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35 Jahre Unabhängigkeit der Ukraine: Bis zu 1.000 Menschen ziehen durch Dresden

Ukrainische Fahnen
Oliver Schenk (CDU) spricht am Postplatz vor Ukrainerinnen und Ukrainern (Bild: Thomas Wolf)
Von: Thomas Wolf
Rund 800 bis 1.000 Menschen haben am Montagabend auf dem Dresdner Postplatz den 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit begangen. Politiker von CDU, SPD, Grünen und Volt forderten weitere Unterstützung für die Ukraine. Kurz nach 19 Uhr setzte sich ein Umzug durch die Innenstadt in Bewegung.

Dresden. Ukrainische Fahnen bestimmten am Montagabend das Bild auf dem Postplatz. Rund 800 bis 1.000 Menschen kamen nach Schätzung von DIE SACHSEN NEWS zusammen, um an den 35. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine zu erinnern. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten Plakate mitgebracht. Eine Forderung war besonders präsent: ein sicherer Himmel über der Ukraine.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Plattform Dresden e.V. und dem Team um Natalija Bock. Bereits ab 17.30 Uhr gab es einen Kuchenbasar, Kaffee und ukrainische Souvenirs. Die Spenden sollen nach Angaben des Vereins der Ukraine-Hilfe-Berlin zugutekommen und für Fahrzeuge des medizinischen Dienstes an der Front eingesetzt werden. Ab 18 Uhr folgte die Kundgebung auf dem Postplatz.

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800 bis 1.000 Menschen auf dem Postplatz

Der Jahrestag war auf dem Postplatz Feier und politische Kundgebung zugleich. Menschen standen mit ukrainischen Fahnen vor der Bühne, hörten den Redebeiträgen zu und kamen miteinander ins Gespräch. Viele der Plakate richteten den Blick auf den Krieg, der die Ukraine seit dem russischen Großangriff im Februar 2022 prägt.

Der Wunsch nach einem „sicheren Himmel“ tauchte dabei immer wieder auf. Gemeint ist vor allem der Schutz der ukrainischen Städte und ihrer Bevölkerung vor russischen Drohnen- und Raketenangriffen.

Für Oliver Schenk (CDU) verband sich der Jahrestag unmittelbar mit dem Krieg. Der sächsische Europaabgeordnete erinnerte daran, dass die Unabhängigkeit vor 35 Jahren erkämpft worden sei und heute erneut verteidigt werden müsse. Diese Verteidigung betreffe nach seiner Darstellung die Ukraine selbst, aber auch Europa. Schenk gehört seit 2024 dem Europäischen Parlament an.

Warum der 24. August für die Ukraine so wichtig ist

Am 24. August 1991 erklärte das ukrainische Parlament die damalige Ukrainische Sowjetrepublik zu einem unabhängigen demokratischen Staat. Vorausgegangen war wenige Tage zuvor der gescheiterte Putsch gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow in Moskau. Das Parlament legte zugleich fest, dass die Bevölkerung die Entscheidung in einem Referendum bestätigen sollte.

Dieses Referendum fand am 1. Dezember 1991 statt. 90,32 Prozent der Abstimmenden bestätigten die Unabhängigkeit. Eine Mehrheit gab es in sämtlichen Regionen der damaligen Ukraine, auch auf der Krim sowie in Donezk und Luhansk. Mehr als 28,8 Millionen Menschen stimmten dafür.

35 Jahre später bekommt der Unabhängigkeitstag durch den russischen Angriffskrieg eine unmittelbare Gegenwart. Russland hatte bereits 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Seit dem 24. Februar 2022 führt Russland einen großangelegten Krieg gegen die Ukraine.

Ecke fordert Investitionen und russisches Vermögen für die Ukraine

Der SPD-Europaabgeordnete Matthias Ecke griff in seiner Rede den Wunsch nach einem sicheren Himmel auf. Er verwies zugleich darauf, dass die Ukraine neben militärischer Unterstützung Geld für Schulen und andere gesellschaftlich wichtige Bereiche brauche.

