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Das Aus für die orangen Entwerter in Dresden: Was aus der beliebten 4er-Karte wird

Ein orangefarbener, kastenförmiger Fahrkartenentwerter ist an einer gelben Haltestange im Innenraum einer Straßenbahn montiert. Links daneben befindet sich ein großes Fenster mit Blick auf grüne Bäume.
Auslaufmodell im Nahverkehr: Der orangefarbene Entwerter verschwindet bis April 2027 komplett aus den Fahrzeugen des VVO. Die Wartung kostet jährlich rund eine Million Euro. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Bald verstummt das vertraute Klacken beim Einsteigen: Bis April 2027 sollen im gesamten VVO rund 2.500 Fahrkartenentwerter verschwinden - und mit ihnen die beliebte Papier-Viererkarte zum Abstempeln. Schon jetzt fragen Stadträte, wie Kinder und Senioren ohne Smartphone künftig an ihr Ticket kommen.

Dresden. Der orange-gelbe Kasten zum Abstempeln gehört für viele zum Bus- und Bahnfahren wie der Fahrplan an der Haltestelle. Damit ist bald ganz Schluss - und der Umbau läuft bereits: Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) macht seinen Vertrieb in zwei Schritten entwerterfrei, der erste ist getan, der zweite folgt zum 1. April 2027.

Dann geht mit den Geräten auch die gedruckte 4er-Karte zum Abstempeln, die man bisher auf Vorrat in der Tasche tragen und bei Bedarf entwerten konnte. Wer digital unterwegs ist, fährt weiter - das Aus trifft im Alltag vor allem jene, die nicht jedes Mal das Smartphone zücken wollen oder können.

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Entwerter im VVO: Warum die Geräte verschwinden sollen

Hinter dem Schritt steht vor allem das Geld. Betrieb und Wartung der rund 2.500 Entwerter kosten den Verbund etwa eine Million Euro im Jahr, und bei mehreren Verkehrsunternehmen stünden ohnehin teure Ersatzbeschaffungen an. Gleichzeitig benutzt sie kaum noch jemand: Nur noch rund 13 Prozent der Ticketeinnahmen stammen aus dem Automatenvertrieb - 2019 war es mehr als ein Viertel. Wer heute fährt, setzt meist auf Deutschlandticket, BildungsTicket oder die Chipkarte; deren Anteil an den Einnahmen kletterte von gut der Hälfte auf fast vier Fünftel.

Der erste Schritt läuft seit dem 1. April 2026: Zeitkarten gibt es nur noch mit festem Starttag, und für Kurzstrecken springt die Check-in-/Check-out-App FAIRTIQ als Ersatz für die 4er-Karte ein. Erst der zweite Schritt zum 1. April 2027 bringt den eigentlichen Einschnitt - dann sollen die Papier-Viererkarten ganz wegfallen und auch Einzel- und Tageskarten nur noch fürs konkrete Datum oder zum sofortigen Start verkauft werden. Ob Einzelfahrten dabei teurer werden, prüfen die Partner noch.

Sorge um Kinder und Senioren: Was Kritiker fordern

Genau hier setzt die Debatte an. Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary, zugleich Verbandsrätin im VVO, versteht die wirtschaftlichen Gründe - pocht aber auf Alternativen. Ihr Beispiel: Eltern konnten Grundschulkindern bisher eine gedruckte 4er-Karte mitgeben, die diese bei Bedarf abstempelten. Viele Kinder aber hätten weder Smartphone noch Geldkarte, um spontan im Fahrzeug ein Ticket zu lösen - und nicht jede Haltestelle hat einen Automaten. Dasselbe gelte für ältere Menschen, die auf Bus und Bahn angewiesen, aber nicht digital unterwegs seien.

Mit der Kritik steht Caspary nicht allein: Auch die AfD-Fraktion warnt vor einer Benachteiligung der Schwächsten und will je Fahrzeug zumindest einen Entwerter behalten.

Bargeld bleibt - Alternativen für Kinder noch offen

Wer bar zahlen will, kann das weiter tun, betont der VVO: allein in Dresden an über 100 DVB-Automaten, dazu an den DB-Automaten fast aller S-Bahn-Stationen, bei jedem Regionalbusfahrer und in fast allen Servicestellen. Einen einklagbaren Anspruch auf Barzahlung gibt es laut Stadt allerdings nicht. Offen bleibt der heikelste Punkt: Welche Lösung es für Kinder ohne Smartphone und Geldkarte und für ältere, nicht digital ausgestattete Fahrgäste geben soll, ist noch nicht entschieden - dazu, so der VVO, liefen derzeit Gespräche.

Bewegung gibt es bereits. Am 18. Juni informierte die Verbandsversammlung über den Stand, weitere Beratungen folgen in der zweiten Jahreshälfte. Auf Drängen der Dresdner Verbandsräte sollen vorher die städtische Beauftragte für Menschen mit Behinderung und Senioren sowie die Kinder- und Jugendbeauftragte angehört werden; die konkreten Maßnahmen kommen anschließend in eine Sondersitzung des Hauptausschusses - noch vor dem Aufsichtsrat am 9. September. Caspary, die den Wegfall mit ihrer Anfrage öffentlich gemacht hatte, zeigt sich erleichtert, dass ihre Bedenken aufgegriffen wurden.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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