Scheune in der Neustadt öffnet nach vier Jahren wieder
Dresden. In der Scheune wird an diesem Mittwoch noch überall Hand angelegt. In den Sälen justiert die Technik den Ton, im Eingang schrauben Handwerker, und an den Tresen im Erd- und Obergeschoss wird schon für die Feier eingeräumt. Im Scheune-Café bespricht Betreiber Rajiwinder Goraya mit seinem Team den Ablauf. In wenigen Tagen, mit einem Festival von Freitag bis Sonntag, öffnet das Stadtteil- und Kulturzentrum an der Alaunstraße wieder.
Wer das Haus betritt, merkt schnell: Außen ist die Scheune komplett neu, drinnen aber ist das Flair von früher noch da, erstaunlich gut konserviert über die vier Baujahre - aber eben noch nicht ganz fertig. „Das ist die Interimslösung eines Zimmereibetriebes", sagt Dorit Donner von der Stadtverwaltung und deutet auf die Eingangstreppe. Die Stufen sind vorerst aus Holz. Die endgültige Steintreppe steckt noch in der Produktion und soll in einer Konzertpause im Oktober folgen.
„Sanierung" trifft es nicht ganz
Vier Jahre hat der Umbau gedauert, in dieser Zeit musste der Trägerverein mit Ausweichlösungen arbeiten. Von einer reinen Sanierung mag Projektleiter Jens Lerch von der Stadtverwaltung trotzdem nicht sprechen. Nur 40 Prozent der alten Bausubstanz seien erhalten geblieben, 60 Prozent seien Neubau. „Wir wollten mehr vom Altbau erhalten, haben uns beim Bau in manchen Bereichen aber fragen müssen, wie das noch gehalten hat", sagte Lerch.
Für Oberbürgermeister Dirk Hilbert ist das Ergebnis mehr als eine Renovierung: „Nach vier Jahren Sanierung steht hier nicht einfach wieder das alte Haus."

Das Haus ist zudem gewachsen, um drei Meter in der Länge und neun in der Breite. Rechnet man alle Säle zusammen, passen nun 850 Besucher hinein. Allein im großen Saal sind es 540 statt bisher 450. Dafür entfernten die Planer eine tragende Wand und befestigten die Decke am Dachtragwerk. Dazu kamen zwei Apartments, in denen auftretende Bands nächtigen können.
Aus 7,4 wurden rund zehn Millionen Euro
Geplant waren ursprünglich 7,4 Millionen Euro. Weil die Bausubstanz schlechter war als gedacht, musste unter anderem eine Saalwand weichen, die eigentlich bleiben sollte. Am Ende kostete das Gebäude gut neun Millionen Euro, dazu kommt rund eine Million für die Außenanlagen. Rund zehn Millionen Euro flossen damit in das Projekt, wie die Stadt als Eigentümerin mitteilte. Begonnen hatten die Arbeiten im Oktober 2022.

Auch der Vorplatz bleibt vorerst geschottert. Weil er vor einigen Jahren aus einem Städtebauförderprojekt hergerichtet wurde und die Bauzeit in dessen Zweckbindungsfrist fällt, musste er wieder in den geförderten Zustand versetzt werden. Nur einzelne Flächen wurden für barrierefreie Sitzplätze gepflastert. Erst in zwei bis drei Jahren, wenn die Frist ausläuft, ließe sich über die Kiesflächen neu nachdenken, gerade mit Blick auf Hitze und Baumstandorte.
Konzerte, Kinderdisco und eine lange Tafel
Los geht es am Freitag, dem 18. September, um 19 Uhr mit einem Programm auf dem Vorplatz. Nach dem Eröffnungsakt mit Baubürgermeister Stephan Kühn und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch spielt im großen Saal die Dresdner Band ÄTNA, Kunstförderpreisträger 2026. Der Freitag ist bereits ausverkauft.

Am Samstag ist die Scheune ab 15 Uhr bei freiem Eintritt für alle offen, mit Konzerten, Poetry Slam und offenen Bühnen. Der Sonntag bringt ein neues Format: An langen Tafeln kommen Gäste zum gemeinsamen Essen zusammen, ein Menü kostet 14 Euro. Danach steigt die Glitzerkids-Kinderdisco. Auch das Scheune-Café ist wieder da, jetzt mit vegetarischer, indisch angehauchter Küche unter dem neuen Pächter Rajiwinder Goraya. Wer den Freitag verpasst hat, kommt an den beiden Folgetagen also noch zum Zug.
SPD: Andere Clubs nicht vergessen
Begleitet wird die Wiedereröffnung von einer Mahnung aus der SPD. Über die Rückkehr der Scheune freuten sich die Neustädter Landtagsabgeordnete Sophie Koch, die Dresdner SPD-Co-Vorsitzende und Stadträtin Julia Hartl, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Elli Martius sowie der Stadtbezirksbeirat Christian Demuth. Zugleich verwiesen sie darauf, dass viele Clubs, Konzertorte und Veranstalter unter wirtschaftlichem Druck stünden. Gestiegene Kosten für Energie, Miete, Personal und Gagen träfen auf ein verändertes Ausgehverhalten und fehlende Rücklagen.
„Clubs und Konzert-Locations sind Kulturorte, soziale Räume und wichtige Bühnen für junge Künstlerinnen und Künstler", erklärte Koch. Gerade ein junger Stadtteil wie die Neustadt brauche solche Freiräume. Demuth mahnte, die Scheune dürfe nicht den Blick auf die kleineren Häuser verstellen: „Die Neustadt lebt nicht von einem Kulturort allein." Nötig seien nicht nur Geld, sondern auch tragfähige Regeln bei Lärmschutz und Flächennutzung sowie ein dauerhafter Dialog zwischen Clubszene, Verwaltung, Politik und Nachbarschaft.