Fahrrad-Klau im Minutentakt: Warum Dresden sachsenweit trauriger Spitzenreiter ist
Dresden. Irgendwo in Dresden schließt gerade jemand sein Fahrrad ab – und hofft, dass es noch da ist, wenn er zurückkommt. Diese Hoffnung trügt öfter, als die meisten ahnen. 3.608 Mal im Jahr 2025, weist die Statistik des Sächsischen Landeskriminalamts aus. Eines alle zweieinhalb Stunden. Für eine Stadt mit knapp 570.000 Einwohnern ist das ein bemerkenswerter Wert: Dresden stellt rund ein Siebtel der sächsischen Bevölkerung, aber mehr als ein Viertel aller Fahrraddiebstähle im Freistaat. Und die Polizei klärt nur jeden achten Fall auf.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Dresden hat diese Zahlen am Donnerstag in einer Mitteilung aufgegriffen. Die Botschaft dahinter ist einfach: Der Rückgang sieht besser aus, als er ist.
„Wer sein Fahrrad im Alltag nutzt, muss jederzeit damit rechnen, dass es gestohlen wird", sagt Nils Larsen, Vorstandsmitglied des ADFC Dresden. „Das ist ein echtes Mobilitätshindernis." Er sagt das ohne Empörung, eher mit der Müdigkeit von jemandem, der diesen Satz schon oft gesagt hat.
Einen Teil der Verantwortung sieht der Verband bei der Stadt selbst. Es fehle nicht nur an Abstellplätzen, sondern vor allem an guten. Larsen nennt ein Beispiel, das er offenbar nicht vergessen hat: Anlagen wie an der Prager Spitze, die sich mit einfachem Werkzeug demontieren ließen, dürften so nicht mehr gebaut werden. Was er stattdessen fordert: die geplanten Fahrradparkhäuser - und zwar zügig.
Daneben verweist der ADFC auf das sogenannte Leipziger Modell, bei dem Bürgerinnen und Bürger Fahrradbügel im öffentlichen Raum beantragen können. Die Idee sei gut. Die Umsetzung sei es nicht. Wer in Dresden einen Bügel beantrage, warte inzwischen manchmal mehr als zwei Jahre. „Gute Ideen aus der Stadtgesellschaft dürfen nicht im Amt stecken bleiben", sagt Larsen.
Schärfer wird er beim Thema Polizei. Zwölf Prozent Aufklärungsquote - das sei keine Zahl, hinter der man sich verstecken könne. Der ADFC fordert spezialisierte Ermittlerinnen und Ermittler und den Einsatz von Lockvogel-Fahrrädern, wie sie in anderen europäischen Ländern bereits gang und gäbe seien. „Fahrraddiebstahl wird oft als Bagatelldelikt behandelt", sagt Larsen. „Das wird der Realität nicht gerecht."
Ob sich daran etwas ändert, hängt an Entscheidungen, die noch niemand getroffen hat - in der Verwaltung, bei der Polizei, im Stadtrat. Bis dahin bleibt die Rechnung dieselbe.