Kommentar: Dresden lässt Familien am Gomondai-Platz auf dem Trockenen sitzen
Was ein Brunnen an einem heißen Tag wert ist, sieht man am Jorge-Gomondai-Platz sonst von allein: Kinder, die kreischend durch die 25 Fontänen jagen, Füße, die im Wasser baumeln, irgendwo ein Hund, der aus der Pfütze schlappt. Nur ist der Platz seit dem Abend des 24. Juli trocken. Ein Gastronom nebenan, der jeden Tag darauf schaut, sagt: seither kein Tropfen. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Hitze schon am Vormittag lästig wird.
Fragt man im Rathaus nach, ist alles in bester Ordnung. Kein Defekt, heißt es, die Anlage laufe eben zu festen Zeiten - nachmittags von 15 bis 17 Uhr, abends von 20 bis 22. Doch beim Test am 4. August gegen halb fünf war die Anlage trocken - offenbar hat vor der Antwort niemand nachgesehen. Erst auf eine erneute Nachfrage ließ das Fachamt den Brunnen noch einmal kontrollieren - und fand prompt einen technischen Defekt, der inzwischen behoben sein soll.
Genau das ist der eigentliche Ärger: Die erste Auskunft beschrieb einen planmäßigen Betrieb, den es auf dem Platz seit über einer Woche nicht gab. Bemerkt hat den Ausfall niemand im Rathaus. Für eine Stadt, die bei jeder Hitzewelle auf ihre kühlen Orte verweist, ist das keine Kleinigkeit. Man sollte wenigstens wissen, ob diese Orte laufen.
Erst danach kommt die Frage der Betriebszeiten - und auch die überzeugt nicht. Dass gespart werden muss, bestreitet niemand, die Haushaltssperre ist real. Aber wenn nur ein paar Stunden bleiben, sollten sie passsen. Die Abendschicht von 20 bis 22 Uhr trifft die Hitze nicht mehr so - und die Familien sitzen beim Abendbrot. Was bleibt, ist die beleuchtete Kulisse für Vorübergehende - schön, aber kein Hitzeschutz. Dabei läge die Lösung auf der Hand und dürfte keinen Cent mehr kosten: die zweite Schicht direkt an die erste hängen, von 15 bis 19 Uhr durchziehen, wenn die Sonne drückt und der Platz voll ist. Vorausgesetzt, er läuft dann überhaupt.
Die Nebeldusche ein paar Schritte weiter nimmt einem die Sorge nicht ab. Als Versuch ganz nett, aber sie befeuchtet kaum mehr als die Fläche eines kleinen Bades und ersetzt keinen Platz, über den Kinder rennen. Und nein, so ein Wasserspiel ist keine Badeanstalt - das muss es auch nicht sein. Zwischen offiziellem Badebetrieb und einem staubtrockenen Platz liegt reichlich Raum, den man den Leuten getrost selbst überlassen darf. Ob ein Kind durch die Strahlen springt und mit nassen Socken heimläuft, haben Eltern immer schon allein entschieden.
Am Ende hat sich die Sache fast von selbst erledigt: Nachdem erneut nachgehakt wurde, ist der Schaden gefunden und repariert. Nur hätte es diese Nachfrage nicht gebraucht, wäre irgendwann jemand einfach hingegangen und hätte geschaut, ob Wasser kommt. Dass ein beliebter Brunnen über eine Woche unbemerkt trockenliegt und die Stadt bis zur zweiten Anfrage von planmäßigem Betrieb ausgeht, ist kein Geldproblem. Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit - und die gibt es umsonst.