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Schlaue Wärme für Dresden: So funktioniert das neue Heizungsnetz in der Friedrichstadt

Schlaue Wärme für Dresden: So funktioniert das neue Heizungsnetz in der Friedrichstadt
Gusseisen und Algorithmen: Dresdner Altbauten in der Friedrichstadt werden künftig klimafreundlich mit Fernwärme aus Umweltenergie beheizt – gesteuert von einer intelligenten digitalen Netzsteuerung. Symbolbild: pixabay/Tama66
Von: Cornelius de Haas

Dresden und SachsenEnergie haben in der Friedrichstadt ein neuartiges Fernwärmenetz in Betrieb genommen – digital gesteuert, umweltfreundlich und zukunftsweisend. Was steckt dahinter?

Was ist überhaupt passiert?

Seit November 2025 wird ein Wohngebiet rund um die Behringstraße in Dresden-Friedrichstadt auf eine neue Art mit Wärme versorgt. Statt wie bisher fossile Brennstoffe zu verbrennen, zapft eine sogenannte Großwärmepumpe die Wärme aus der Umgebung – ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt – und leitet sie ins Fernwärmenetz ein.

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Was ist eine Großwärmepumpe – und warum ist das clever?

Eine Wärmepumpe entnimmt der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser Energie und wandelt sie in nutzbare Heizwärme um. Das klingt unspektakulär, ist aber bemerkenswert effizient: Für jede eingesetzte Kilowattstunde Strom liefert sie ein Vielfaches an Wärme zurück.

Die neue Anlage in der Friedrichstadt soll jedes Jahr rund 2.100 Megawattstunden erneuerbare Wärme ins Netz einspeisen – und dabei etwa 273 Tonnen CO₂ einsparen. Zum Vergleich: Ein Mittelklassewagen stößt pro Jahr etwa 2 Tonnen CO₂ aus. Die Anlage erspart der Atmosphäre also den Ausstoß von rund 135 Autos.

Und was hat Digitalisierung damit zu tun?

Hier liegt die eigentliche Besonderheit des Projekts. Das Netz wird nicht einfach „angeschaltet und vergessen", sondern ständig mit Daten gefüttert: Sensoren erfassen, wo wie viel Wärme gerade gebraucht wird. Ein digitales Abbild des gesamten Leitungsnetzes entsteht – eine Art Navigationssystem für Wärme.

Das hat konkrete Vorteile:

  • Die Wärme wird nur dann und dort erzeugt, wo sie wirklich gebraucht wird
  • Die Temperaturen im Netz können gezielt gesenkt werden – das spart Energie
  • Ein zusätzlicher Wärmespeicher puffert Überschüsse, sodass Erzeugung und Verbrauch nicht mehr im Gleichschritt laufen müssen

Warum ist das mehr als ein lokales Projekt?

Das Vorhaben ist Teil des Bundesprogramms „Modellprojekte Smart Cities" – und der Name ist Programm: Was in der Friedrichstadt funktioniert, soll auf andere Stadtteile, andere Städte, andere Netze übertragbar sein. Dresden erprobt hier also stellvertretend ein Modell, das bundesweit Schule machen könnte.

Finanziert wird das Projekt mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Was bedeutet das für Dresdnerinnen und Dresdner?

Kurzfristig: Die Bewohner der Behringstraße merken im Alltag vermutlich wenig – die Wärme kommt weiterhin zuverlässig aus der Leitung. Mittelfristig aber zeigt das Projekt, wie das Dresdner Fernwärmenetz Schritt für Schritt grüner werden kann – ohne große Umbrüche, sondern durch kluge, dezentrale Ergänzungen.

Denn die Herausforderung der Wärmewende ist gewaltig: Rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf Heizung und Warmwasser. Wer das Klima schützen will, kommt an der Wärme nicht vorbei.

Das Projekt ging im November 2025 in Betrieb. Die digitale Netzabbildung wurde Ende 2025 abgeschlossen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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