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Dresden: Härtetest entscheidet über Zukunft der Brücke Budapester Straße

Unteransicht einer Betonbrücke, die von massiven, rot lackierten Stahlgerüsten und blauen Hydraulikhebern gestützt wird. Im Hintergrund sind Betonpfeiler, Baustellenabsperrungen und Schilder zu sehen.
Mitte August steht an der Brücke Budapester Straße in Dresden ein entscheidender Belastungstest an: Überprüft wird die Resttragfähigkeit des aufwendig gesicherten Bauwerks. Massive Stahlstützen unterfangen bereits die Fahrbahn. Foto: Thomas Wolf
Von: Cornelius de Haas
Wie schon bei der Carolabrücke rissen im Inneren des Betons unbemerkt die Stahldrähte. Nun wagt Dresden ein extremes nächtliches Experiment an der Brücke Budapester Straße: Mit gigantischem Gewicht und absoluten Sperrungen der Ammonstraße kämpft die Stadt um Jahre wertvoller Zeit.

Dresden. Wenn in der kommenden Woche die Stadt schläft und die letzten Bahnen stehen, rücken die Schwergewichte an. Mit einem massiven nächtlichen Belastungstest prüft die Stadtverwaltung die Tragfähigkeit der maroden Brücke Budapester Straße, um das wichtige Bauwerk vor einer jahrelangen Vollsperrung zu bewahren.

Schwerlast-Experiment in der Dunkelheit

Vom 10. bis zum 12. August rollen selbstfahrende, modulare Spezialfahrzeuge an. In den Nachtstunden bringen die Maschinen stufenweise ein enormes Gewicht von bis zu 326 Tonnen auf den Brückenzug. Sensoren und Vermessungsgeräte überwachen dabei jede kleinste Bewegung und Durchbiegung des Betons. Um die absolute Sicherheit bei diesem riskanten Manöver zu gewährleisten, greifen strenge Sperrpausen: Die Stadt sperrt die unter der Brücke verlaufende Ammonstraße sowie das Bauwerk selbst an den Versuchstagen jeweils von 18 bis 6 Uhr morgens vollständig für den Verkehr. Zudem erfolgt der heikle Belastungstest tief in der Nacht ausschließlich dann, wenn unter der Brücke keine Züge oder Straßenbahnen verkehren.

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Kampf gegen den schleichenden Verfall

Der Hintergrund des aufwendigen Verfahrens ist eine voranschreitende Spannungsrisskorrosion im Inneren des Betons. Temperaturbedingte Drahtbrüche im Spannstahl, eine ähnliche Problematik wie an der Carola-Brücke, hatten die Stadt bereits im Mai zu einer Teilsperrung gezwungen. Um einen drohenden Einsturz zu verhindern, ließ das Straßen- und Tiefbauamt in den vergangenen Wochen wuchtige Notstützen aus Stahl errichten. Wie Amtsleiterin Simone Prüfer erklärte, rissen die Stahldrähte an warmen Wochenenden zuletzt vermehrt, obwohl der Verkehr bereits von der Brücke verbannt war. Das Bauwerk trug quasi nur noch sich selbst und drohte dennoch zu versagen.

Fünf bis zehn Jahre Zeitgewinn erhofft

Die Stadtspitze hofft nun inständig auf das Best-Case-Szenario. Ergibt der Belastungstest, dass die Stahlstützen und der verbleibende Beton die Lasten sicher abtragen, soll die Brücke künftig wieder einspurig für Pkw und den Busverkehr bis 16 Tonnen freigegeben werden. Schwerlaster bleiben strikt verboten. Brücken-Experte Professor Steffen Marx macht den Ernst der Lage deutlich und unterstreicht, dass das Bauwerk ohne die aktuellen Notsicherungen zwangsläufig über der Ammonstraße eingestürzt wäre. Mit der anvisierten Teileröffnung will sich Dresden einen Puffer von fünf bis zehn Jahren erkaufen. Diese Zeit wird dringend benötigt, um einen Neubau über den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs zu planen, ohne ein totales Verkehrschaos in der Stadt auszulösen.

Millionen-Loch in der Stadtkasse

Die Rettung der Brücke entwickelt sich derweil zu einer enormen finanziellen Belastung. Baubürgermeister Stephan Kühn legte dem Stadtrat eine Vorlage zur Freigabe von zehn Millionen Euro vor. Rund 5,5 Millionen Euro hat die Stadt bereits für die Notstützen und den anstehenden Belastungstest verplant. Kühn macht keinen Hehl daraus, dass diese ungeplanten Ausgaben das Defizit im aktuellen städtischen Haushalt weiter vergrößern werden. Fällt der Belastungstest in der kommenden Woche negativ aus, stünde Dresden vor dem schlimmsten Szenario: Die Brücke müsste dauerhaft gesperrt bleiben, was eine sofortige und extrem teure Neubauplanung unter enormem Zeitdruck nach sich ziehen würde.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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