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Warme dichte Materie: Elektronen verhalten sich anders als erwartet

Hochpräzise Röntgentechnik am European XFEL machte sichtbar: Elektronen in warmer dichter Materie verhalten sich anders als erwartet.
Am HED-HIBEF-Instrument des European XFEL wurden Aluminiumproben unter extremem Druck und Hitze mit Röntgenlicht untersucht – die Messungen widerlegten gängige Physikmodelle.© Thomas R. Preston/European XFEL
Von: Wissensland
Wie verhalten sich Elektronen unter Bedingungen wie im Inneren eines Planeten? Forschende haben Aluminium auf extremen Druck und hohe Temperaturen gebracht – und dabei entdeckt, dass wichtige Modelle der Physik überraschend ungenau sind.

Elektronen verhalten sich in extremen Materiezuständen anders als bislang angenommen. Das zeigt eine neue Studie von Forschenden des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR), des European XFEL und weiterer Partner. Die Ergebnisse könnten helfen, das Innere von Planeten besser zu verstehen und die Forschung an der Kernfusion voranzubringen.

Aluminium unter Extrembedingungen

Am European XFEL bei Hamburg, der weltgrößten Röntgenlaser-Forschungseinrichtung, pressten die Forschenden eine dünne Aluminiumfolie auf das 500.000-Fache des normalen Luftdrucks zusammen und erhitzten sie auf fast 7.000 Grad Celsius. So entstand sogenannte warme dichte Materie, ein Materiezustand, wie er im Inneren großer Planeten oder bei Experimenten zur Kernfusion vorkommt.

Warme dichte Materie ist schwer zu untersuchen. Forschende nutzen deshalb Experimente mit Röntgenlicht und Rechenmodelle, um das Verhalten der Elektronen zu beschreiben. Diese bestimmen unter anderem, wie ein Material Wärme und Strom leitet oder auf Strahlung reagiert.

Die nun veröffentlichte Studie zeigt jedoch, dass viele bislang verwendete Modelle wichtige Eigenschaften der Elektronen nicht korrekt erfassen. Die gemessenen Werte wichen um bis zu 25 Prozent von den Vorhersagen ab.

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Folgen für Planeten und Kernfusion

"Selbst bei Aluminium, das oft als einfaches Metall betrachtet wird, lässt sich die Elektronenreaktion durch zu gleichförmige Modelle nicht gut beschreiben, sobald das Material in diesen extremen Zustandsbereich versetzt wird“, sagt Erstautor Dmitrii Bespalov. "Erst wenn wir die tatsächliche ungeordnete Struktur berücksichtigen, stimmen Theorie und Experiment überein.“

Die Lösung lieferten deutlich detailliertere Computersimulationen. Sie berücksichtigen die tatsächliche Anordnung der Atome und deren Wechselwirkungen mit den Elektronen wesentlich genauer als bisherige Ansätze. Die Erkenntnisse helfen dabei, die Bedingungen im Inneren von Planeten präziser zu beschreiben. Außerdem sind sie für die Fusionsforschung relevant.

Bei der Kernfusion verschmelzen Atomkerne miteinander und setzen dabei große Mengen Energie frei – ähnlich wie in der Sonne. Forschende hoffen, diese Energie eines Tages zur klimafreundlichen Stromerzeugung nutzen zu können. Genauere Modelle könnten künftig dazu beitragen, entsprechende Experimente zuverlässiger auszuwerten.


Originalveröffentlichung:
D. S. Bespalov et al.: Momentum-Resolved X-Ray Thomson Scattering Benchmark of Electronic-Response Models in Warm Dense Aluminium, in Physical Review Letters, 2026

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