Dresden: Orangenbäumchen kehren in den Zwinger zurück
Dresden. Seit Montag, dem 1. Juni, stehen wieder Orangenbäumchen im Dresdner Zwingerhof. Die 52 italienischen Bitterorangen – sogenannte Pomeranzen - werden bis zum 5. Juni symmetrisch entlang der Hauptwege aufgestellt, wie die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen (SBG) mitteilten. Wegen der Hofsanierung hatten die empfindlichen Pflanzen seit 2021 ganzjährig im Barockgarten Großsedlitz in Heidenau überwintert.
Der Umzug ist logistisch aufwendig: Die inzwischen über 3,5 Meter hohen und rund 120 Kilogramm schweren Bäume werden mit einer Hebel- und Transportkarre auf einen speziell gefertigten Anhänger mit Windschutz verladen – jeweils drei Bäumchen pro Fahrt. Im Hochsommer bleiben die Pomeranzen im Zwingerhof, ehe sie ab Mitte Oktober wieder in die Orangerie nach Großsedlitz zurückkehren.
Tägliche Pflege, wöchentliche Düngung - und ein gefürchteter Schädling
Die Pflege übernehmen spezialisierte Gärtner, sogenannte Orangeure. Einer von ihnen ist Karsten Otto. Seine Bilanz ist klar: mindestens einmal pro Woche düngen, an Hitzetagen täglich gießen. Größte Bedrohung für den Bestand ist die Australische Wollschildlaus - ein Schädling, der konsequent bekämpft werden muss.
Die Blüte der Pomeranzen steht für Juli und August an. Geerntet wird ebenfalls: Schlossleiterin Yvonne Aulhorn zufolge wurden zuletzt 120 Kilogramm Zitrusfrüchte eingebracht - die daraus hergestellte Marmelade ist im Shop der Zwinger Experience erhältlich.
Von den insgesamt 80 Zwinger-Pomeranzen stehen 52 im Zwingerhof. Die restlichen 28 bekamen erst im April neue Kübel - ein Eingriff, der für die Pflanzen erheblichen Stress bedeutet. Sie bleiben deshalb in diesem Sommer noch in Großsedlitz.
Von August dem Starken bis heute: Die Geschichte der Pomeranzen im Zwinger
Die Orangenbäumchen sind kein bloßes Schmuckelement - sie verweisen auf die ursprüngliche Funktion des Zwingers. Unter August dem Starken beherbergten die Bogengalerien einst rund 1.700 Orangenbäumchen als Winterquartier. Die Kultivierung der empfindlichen Zitrusfrüchte nördlich der Alpen galt damals als Zeichen von Macht und Reichtum. Seit 2017 stehen die heutigen 80 Pomeranzen - in Italien erworben - wieder im Zwingerhof und knüpfen damit an diese Tradition an.
Purple Disco Machine übernimmt Patenschaft - aus persönlichem Grund
Wer die Pflege der Pomeranzen dauerhaft unterstützen möchte, kann über den Freundeskreis Schlösserland Sachsen eine Patenschaft übernehmen. Aktuell suchen 20 Bäume einen neuen Paten. Die Patenschaft läuft über fünf Jahre, kostet 550 Euro pro Jahr - und wird mit einem personalisierten Schild am Bäumchen sichtbar.
Zu den neuen Paten gehört Tino Piontek, bekannt als Dresdner DJ und Produzent Purple Disco Machine: Er hat gleich zwei Patenschaften übernommen - eine für sich, eine für seinen Großvater, der am Wiederaufbau des Zwingers mitgearbeitet hat. Eine persönlichere Verbindung zu einem Orangenbäumchen ist kaum vorstellbar.
Infos und Kontakt: www.freundeskreis-schloesserland.de