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Schatzsuche im Plenarsaal: Dresdens Fundstücke unter dem Hammer

Ein brauner Auktionshammer aus Holz liegt neben mehreren gefächerten Euro-Geldscheinen (50er, 100er und 500er) auf einem hölzernen Tisch.
Zum Ersten, zum Zweiten und... verkauft! Am 2. Juni verwandelt sich der Plenarsaal des Neuen Rathauses in ein Auktionshaus. Ob Taschenuhr, Schmuck oder Kuriosem aus der Wundertüte – viele Fundstücke wechseln gegen Bargeld oder Karte den Besitzer. Symbolfoto: freepik
Von: Dresden News
Eine Taschenuhr ab fünf Euro, dazu Schmuck, Münzen und eine geheimnisvolle Wundertüte: Am 2. Juni versteigert Dresden im Plenarsaal seine Fundsachen. 2025 fand dabei jedes einzelne Stück einen Käufer - und vielleicht steht ja auch Ihr verlorener Schirm schon bereit.

Dresden. Eine Taschenuhr, ein Blutdruckmessgerät, die Manschettenknöpfe eines Unbekannten - und eine Wundertüte, deren Inhalt selbst die Stadt nicht verrät. Was klingt wie der Dachboden eines exzentrischen Erblassers, ist in Wahrheit die Resterampe einer ganzen Stadt: Dinge, die Dresdnerinnen und Dresdner verloren und nie wieder abgeholt haben.

Am Dienstag, dem 2. Juni, kommen sie unter den Hammer. Schauplatz ist ausgerechnet der Plenarsaal des Neuen Rathauses, wo sonst über Bebauungspläne, Haushaltslöcher und Straßennamen gestritten wird. An diesem Abend aber sitzt dort kein Stadtrat am Mikrofon, sondern ein Auktionator. Zum Ersten, zum Zweiten - verkauft. Und die besagte Taschenuhr? Die gehört ab fünf Euro dem, der die Hand am schnellsten hebt.

Von 17 bis 20 Uhr kommen an diesem Dienstag Fundgegenstände und Nachlasssachen unter den Hammer - neben den genannten Stücken auch Schmuck, Gläser und Münzen. Die Taschenuhr ist eine Pfandsache mit einem Startgebot von fünf Euro und kann ausschließlich bar bezahlt werden. Für alles andere gilt: Karte geht auch. Besichtigung ist ab 16 Uhr, die vollständige Liste steht im elektronischen Amtsblatt. Wer noch Ansprüche auf einen der Gegenstände hat, muss sich bis Montag, 1. Juni, beim Fundbüro melden - danach gehört das Stück dem Meistbietenden.

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So weit die Einladung. Spannender wird es, wenn man die Stadt fragt, was bei dieser quartalsweisen Übung am Ende eigentlich herauskommt. Die Antworten zeichnen das Bild eines erstaunlich gut geölten kleinen Auktionsbetriebs - mit ein paar Zahlen, die zum Schmunzeln einladen.

Ein gutes Jahr für herrenlose Dinge

2025 hat das Fundbüro an vier Terminen versteigert und dabei insgesamt 15.686,50 Euro eingenommen. Die einzelnen Abende fielen dabei sehr unterschiedlich aus:


Der April war mit Abstand der stärkste Abend - mehr als doppelt so ertragreich wie der Mai-Termin sieben Wochen später. Wer die Auktionen also als Spiegel der Dresdner Sammelleidenschaft lesen will: Im Frühjahr greift man offenbar beherzter zu als kurz vor der Sommerpause.

280 Gegenstände, null Ladenhüter

Die vielleicht bemerkenswerteste Auskunft betrifft nicht das Geld, sondern die Quote. 280 Gegenstände kamen 2025 zur Versteigerung - und sie wurden, so die Stadt trocken, "ausnahmslos verkauft". Kein einziges Stück blieb liegen. Eine Verkaufsquote von 100 Prozent, von der mancher Online-Marktplatz nur träumen kann.

Rechnet man die Summe auf die Stückzahl herunter, ergibt sich ein Schnitt von gut 56 Euro pro Gegenstand. Das klingt nach wenig, ist aber genau der Punkt: Eine Fundsachenversteigerung ist kein Auktionshaus für Gemälde, sondern eine sympathische Resteverwertung, bei der eine Taschenuhr für einen Fünfer den Besitzer wechselt und am Ende trotzdem fünfstellige Beträge zusammenkommen.

Was passiert eigentlich, wenn doch einmal etwas niemanden findet? Auch dafür gibt es eine Antwort, wenngleich eine bislang rein theoretische. Sollte ein Gegenstand sitzenbleiben, werde im Einzelfall entschieden, ob er beim nächsten Termin erneut angeboten, gespendet oder vernichtet wird. 2025 musste diese Regel kein einziges Mal angewendet werden.

Die eigentliche Pointe: 2,4 Prozent

Und hier wird es interessant. Pro Jahr gehen beim Dresdner Fundbüro rund 12.000 Fundgegenstände ein. Zwölftausend Schirme, Schlüsselbunde, Handys, Brillen, Taschen, Jacken - die kleine, alltägliche Bilanz einer ganzen Stadt, die ständig etwas verliert. Von diesen 12.000 Stücken schaffte es 2025 nur ein verschwindend kleiner Teil unter den Hammer: 2,4 Prozent.

Mit anderen Worten: 97,6 Prozent aller Funde tauchen im Plenarsaal nie auf. Die meisten werden schlicht von ihren Besitzern wieder abgeholt – wer sein Portemonnaie vermisst, fragt eben nach. Was nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten übrig bleibt, durchläuft einen Filter: Nur gut erhaltene, verwertbare Stücke kommen überhaupt in die Auktion. Der Rest geht an gemeinnützige Organisationen oder, wenn auch das nicht mehr lohnt, in den Müll. Was am 2. Juni im Rathaus steht, hat diese Auslese also bereits hinter sich. Es ist sozusagen die Bestenliste des Liegengebliebenen.

Vielleicht steht Ihr Schirm schon bereit

Auch verlorene Gegenstände aus den Fahrzeugen der Dresdner Verkehrsbetriebe landen am Ende hier. Wer also zuletzt etwas in der Straßenbahn vergessen hat und sich seither fragt, wo es geblieben ist, sollte am Dienstag vielleicht einen Blick in den Plenarsaal werfen - im ungünstigsten Fall ersteigert man dort sein eigenes Eigentum zurück.

Wer den Termin verpasst, muss übrigens nicht bis zum nächsten Quartal warten: Einzelne Fundstücke versteigert das Fundbüro auch über eine Online-Plattform, ohne festen Rhythmus und ohne Publikum.

Bleibt die Frage, was an diesem Abend wohl der heimliche Star wird - die Taschenuhr für fünf Euro, die Manschettenknöpfe des Unbekannten oder doch die Wundertüte, deren Inhalt niemand kennt. Sicher ist nur: Wenn die Bilanz von 2025 etwas Aussagekräftiges hat, dann diese eine Zahl. Sie alle werden am Ende verkauft.

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Versteigerung am Dienstag, 2. Juni, 17 bis 20 Uhr im Plenarsaal des Neuen Rathauses. Besichtigung ab 16 Uhr. Eingang: Goldene Pforte, Rathausplatz 1. Ansprüche bis Montag, 1. Juni, beim Fundbüro im Stadtforum Dresden, Waisenhausstraße 14.

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