Ein Blick, ein Zeichen, ein Schritt aufeinander zu – und der Hund versteht. Dieses Zusammenspiel kennen viele aus dem eigenen Alltag. Aber gilt es auch für Jagdhunde in den Wäldern von Vanuatu oder auf den Steppen der Mongolei? Ja, sagt eine neue Studie zur Mensch-Hund-Beziehung. Die Forschung konzentrierte sich bislang vor allem auf westliche Gesellschaften. Dabei leben die meisten Hunde weltweit nicht als Familienhunde auf dem Sofa, sondern als Jagd- oder Wachhunde.
Forschende der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben 164 Mensch-Hund-Paare in fünf Ländern untersucht: in Deutschland, Vanuatu, der Mongolei, Madagaskar und Peru. Sie wollten herausfinden, ob die enge Bindung zwischen Mensch und Hund, wie wir sie aus dem Westen kennen, auch anderswo auf der Welt existiert.
Mehr als nur Arbeitspartner
Der Fragebogen zeigte ein klares Bild. In allen fünf Ländern schätzen die Menschen ihre Hunde. Fast alle Befragten sagten, ihr Leben sei besser, weil sie einen Hund haben. Mehr als 90 Prozent gaben an, sich auf ihren Hund verlassen zu können. Ebenso viele glauben, ihr Hund würde sie in einer bedrohlichen Situation schützen.
Gleichzeitig gibt es kleine Unterschiede. Deutsche Hunde waren gehorsamer und ausdauernder. Halter in Vanuatu konnten die Signale ihrer Hunde besonders gut lesen – weil sie beim Jagen auf Wildschweine darauf angewiesen sind. "Viele dieser Unterschiede ergeben Sinn, wenn man sich den Alltag der Hunde anschaut", sagt Bräuer. "Training, Jagdtechniken und die soziale Rolle beeinflussen, wie Hunde mit Menschen interagieren."
Hunde wurden vor rund 30.000 Jahren domestiziert, früher als jede andere Tierart. Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse als Hinweis darauf, dass sich die Mensch-Hund-Beziehung über Jahrtausende hinweg bewährt hat. "Trotz enormer kultureller Vielfalt fanden wir mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede", sagt Russell Gray, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Seniorautor der Studie. "Die Bindung zwischen Menschen und Hunden scheint weltweit verbreitet zu sein und sich an sehr unterschiedliche Lebensweisen angepasst zu haben."