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Klimmzüge statt Brombeerhecken: Der neue Sport-Hotspot am Straßburger Platz ist da

Ein Mann in kurzen grauen Hosen und schwarzem T-Shirt hängt an einer horizontalen Leiter (Monkey Bar) einer Calisthenics-Anlage im Freien und führt eine Übung aus.
Sport frei in Johannstadt: Der 48-jährige Matthias Vogel testet die neuen Calisthenics-Gerüste an der Stübelallee. Die barrierefreie Anlage, die am 6. Mai 2026 eröffnet wurde, bietet Sportlern eine moderne Alternative zum Training im Ostragehege. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Hanteln waren gestern! Hinter dem SP1 ist ein neuer Fitness-Hotspot entstanden. Doch wussten Sie, dass dieser Park eigentlich einem Radweg zu verdanken ist? Wir verraten, was das 470.000-Euro-Projekt sonst noch im Gepäck hat...

Dresden. Stübelallee, Mittwochnachmittag. Wer hier vorbeiläuft, hört es, bevor er es sieht: das Stöhnen von jemandem, der seinen letzten Klimmzug herauspresst. Hinter dem Einkaufszentrum SP1 am Straßburger Platz ist etwas entstanden, das hier lange niemand für möglich gehalten hätte. Wo bis vor wenigen Monaten noch ein wilder Fahrradweg durch ein verwildertes Brachgelände führte, recken sich heute Calisthenics-Gerüste in den Dresdner Himmel.

Matthias Vogel hat seinen Rucksack bereits abgelegt. Normalerweise trainiert der 48-JÄhrige mit seiner Gruppe im Ostragehege. Heute ist er eigens hier hergefahren. „Der Vorteil ist, dass es hier Möglichkeiten zum Sitzen gibt, aber auch zum Ablegen seiner Sachen", sagt er und deutet auf die Bänke neben den Gerüsten. „Und dann ist ja auch gleich noch ein Supermarkt um die Ecke." Er lacht. „Ich denke, wir werden hier regelmäßig vorbeikommen."

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Calisthenics, Tischkicker und mehr: Das bietet der neue Sportpark in der Johannstadt

Dass er überhaupt hier ist, hat mit einer Entscheidung zu tun, die zunächst wenig mit Sport zu tun hatte. Die Stadt plante die Radvorrangroute Ost. Die führte durch das Areal. Und plötzlich lag eine Fläche frei, die jahrelang niemand angefasst hatte. „Das war eine Brachfläche mit wildem Fahrradweg", sagt Dorit Lehmann vom Stadtplanungsamt, die die Entwicklung des Geländes begleitet hat. Was daraus werden sollte, war schnell klar - die Frage war nur, wie.

Die Antwort steht seit Mittwoch, 6. Mai 2026, für alle offen: zwei Calisthenics-Anlagen, eine Tischtennisplatte, ein Tischkicker, Sitzmöglichkeiten. Barrierefrei, kostenlos, mitten in Johannstadt. Dr. Sascha Döll, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, fasst es schlicht zusammen: Die Fläche habe bislang „im Abseits" gelegen.

Im Vordergrund steht ein weißes Hinweisschild mit der Aufschrift „Fitnessparcours Stübelallee/Canalettostr.“; im Hintergrund sind Menschen an einer Tischtennisplatte und ein modernes Wohngebäude zu sehen.
Regeln für den Fitnessparcours: Ein Hinweisschild an der Ecke Stübelallee/Canalettostraße erläutert die Nutzung der neuen Anlage. Das Projekt wurde für rund 470.000 Euro realisiert, wobei 70 Prozent der Kosten durch Fördermittel der EU (EFRE) und des Freistaates Sachsen gedeckt wurden.
Eine Frau in blauer Lederjacke und ein Mann in einem grün-karierten Hemd spielen an einem massiven Outdoor-Tischkicker aus grauem Beton.
Einweihung der neuen Freizeitfläche an der Stübelallee: Dorit Lehmann vom Stadtplanungsamt und Landschaftsarchitekt Florian Ehrler testen den neuen Outdoor-Tischkicker. Die barrierefreie Anlage hinter dem Einkaufszentrum SP1 wurde am 6. Mai 2026 offiziell für die Öffentlichkeit freigegeben.
Übersicht über die neu gestaltete Grünfläche mit jungen Bäumen und Sportgeräten im Hintergrund; ein rot-weißer Bauzaun sichert die frische Bepflanzung im Vordergrund ab.
Wo zuvor eine verwilderte Brachfläche lag, bietet das Areal in Johannstadt nun moderne Calisthenics-Geräte und Sitzmöglichkeiten. Das rund 470.000 Euro teure Projekt wurde mit EU- und Landesmitteln finanziert und umfasst neben den Sportgeräten auch zwölf neu gepflanzte Bäume.

Sicherheit und Vandalismus-Schutz: Warum die Anlage lange halten soll

Dass sie das nicht mehr tut, ist auch das Verdienst von Florian Ehrler. Der Landschaftsarchitekt vom Büro freiraumentwicklung ehrler hat das Gelände geplant - und dabei an Details gedacht, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Die Gerüste und Fahrradständer sind aus verzinktem Metall und Edelstahl. „Die Geräte sind in der Stadt erprobt und halten auch etwas aus", sagt er.

Drei Bestandsbäume wurden erhalten, zwölf neue gepflanzt - darunter schnell wachsende Arten. „Schon in fünf Jahren ist dort mit nennenswertem Schattenwurf zu rechnen", sagt Ehrler. Rund 1.500 Stauden und Sträucher kommen hinzu. Das Gelände ist so angelegt, dass es Regenwasser direkt aufnimmt und speichert – für die Versorgung der Gehölze in trockenen Sommern.

Ob die Anlage halten wird, was sie verspricht, wird sich zeigen. Lehmann verweist auf Erfahrungen mit einer vergleichbaren Anlage auf der Tharandter Straße: „Wir sind guter Dinge, dass wir keine großen Vandalismusprobleme haben werden. Zumal auch hier eine befahrene Straße anliegt, die Straßenbahnen in einer hohen Taktung vorbeifahren und es im Rücken der Anlage auch ein großes Wohngebäude gibt." Ehrler ergänzt trocken: „Was uns zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass es während der Bauzeit zu keinen Vandalismusschäden gekommen ist."

470.000 Euro für Johannstadt: So wurde das Großprojekt finanziert

Gebaut hat die Firma HSD GmbH, von August 2025 bis März 2026. Geplant und gebaut wurden Anlage und Begrünung für rund 470.000 Euro. 70 Prozent davon kommen aus Mitteln des Freistaates Sachsen und der Europäischen Union - konkret aus dem Förderprogramm „Nachhaltige integrierte Stadtentwicklung (NiSE)" und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Weitere EFRE-Projekte in der Nachbarschaft: der Skatepark an der Lingnerallee, das Gelände zwischen Dürer- und Holbeinstraße.

Die Bauzäune stehen noch - mindestens zwei weitere Wochen, weil das Grün wegen des kalten, trockenen Frühjahrs noch nicht richtig angewachsen ist. Matthias Vogel stört das nicht. Er greift nach den Stangen, zieht sich hoch. Das Stöhnen ist wieder zu hören. Das Abseits hat sich erledigt.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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