Dresden: Rätsel um das Wasserspiel am Jorge-Gomondai-Platz
Dresden. Am Jorge-Gomondai-Platz, dort wo die Hauptstraße in den Albertplatz übergeht, schießen normalerweise 25 Wasserstrahlen aus dem Boden - tagsüber ein Ziel für spielende Kinder, nach Einbruch der Dunkelheit farbig beleuchtet. Seit dem Abend des 24. Juli bleibt der Boden trocken. Darauf weist ein direkt benachbarter Gastronom hin, der den Platz täglich im Blick hat. Der Ausfall fällt in eine Woche mit hochsommerlichen Temperaturen.
Die Stadt erklärt: kein Defekt, sondern verkürzte Laufzeiten
Auf Anfrage teilt die Stadtverwaltung mit, die Anlage sei nicht defekt. Die Laufzeiten seien - wie bei allen größeren Brunnen - angepasst worden. Für die Hauptstraße gelte die Kategorie „mit Beleuchtung“ mit Betrieb täglich von 15 bis 17 Uhr und von 20 bis 22 Uhr. Auch eine intensive Nutzung durch spielende Kinder spiele keine Rolle: Da das Wasserspiel grundsätzlich begehbar sei, habe der Aufenthalt zwischen den Düsen keinen Einfluss auf den Betrieb.
Ein offener Widerspruch
Doch die Auskunft deckt sich nicht mit den Beobachtungen vor Ort. Denn nach Darstellung des Anliegers steht die Anlage seit dem 24. Juli durchgehend still - demnach auch in den beiden genannten Zeitfenstern am Nachmittag und am Abend. Warum der Brunnen auch zu den offiziellen Laufzeiten offenabr trocken bleibt, ist bislang nicht geklärt. Eine ergänzende Anfrage führte zu einer nochmaligen Kontrolle des Brunnens, bei dem tatsächlich ein technischer Defekt festgestellt wurde. Dieser sei nun behoben und der Brunnen sollte wieder regulär laufen.
Der Hintergrund: Haushaltssperre und Sparzwang
Die verkürzten Laufzeiten sind Folge der angespannten Haushaltslage. Wegen der städtischen Haushaltssperre wurde der Betrieb der großen Springbrunnen reduziert; eine komplette Brunnensaison veranschlagt die Stadt mit einer Summe zwischen 390.000 und 700.000 Euro. Die Neustädter Brunnen waren bereits im Frühjahr Gegenstand einer politischen Debatte über Kosten und Zuständigkeiten.
Nebeldusche als Ersatz? Begrenzte Reichweite
Wenige Meter entfernt steht seit Anfang Juni eine temporäre Nebeldusche - eine Edelstahl-Stele mit Trinkwasserhahn, Vernebelungsfunktion und einer bodennahen Tränke für Hunde. Sie läuft als Pilotprojekt bis zum 18. September, anschließend entscheidet die Stadt über einen dauerhaften Betrieb. Als vollständiger Ersatz für das Wasserspiel ist sie jedoch nur eingeschränkt geeignet: Während die 25 Bodenstrahlen eine große, begehbare Fläche bespielen, benetzt die Stele nach Beobachtung vor Ort schätzungsweise rund vier Quadratmeter.
Auch die Verwaltung bleibt in ihrer Bewertung zurückhaltend: Zwar sei der Kühleffekt durch die verdunstende Wassermenge wohl ähnlich dem des Brunnens, doch wirke die Kühlung wassertechnischer Anlagen räumlich generell nur sehr begrenzt.