im Rahmen von Hitzeprojekten in Grundschulen und Kitas; online steht es unter www.dresden.de/hitze bereit.
Service: Alle Karten, Verhaltenstipps und Angebote bündelt die Stadt unter www.dresden.de/hitzeportal.
Bleiben Sie cool - und denken Sie an die Wasserflasche!