Klimmzüge statt Brombeerhecken: Der neue Sport-Hotspot am Straßburger Platz ist da
Dresden. Stübelallee, Mittwochnachmittag. Wer hier vorbeiläuft, hört es, bevor er es sieht: das Stöhnen von jemandem, der seinen letzten Klimmzug herauspresst. Hinter dem Einkaufszentrum SP1 am Straßburger Platz ist etwas entstanden, das hier lange niemand für möglich gehalten hätte. Wo bis vor wenigen Monaten noch ein wilder Fahrradweg durch ein verwildertes Brachgelände führte, recken sich heute Calisthenics-Gerüste in den Dresdner Himmel.
Matthias Vogel hat seinen Rucksack bereits abgelegt. Normalerweise trainiert der 48-JÄhrige mit seiner Gruppe im Ostragehege. Heute ist er eigens hier hergefahren. „Der Vorteil ist, dass es hier Möglichkeiten zum Sitzen gibt, aber auch zum Ablegen seiner Sachen", sagt er und deutet auf die Bänke neben den Gerüsten. „Und dann ist ja auch gleich noch ein Supermarkt um die Ecke." Er lacht. „Ich denke, wir werden hier regelmäßig vorbeikommen."
Calisthenics, Tischkicker und mehr: Das bietet der neue Sportpark in der Johannstadt
Dass er überhaupt hier ist, hat mit einer Entscheidung zu tun, die zunächst wenig mit Sport zu tun hatte. Die Stadt plante die Radvorrangroute Ost. Die führte durch das Areal. Und plötzlich lag eine Fläche frei, die jahrelang niemand angefasst hatte. „Das war eine Brachfläche mit wildem Fahrradweg", sagt Dorit Lehmann vom Stadtplanungsamt, die die Entwicklung des Geländes begleitet hat. Was daraus werden sollte, war schnell klar - die Frage war nur, wie.
Die Antwort steht seit Mittwoch, 6. Mai 2026, für alle offen: zwei Calisthenics-Anlagen, eine Tischtennisplatte, ein Tischkicker, Sitzmöglichkeiten. Barrierefrei, kostenlos, mitten in Johannstadt. Dr. Sascha Döll, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, fasst es schlicht zusammen: Die Fläche habe bislang „im Abseits" gelegen.



Sicherheit und Vandalismus-Schutz: Warum die Anlage lange halten soll
Dass sie das nicht mehr tut, ist auch das Verdienst von Florian Ehrler. Der Landschaftsarchitekt vom Büro freiraumentwicklung ehrler hat das Gelände geplant - und dabei an Details gedacht, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Die Gerüste und Fahrradständer sind aus verzinktem Metall und Edelstahl. „Die Geräte sind in der Stadt erprobt und halten auch etwas aus", sagt er.
Drei Bestandsbäume wurden erhalten, zwölf neue gepflanzt - darunter schnell wachsende Arten. „Schon in fünf Jahren ist dort mit nennenswertem Schattenwurf zu rechnen", sagt Ehrler. Rund 1.500 Stauden und Sträucher kommen hinzu. Das Gelände ist so angelegt, dass es Regenwasser direkt aufnimmt und speichert – für die Versorgung der Gehölze in trockenen Sommern.
Ob die Anlage halten wird, was sie verspricht, wird sich zeigen. Lehmann verweist auf Erfahrungen mit einer vergleichbaren Anlage auf der Tharandter Straße: „Wir sind guter Dinge, dass wir keine großen Vandalismusprobleme haben werden. Zumal auch hier eine befahrene Straße anliegt, die Straßenbahnen in einer hohen Taktung vorbeifahren und es im Rücken der Anlage auch ein großes Wohngebäude gibt." Ehrler ergänzt trocken: „Was uns zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass es während der Bauzeit zu keinen Vandalismusschäden gekommen ist."
470.000 Euro für Johannstadt: So wurde das Großprojekt finanziert
Gebaut hat die Firma HSD GmbH, von August 2025 bis März 2026. Geplant und gebaut wurden Anlage und Begrünung für rund 470.000 Euro. 70 Prozent davon kommen aus Mitteln des Freistaates Sachsen und der Europäischen Union - konkret aus dem Förderprogramm „Nachhaltige integrierte Stadtentwicklung (NiSE)" und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Weitere EFRE-Projekte in der Nachbarschaft: der Skatepark an der Lingnerallee, das Gelände zwischen Dürer- und Holbeinstraße.
Die Bauzäune stehen noch - mindestens zwei weitere Wochen, weil das Grün wegen des kalten, trockenen Frühjahrs noch nicht richtig angewachsen ist. Matthias Vogel stört das nicht. Er greift nach den Stangen, zieht sich hoch. Das Stöhnen ist wieder zu hören. Das Abseits hat sich erledigt.