Ecke sprach sich dafür aus, eingefrorenes russisches Vermögen stärker für die Unterstützung der Ukraine zu nutzen. Die EU verwendet bereits Erträge, die aus immobilisiertem Vermögen der russischen Zentralbank entstehen. Anfang August 2026 flossen daraus weitere 1,4 Milliarden Euro an die EU. Seit der Immobilisierung waren bis dahin rund acht Milliarden Euro an entsprechenden Erträgen entstanden. Die Vermögenswerte selbst bleiben bislang immobilisiert.

Ecke verwies außerdem auf die mittlerweile 21 Sanktionspakete der Europäischen Union gegen Russland. Das jüngste Paket hatte der Rat der EU am 23. Juli beschlossen. Es richtet sich unter anderem gegen den russischen Energie- und Finanzsektor, Teile der Rüstungsindustrie sowie weitere Schiffe der russischen Schattenflotte. Nach Einschätzung der EU-Kommission haben die Sanktionen Russlands wirtschaftliche Möglichkeiten eingeschränkt, den Krieg zu finanzieren.

Ecke sitzt für die SPD im Europäischen Parlament und ist unter anderem Mitglied im Haushaltsausschuss sowie im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Sein deutsches Abgeordnetenbüro befindet sich in Dresden.

Helbig reagiert auf Störer, kurz nach 19 Uhr beginnt der Umzug

Emotional wurde es zu Beginn der Rede von Martin Helbig. Der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Sachsen reagierte auf die Anwesenheit von Björn Winter, der im Internet als „Björn Banane“ auftritt und sich unter die Menschen gemischt hatte. Winter wird vom sächsischen Verfassungsschutz dem Phänomenbereich „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ zugerechnet. Helbig wandte sich direkt an ihn:

„Verpiss dich hier, du bist hier nicht erwünscht.“


Darauf folgte großer Applaus aus dem Publikum.

Winter war erst Ende Juli bei einer Gedenkveranstaltung in Potsdam aufgefallen. Dort hatte er Teilnehmende provoziert und beschimpft.

Helbig, der Landesvorsitzender der sächsischen Grünen ist, richtete anschließend einen Appell an den Dresdner Stadtrat. Die Unterstützung für die ukrainische Community dürfe aus seiner Sicht nicht aus dem städtischen Haushalt gestrichen werden. Er bedankte sich zugleich bei den Dresdnerinnen und Dresdnern, die Menschen aus der Ukraine seit Beginn des Krieges unterstützen

Die Dresdner Volt-Stadträtin Jessica Roitzsch schloss sich in ihrem Redebeitrag den Aussagen ihrer Vorredner an.

Nach den Reden blieb es nicht bei der Kundgebung auf dem Postplatz. Kurz nach 19 Uhr setzte sich ein Umzug durch die Dresdner Innenstadt in Bewegung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen ihre ukrainischen Fahnen und Plakate mit auf den Weg durch das Stadtzentrum. Der Plattform Dresden e.V. hatte ursprünglich einen gemeinsamen Aufzug angekündigt.

Die ukrainische Community gehört inzwischen fest zum Leben in Dresden. Nach Angaben der Stadt kamen allein 2022 mehr als 10.000 Menschen aus der Ukraine nach Dresden. Auch 2026 werden weitere Schutzsuchende erwartet. DIE SACHSEN NEWS berichtete im Februar über die aktuellen Zahlen ukrainischer Geflüchteter in Dresden. Im Juli kamen zudem junge Ukrainerinnen und Ukrainer bei einem Netzwerkabend in Dresden zusammen.

Auch Sachsen unterstützt die Ukraine seit Jahren direkt. 2024 brachte der Freistaat beispielsweise Generatoren und medizinisches Material in seine Partnerregion Charkiw. Oliver Schenk hatte die Zusammenarbeit damals noch als Chef der Sächsischen Staatskanzlei begleitet. Mehr dazu: Sachsen schickt Hilfstransport in die Ukraine.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

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